Kuba

Ungleiche Schwestern

Der Jose-Marti-Platz ist das Herz von Cienfuegos. Foto: Vadim Nefedov / istockphoto

Die Städte Cienfuegos und Trinidad bieten unterschiedliches Flair

Die Treppen sind in Trinidad der Treffpunkt zum Sundowner. Foto: ras

Manchmal scheint die Zeit in Trinidad stehen geblieben zu sein. Foto: ras

Sie liegen beide an der Südküste Kubas unweit von schönen Sandstränden, sind beide zu Zeiten der Zuckerbarone reich geworden und zählen wegen ihrer vielen Bauten aus dieser Zeit zum Unesco-Weltkulturerbe: Cienfuegos und Trinidad. Wenn zeitlich möglich, sollte man beide Städte besuchen, denn das Flair in den nur rund eine Autostunde voneinander entfernten Kleinoden ist grundverschieden. Auch, weil sich nur wenige Touristen nach Cienfuegos verirren. 

Cienfuegos

Das Herz von Cienfuegos schlägt am Jose-Marti-Platz, der von einem Steinpavillon gekrönt wird. Hier sind die schönen Regierungsgebäude, hier ist das Gebäude, das von dem Che-Guevara-Konterfei und seinem Spruch „Hasta la victoria siempre“ überragt wird. Hier ist das Teatro Tomas Terry, in dem einst sogar Enrico Caruso seine Zuhörer begeistert haben soll. Das renovierte, sehenswerte Theater kann außerhalb der Proben besichtigt werden – noch besser: man geht in eine Aufführung.
Ein weiterer Hingucker am Platz ist die große Kathedrale, die wieder zum Leben erweckt wird. Zu den vollen Stunden läuten schon wieder die Glocken und im Inneren sind bereits einige der prächtigen Fresken restauriert, aber hier ist noch einiges zu tun.
Vom Jose-Marti-Platz sind es nur wenige Meter zum Hafen, am Platz beginnt auch die Fußgängerzone. Hier, am so genannten Boulevard, liegen viele Geschäfte und mit dem grün gestrichenen Kolonialhotel La Union eines der Häuser, die mittlerweile Melia führt. 
Melia Hotels managt außerdem das Hotel San Carlos in einer Querstraße zum Hauptplatz und den Komplex Jagua auf der Halbinsel Punta Gorda rund fünf Minuten entfernt. Hierzu gehören ein kompakt wirkendes Haupthaus mit rund 170 Zimmern und drei schöne Kolonialvillen. 

Trinidad

Nebenan befindet sich der Palacio de Valle, das berühmteste Gebäude der Stadt. Vor dem Palast im maurischen Stil lassen sich die Mädchen an ihrem 15. Geburtstag fotografieren, dem wichtigsten Tag im Leben einer Latina.
Keine Frage, Trinidad ist noch genauso sehenswert wie vor Jahren und in den Seitenstraßen scheint weiterhin die Zeit stehen geblieben zu sein. Doch in der Hauptsaison im Winter kann die Kleinstadt voller Häuser mit schmiedeeisernen Gittern vor den Fenstern wegen der vielen Tagesbesucher schon mal aus den Nähten platzen. Wer nur tagsüber kommt, verpasst darüber hinaus das Beste: die Sonnenuntergangsstimmung an den Treppenstufen, dem beliebtesten Treffpunkt der Stadt. 
Und danach braucht sich der Besucher vor den Treppen nur einmal im Kreis zu drehen und kann zwischen verschiedenen Musik-Events wählen. In Trinidad treten auch afrokubanische Gruppen auf, denn hier leben viele Nachfahren der Sklaven, die einst auf den Zuckerplantagen im nahe gelegenen Zuckermühlental, dem Valle de los Ingenios, schuften mussten. Das Tal mit dem Wohnhaus der Familie Managa-Iznaga und den Ruinen der Zuckermühle San Isidro de los Destiladeros, wo der ehemalige Englischlehrer Reinier Fernando Romero packende Führungen anbietet, sind einen Besuch wert.
Doch zurück zu Trinidad: Wichtig für einen Besuch ist, dass man wegen des Kopfsteinpflasters mit gutem Schuhwerk anreist. Und mit leerem Magen, denn das Städtchen ist voller guter und witzig eingerichteter Restaurants. Bestes Haus ist seit vielen Jahren das Iberostar Grand Hotel, ein Kolonialbau an einem der lebenswerten Plätze der Kleinstadt. Iberostar und Melia planen darüber hinaus Resorts am Strand, der rund 20 Fahrminuten entfernt liegt.

Sylvia Raschke

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