Mo 20.11.17

Colorado: Schatz in den Bergen


Telluride und Crested Butte sind ganz „unamerikanische“ Skiorte in den Rocky Mountains


Blick auf den 2.667 Meter hoch gelegenen Skiort Telluride

Blick auf den 2.667 Meter hoch gelegenen Skiort Telluride

Crested Butte, eine ehemalige Bergbausiedlung, ist heute eines der bedeutendsten Wintersportzentren der USA. Fotos: hb

Crested Butte, eine ehemalige Bergbausiedlung, ist heute eines der bedeutendsten Wintersportzentren der USA. Fotos: hb

Im Licht der jungen Sonne geht es mit pochendem Herzen den Hang hinauf, quer durch eine schockgefrostete Märchenwelt: Wind und Eis haben die Bäume über Nacht eingepackt und mit funkelnden Kristallen verziert. Viertausender wachen über der Szenerie, glitzernde Zacken in der Krone der Rocky Mountains. Im Tal liegt das Örtchen Telluride mit Dutzenden historischer Holzhäuschen und einer Main Street wie im Western.

Meterhoher Schnee, leere Pisten
Meterhoch liegt feinster, trockener Pulverschnee. Trotzdem sind die Pisten leer: Das Skigebiet im US-Bundesstaat Colorado liegt für Tagesausflügler zu weit entfernt von Denver. Vor dem Start auf den Abfahrten, die freundlich sind zu Anfängern, aber auch Cracks ins Schwitzen bringen, steht stilles Staunen. Ganz oben in den Rockies ist die Atemluft kostbar. Angesichts des Panoramas fehlen ohnehin die Worte.

Telluride war einst Schauplatz eines Booms. Glücksritter aus halb Europa zogen vor 150 Jahren in das enge Tal zu Füßen der San Juan Mountains. Die Männer suchten fernab der Zivilisation nach Gold und Silber – und fanden die edlen Metalle tatsächlich, weshalb viel Geld im Umlauf war und der Gangster Butch Cassidy vorbeikam, für seinen ersten erfolgreichen Banküberfall.

Doch dann war eines Tages Ende im Gelände, weil sich der Abbau der Erze nicht mehr rechnete. Der Ort wäre zur Geisterstadt verfallen, hätten nicht Hippies und Lebenskünstler die ehemaligen Kneipen und Bordelle okkupiert, um ihre Träume zu leben. Aspen und Vail sind die bekannteren Skiorte in den Rocky Mountains und in den Veranstalterprogrammen häufiger vertreten.

Doch neben den Spezialisten Canusa und Faszination Ski hat auch Dertour Telluride im Programm. Denn die Eingeweihten lieben das so komplett unamerikanische Minenstädtchen: Hier gibt es immer noch keine riesige Shopping Mall, sondern nur kleine Läden, Cafés und Galerien in denkmalgeschützten Gebäuden. Fast-Food-Ketten haben sich ebenfalls nicht angesiedelt, weil ihnen die Kundschaft fehlt: Die Skifahrer verbringen den Abend lieber in einer der Bars oder im Restaurant des New Sheridan Hotels, das schon seit 1885 Steaks auf den Teller bringt.

Einheimische im Büffelfell
Um die Ecke in Crested Butte, wie Telluride früher ein Bergbaustädtchen, geht es ebenfalls entspannt zu. Die Einheimischen scheinen den ganzen Winter Karneval zu feiern: Männer im Büffelfell laufen durchs Schneetreiben, Mädels tragen Indianerfedern im Haar.

Auch die Chefin des Dorfmuseums ist ein Hippie: Glo Cunningham wollte nur für eine Saison bleiben, ist inzwischen aber schon 40 Winter hier. Wenn sie morgens die Ausstellung aufschließt, war sie vorher schon auf der Langlaufpiste. „Mein Haus schließe ich nicht ab, hier passiert nichts“, sagt sie. „Nur meine Mülleimer muss ich sichern. Sonst kommen die Tiere aus den Wäldern.“


Helge Bendl

 

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