Jamaika

Blue Mountains: Kaffee gefällig?

Rund zwei Dutzend Pflückerinnen zupfen die Kaffeekirschen von den über 30.000 Pflanzen.

Eine geschmackvolle und belebende Tour in die Kaffeeanbauregion der Blue Mountains

Alton Bedward ist eine Kaffee-Koryphäe. Fotos: mc

Die Straßen sind kurvig und steil. Vorbei an immergrüner Wildnis, kleineren Farmen und windschiefen Blechhütten. Eine gute Autostunde liegt zwischen den karibischen Traumstränden und den Blue Mountains, einer üppigen Bergregion im Osten Jamaikas.

Nicht wenige Urlauber sind überrascht, wenn sie erfahren, dass es auf Jamaika ein Gebirge gibt. Die Blue Mountains sind ein Refugium für Naturliebhaber und Wanderer sowie für seltene Flora und Fauna. Über 2.000 Meter hoch ist der höchste Punkt, der Blue Mountain Peak.

Blue Mountain Coffee ist begehrt

An seinen fruchtbaren Flanken und Ausläufern wabert Nebel und überzieht die Natur mit einem feuchten und kühlenden Schleier, fast jeden Tag. Faktoren für ein einzigartiges Mikroklima, das wiederum für einen einzigartigen Kaffee sorgt. Der Blue Mountain Coffee ist einer der begehrtesten und teuersten Kaffees der Welt. Weil er von Hand gepflückt wird und nur sehr langsam wächst. Ein Kilo kostet im Handel rund 100 Euro. Dennoch ist er ein beliebtes Mitbringsel für Jamaika-Urlauber.

Deutlich billiger ist der Kaffee zu haben, wenn man ihn direkt auf der Plantage ersteht. Und mit der Gewissheit, keinen minderwertigen Verschnitt zu ergattern. Gelegenheit dazu bieten so genannte Coffee Plantation Tours. Sie werden von Hotels, von lokalen Busunternehmen sowie vom Tourist Board angeboten. Die Kaffeeplantagen tragen Namen wie Mavis Bank Coffee Factory, Amber Estate oder Craighton Estate und sind Musik in den Ohren von Kaffeekennern.

Die Führungen bieten nicht nur Abwechslung von Strand und Pool, sondern auch so manch überraschende Information über das beliebteste Getränk der Deutschen – noch vor Bier. Etwa, dass der Begriff „Barbecue“ ursprünglich aus der Kaffeeproduktion stammt: Die Bohnen wurden früher in der Sonne getrocknet, also „gegrillt“. Oder, dass aus einer einzigen Pflanze, die im 18. Jahrhundert von französischen Kolonialherren in die Karibik gebracht wurde, innerhalb weniger Jahre Abermillionen Pflanzen gezogen wurden. Im Craighton Estate, hoch über der Hauptstadt Kingston, stehen über 30.000 Pflanzen. Rund zwei Dutzend Pflückerinnen zupfen die reifen Kaffeekirschen von den ökologisch bewirtschafteten Büschen ab.

Es knarzt, als Alton Bedward die Schatzkammer des Craighton Estate öffnet: in einen alten Holzschrank finden sich viele kleine Päckchen voller Kaffeebohnen. Der Unternehmer ist eine anerkannte Kaffee-Koryphäe und ein leidenschaftlicher Verfechter der streng geschützten Marke Blue Mountain Coffee.

Der Champagner unter den Kaffees

Nach einem Spaziergang durch die Plantage und einem Vortrag über die Bedeutung des Kaffeeanbaus geht es endlich ans Probieren. Bedward winkt seine Assistentin Pamela zu sich, die frisch gebrühten Kaffee aus einer bauchigen Porzellankanne vorsichtig ausgießt. Erwartungsvoll blickt Bedward in die Gesichter der Besucher, deren Gaumen mehrheitlich nur Supermarktkaffee kennen dürften.

In der Tat, das schwarze Gebräu schmeckt unvergleichlich besser als das, was man üblicherweise als Kaffee vorgesetzt bekommt. Ein Unterschied wie Champagner und Prickelwasser. Jetzt kommt Bedward so richtig auf Touren. Der Starbucks-Filiale, die vor Kurzem in Montego Bay eröffnet hat, kann der Kaffeekenner nichts abgewinnen. Und Baristas, so meint er ungefiltert, hätten in der Regel keine Ahnung von Kaffee: „Heißes Wasser, ein bisschen Druck, Milch und Zucker – das ist nichts als Fast Food.“

Die Jamaikaner selbst wissen ihren Kaffee nicht zu schätzen oder er ist ihnen schlichtweg zu teuer. Das beliebteste Heißgetränk ist nämlich nicht etwa Kaffee, sondern (importierter) Tee.

Martin Cyris

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