Bolivien

Südamerika extrem

Unterwegs im geländegängigen Fahrzeug auf dem Salar de Uyuni

Unterwegs im geländegängigen Fahrzeug auf dem Salar de Uyuni.

Bolivien bietet den größten Salzsee der Welt und ein grandioses Hochland

Flamingos in der Laguna Hedionda.

Flamingos in der Laguna Hedionda. Fotos: ad

Dieser Aufstieg raubt einfach den Atem – in doppeltem Sinne. Die dünne Luft auf über 3.700 Metern setzt zu. Und während man auf dem Steinpfad in Zeitlupentempo Schritt für Schritt setzt, ist es, als würde man sich über Wolkenmassen erheben. Oder über ein Polareismeer. Doch das, was sich in schier unendlich weißen Weiten um die Insel Incahuasi ausbreitet, ist Salz.

Der Salar de Uyuni, mit über 10.000 Quadrat‧kilometern der größte Salzsee der Welt, gibt eines der spektakulärsten Szenarien in Südamerika ab. Wirtschaftlich genutzt wird er für die Salz- und Lithiumgewinnung. Unter den Krusten verbergen sich reichlich Ressourcen, stellenweise reichen die Schichten über 100 Meter hinab.

Gnadenlos in den Gegenden sind die eiskalten Winde. Über Tag ist die Sonnenbrille unverzichtbar, denn das Weiß sticht in die Augen. Je nach Jahreszeit können die Temperaturen nachts in den zweistelligen Minusbereich absacken. Typisch Bolivien, ein Land der Extreme.

Namensgeber des Sees ist das Städtchen Uyuni, dessen Hauptattraktion außerhalb liegt: der Eisenbahnfriedhof. Metallene Ungetüme aus alter Zeit stehen auf Abstellgleisen, und rosten vor sich hin.

Alles dreht sich um Salz
Bester Einstieg in den Salar, 20 Kilometer abseits von Uyuni, ist der Ort Colchani. Von dort geht es zum weltweit ersten Salzhotel. Das Palacio de Sal ist das erste von mittlerweile drei Häusern in der Region, in denen bis zum Bett auch alles aus Holz ist.

Für geländegängige Fahrzeuge geht es tief hinein in die Welt der schrundigen Salzpfannen, die in der Ferne Berge umkränzen. Das andere Ende lässt sich allenfalls erahnen, die kakteenübersäte Insel Incahuasi liegt geografisch mittendrin. Nur erfahrene Land-Cruiser-Fahrer kennen sich aus. Und finden den Weg wieder hinaus, um weitere Naturwunder in Boliviens Altiplano anzusteuern.

Blickbegleiter bei einer Mehrtagestour über die Hochland-Pisten sind Vulkanriesen wie etwa der Ollagüe sowie Lama- und Vicunjaherden. Felsbrocken wirken wie ausgeschleudert, die Pflanzenwelt reduziert sich oft auf gedrungenes Buschwerk.

Schwefelgeruch und Flamingos
Den Auftakt in der Reihe der spektakulärsten Hochlandseen macht die Laguna Canapa, deren Dunkelblau mit dem Strohgelb der Ufergräser und dem Zuckergussweiß der Bergwelten rundherum verschmilzt. Malern würde man vorwerfen, sie hätten zu dick aufgetragen. So richtig rosa sieht man in der Laguna Hedionda, die dem Namen „Stinkiger See“ mit Schwefelgerüchen alle Ehre macht. Doch die sind beim Anblick der Flamingos vergessen. Kontinuierlich durchseihen sie kopfunter das Wasser mit ihren Schnäbeln.

In der Laguna Colorada, dem im Naturschutzreservat Eduardo Avaroa gelegenen „Farbigen See“, halten sich die grazilen Vögel stärker auf Distanz. Zwischendurch, in der Steinwüste Desierto de Siloli, zeigt das Handydisplay 4.736 Meter an.

Kein Wunder, dass der Volksmund zu den Land‧strichen weiß: „Wiege der Mutigen, Grab der Feiglinge.“ Und wer will schon zu den Schwächlingen zählen? Oder zugeben, dass er sich in einfachen, unbeheizten Unterkünften trotz Schlafsack und Deckenschichten in die Nacht gebibbert hat?

Die zwölftägige Tour „Bolivien Highlights“ ist bei Intrepid im Programm. Übernachtungen im Salzhotel Luna Salada hat etwa FTI im Angebot.

Andreas Drouve
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