Mo 21.11.16

Santiago de Chile: Lebhaft oder langweilig?


Ein Stopover, bevor es in die Atacama oder nach Patagonien geht


Der Plaza de Armas ist das Herz Santiagos.

Der Plaza de Armas ist das Herz Santiagos.

Die Virgen de la Inmaculada Concepcion thront auf dem Cerro San Cristobal. Fotos: jm

Die Virgen de la Inmaculada Concepcion thront auf dem Cerro San Cristobal. Fotos: jm

Genau 864 Meter über dem Meeresspiegel thront die schneeweiße steinerne Jungfrau auf dem Cerro San Cristobal über ihrer Stadt: Sie selbst ist 22,5 Meter groß, heißt offiziell La Virgen de la Inmaculada Concepcion und breitet ihre Arme zum Schutz aus wie der weltberühmte Christus auf dem Corcovado von Rio de Janeiro.

Dieser sieht jeden Tag viel Elend, aber gleichzeitig die wohl schönste Stadt der Welt. Die Jungfrau sieht kein Elend, vielleicht etwas Armut, aber mehrheitlich eine Metropole, der es gut geht. Allerdings sieht sie sehr häufig nicht viel, zuweilen gar nichts. Santiago de Chile liegt in einem Talkessel mit etwa 50 Kilometern Durchmesser, umgeben von Hügeln im Norden und Süden, vom Küstengebirge im Westen und den mächtigen Anden im Osten. Die Folge für die liebe Jungfrau und alle, die sie per Standseilbahn, Auto oder schweißtreibend mit dem Fahrrad besuchen: Im Kessel hat sich der Smog festgesetzt, manchmal tagelang, wenn eine Inversionswetterlage keinen Luftaustausch möglich macht.

Rauf auf den Cerro San Cristobal
Kam es aber zum Luftaustausch und ist man am Tag nach reinigendem Regen am Cerro San Cristobal, dann ist das Panorama atemberaubend: die majestätischen Anden, die Häuserschluchten der Sechs-Millionen-Stadt und der Gran Torre, mit 300 Metern Höhe das höchste Gebäude Südamerikas, der im Finanzdistrikt liegt, wo sich weitere Wolkenkratzer angesiedelt haben. Und auch ein steinerner Moai, der scheinbar das Grand Hyatt bewacht.

So ungefähr das Gegenteil vom Finanzdistrikt ist das Viertel Bellavista mit kleinen bunten Häuschen, engen Gassen, von Bäumen beschatteten Straßencafés, angesagten Restaurants und Bars. Auch das Haus von Literaturnobelpreisträger Pablo Neruda befindet sich in dem Künstler- und Studentenviertel. Es ist derzeit wegen Großbaustellen allerdings nur schwer zugänglich.

In einer der Bars kann man auch den Fehler machen, das Modegetränk Terremoto zu bestellen statt den traditionellen Pisco Sour. Aber was macht man nicht alles, wenn irgendetwas aus irgendwelchen Gründen angesagt ist? Trotzdem: Den Mix aus Süßwein, Ananas-Eiscreme und Fernet sollte man bleiben lassen, auch wenn das Erdbeben (so die Übersetzung) immer wieder angepriesen wird.

Santiago mit Flair
Santiago wird den Ruf nicht los, die langweiligste der südamerikanischen Metropolen zu sein, was vielleicht daran liegt, die Hauptstadt der Schweiz Südamerikas genannt zu werden. Bern ist zwar auch schön, hat aber eben nicht die lebhafte Atmosphäre von Barcelona.

In Stadtteil Bellavista, aber auch im Zentrum, etwa in der Fressgasse an der Plaza de Armas für den schnellen Mittagshunger, genauso wie in den Fischrestaurants mit köstlichem Ceviche im Mercado Central, gibt sich Santiago durchaus auch farbig und mit Flair – bevor es in spröde Wüstenlandschaften im Norden, eisige Gletscheralleen im Süden oder weiter zu den Osterinseln geht.


Jochen Müssig

 

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