Mo 02.05.16

Galapagos: Wo Schildkröten Geländewagen stoppen


Das Archipel ist das Schaufenster der unbesorgten Tiere


Staugefahr: Eine Galapagos-Riesenschildkröte überquert eine Straße auf Santa Cruz

Staugefahr: Eine Galapagos-Riesenschildkröte überquert eine Straße auf Santa Cruz

Gelassen: Fregattvogel auf Nord Seymur. Fotos: bk

Gelassen: Fregattvogel auf Nord Seymur. Fotos: bk

Auf den Galapagosinseln sind alle entspannt. Die Tiere – aber genauso auch die Menschen. Völlig entspannt stehen etwa auf Santa Cruz zwei Jeep-Fahrer vor ihren Geländewagen, um eine Riesenschildkröte passieren zu lassen. Mit gestrecktem langem Hals und kleinem Kopf bewegt sich das Tier auf seinen klobigen Beinen gemächlich Richtung Busch. Klare Sache, dass es Vorfahrt hat.

Das gilt auch für die Vogelinseln Genovesa, Espanola und Nord Seymur. Dort spazieren Touristen vorsichtig zwischen Albatros-, Fregattvogel- und Tölpel-Nestern. Und auf San Cristobal fegt eine Frau behutsam vor ihrer Haustür, auf deren Schwelle ein Seelöwe schlummert. Der robbt kurz danach zurück zu seinen Artgenossen am Strand. Alltagsszenen im Reich der zutraulichen Tiere.

Einzigartiger Freilichtzoo ohne Grenzen

Galapagos ist eine Wiege der Evolution, ein einzigartiger Freilichtzoo ohne Grenzen. Die Tiere sind seit Millionen Jahren nicht bedroht und zeigen keinerlei Scheu. 

Die 130 Inseln – viele winzig – liegen am Äquator rund 1.000 Kilometer westlich vom Festland Ecuadors. Auf dem Pazifikarchipel leben aber auch Menschen, knapp 30.000 auf vier der Inseln. Hinzu kommt Baltra mit Airport und Militärstützpunkt, hier landen jährlich rund 200.000 Gäste aus aller Welt. Das hat Folgen.

Im Jahr 2007 verwarnte die Unesco, die Galapagos zum Weltnaturerbe geadelt hat, das Inselreich. Es ging um Umweltsünden und illegale Zuwanderer. Die Behörden reagierten. Wer keine Genehmigung hatte, musste zurück aufs Festland. Damit besonders beliebte Inseln nicht von Touristen überrannt werden, ist ihr Besuch nun limitiert. Das ist gut für Mensch und Tier.

„Galapagos-Riesenschildkröten in freier Natur sind am besten auf Santa Cruz zu sehen“, weiß Harry Jonitz. Der Deutsche ist seit über 20 Jahren Reiseführer. Wer mag, fährt vom Hauptort Puerto Ayora 15 Kilometer Richtung Norden und spaziert dann zwischen den Tieren.

Zum Tauchen empfiehlt Jonitz die Inseln Darwin und Wolf mit Walhaien von Juni bis September. Hammerhaie sind sogar ganzjährig zu sehen. Eine seltene Kreatur lebt auf Isabela und Fernandina. Die Galapagosscharbe, auch Stummelkormoran genannt, hat sich zurückentwickelt. Sie kann nicht (mehr) fliegen, denn sie hat zu kurze Flügel und zu viele Kilos. In großen Kolonien lebt der Galapagos-Pinguin auf den beiden Inseln. 

Man spricht Deutsch auf Floreana

Ein Tipp ist die kleinste der bewohnten Inseln, Floreana. Am kleinen Hafen blickt ein großer runzeliger Landleguan von einem Felsen auf seine kleineren glitschigen Freunde, einem Dutzend dunkler Meeresechsen. Am Lavastrand faulenzen Seelöwen neben Touristen. 

Floreana mit nur 120 Menschen und einer Schule interessiert auch Historiker und Filmemacher. Denn Intrigen unter deutschen Einwanderern in den 1930er Jahren, eine verschwundene Baronin, Mord und Totschlag sind Hollywood-Stoff. Margret und Heinz Wittmer, die von Köln 1932 nach Floreana siedelten, waren friedliche Menschen und Zeitzeugen dieser dramatischen Jahre. Nachkommen führen heute das Hotel Wittmer, das mit seinen historischen Zeugnissen ein Stück deutscher Galapagos-Geschichte ist.


Bernd Kubisch

 

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