Großstadtdschungel der anderen Art

Im Nationalpark Sungei Buloh im Nordwesten von Singapur spazieren die Besucher auf Stegen durch ­eine grüne Idylle
Im Nationalpark Sungei Buloh im Nordwesten von Singapur spazieren die Besucher auf Stegen durch ­eine grüne Idylle
Auch Warane können bestaunt werden
Auch Warane können bestaunt werden. Fotos: Lim Weixiags / iStock, fh

Handteller große Blätter, Mangroven mit verworrenen Luftwurzeln, fette Lianen, die über dem Weg hängen und Grün in allen Schattierungen: Dichte Dschungelvegetation ­umgibt den Eingang zum Nationalpark von Sungei Buloh, es zwitschert und raschelt im Gebüsch. Mit dem gängigen Bild von Singapur hat diese Naturidylle nur wenig zu tun: keine Wolkenkratzer, keine Shopping-Center, keine Sonderangebote.

Das 202 Hektar große Feuchtgebiet im Nordwesten der Stadt liegt direkt an der Grenze zu Malaysia, nur eine schmale Meerenge trennt Singapur von der 1,5-Millionenstadt Johor Bahru. Beinahe wäre ­Sungei Buloh Ende der 1980er beinahe abgeholzt geworden, hätten nicht einige Naturschützer seine Bedeutung erkannt und sich vehement für den ­Erhalt des Feuchtgebiets eingesetzt.

Gleich rechts des Eingangs geht es in den Dschungel: Dichte Mangrovenhaine und bis 20 Meter hohe Bäume säumen die Holzstege, im Geäst turnen zwei Nashornvögel, auffällig durch ihre behornten gelben Schnäbel. Leise schwappt das Wasser gegen die Stämme, direkt neben dem Steg wälzt sich ein gut zwei Meter langer Waran durch den Schlamm. 
Und das ist erst der Anfang, denn wenig weiter gleitet ein dunkler Schatten durch das Wasser: Salzwasserkrokodile. Eine Handvoll gibt es derzeit davon wahrscheinlich, so ganz genau weiß man es nicht. Große Schilder warnen davor, den bis zu fünf Meter großen Tieren zu nahe zu kommen.

Die regeltreuen Singapurer halten sich daran, sogar – oder gerade – wenn sich die Tiere ausnahmsweise mal für ein Mittagsschläfchen quer über dem Weg legen. Andere Bewohner sind zahlreicher und ­beruhigend harmlos, darunter die glubschäugigen Schlammspringer-Fische, die aus recht skurrilen Schlammröhren im Schlick äugen. In den Baumkronen raschelt es derweil unüberhörbar. Eine ­Herde Makaken tobt durch die Bäume.

Nicht nur in den Wipfeln ist einiges los: Immerhin 80.000 Besucher kommen jedes Jahr nach Sungei Buloh, doch nur 4.000 davon sind internationale Touristen. Das ist schade, denn das Feuchtgebiet ist höchst vielseitig: Die Wege des Naturschutzgebiets führen nicht nur durch dichte Mangrovenwälder, sondern auch an Tümpeln, Sümpfen und am Meer entlang.

Mittendrin liegt das Kernstück, eine Wattfläche, die bis in die 1980er zur Garnelenzucht genutzt wurde: Für Zugvögel ein Gourmetbuffet, dessen Leckereien sich bis Sibirien herumgesprochen haben, denn das Feuchtgebiet ist Teil der sogenannten ostasiatisch-austral-asiatischen Vogelflugroute. Vögel aus Ostasien, Indochina, aber auch aus dem Norden Russlands machen hier halt auf dem Weg in den Süden, manch einer bleibt den ganzen Winter da.

Wenn es um die Besucherzahlen geht, stellen die Vögel von Sungei Buloh die Touristen übrigens ­mühelos in den Schatten: Um die 50 Millionen Zugvögel kommen jedes Jahr, während es die menschlichen Reisenden nach Singapur es 2023 „nur“ auf knapp 14 Millionen brachten.

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