Die verwunschenen Berge

Wanderinnen am Valbona Pass in Albanien
Wanderinnen am Valbona Pass in Albanien. Foto: Eithan Reubens
Blick auf das Arapi-Massiv im Theth Nationalpark
Blick auf das Arapi-Massiv im Theth Nationalpark. Foto: Eithan Reubens

Ein samtweißer Wolkenstreifen liegt am frühen Morgen über den verstreuten Häuschen von Vusanje. Als habe bei Nacht eine riesige Hand eine Grenzlinie gezogen – zwischen den Menschen da unten und der abgeschiedenen Bergwelt da oben. Roze Rupa hat im Morgengrauen ihren roten Wanderrucksack vollgepackt. Ihr Ziel sind die Gipfel weit über dem Wolkenband jenseits von Montenegro.

Die Wanderführerin hat die Grenze zu ihrer Heimat Albanien unzählige Male überquert – auf stillen Bergpfaden, auf denen einst allein das Militär patrouillierte. Prokletije nennen die Montenegriner das schroffe Gebirgsmassiv, auf Deutsch: verwunschene Berge.  In alten Legenden hat die wilde Bergwelt mit ihren berüchtigten Wetterumschwüngen so manchen Wanderer für immer verschluckt.

Es gibt kaum einen schöneren Sehnsuchtsort

Jetzt, gegen Ende der Pandemie, gibt es keinen schöneren Sehnsuchtsort für Wanderer als die einsamen Wälder und entrückten Gipfel entlang der Dreiländer-Tour „Peaks of the Balkans“ durch Montenegro, Albanien und den Kosovo.

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Der Grenzübergang nach Albanien könnte kaum unscheinbarer sein. Roze deutet auf eine Steinpyramide oberhalb eines Bergsees. Weiter oben im Tal, kurz vor dem Peja-Pass erinnern zwei verlassene Militärbunker mit Betonkuppel daran, dass diese Grenze einst unpassierbar war. „Kein Mensch wäre in der Zeit des Kommunismus darauf gekommen, hier oben zu wandern“, sagt Roze. Vom Pass blickt sie über die von Schneeresten gesprenkelten Zweitausender beiderseits der Grenze.

2006 wurden erste Wanderwege geplant

2006 begann die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), erste Wanderwege in der Region um das Bergdorf Theth zu planen. Die Idee war geboren, der zunehmenden Abwanderung aus der entlegenen Bergregion ein grenzüberschreitendes Tourismus-Projekt entgegenzusetzen.

Valbona und Theth sind heute fast die einzigen Orte auf dem Peaks of the Balkans-Wanderweg, die auch Tagesausflügler anlocken. Auf den anderen Abschnitten begegnet man nur selten einem Menschen und ist meist mit sich und der Natur allein. Bären, Wölfe und Luchse sind hier noch immer zuhause.

Bären, Wolfe und Luchse sind hier zuhause

„Nur zu sehen bekommt man sie nie“, sagt Roze. Menschen gehen sie aus dem Weg. Gefährlich werden zumindest die Wölfe aber den Schafherden. Im Almdorf Doberdol, das nur im Sommer bewohnt ist, deutet das wilde Gebell der Hütehunde bei Nacht mitunter an, dass sich in der Dunkelheit hungrige Räuber nähern.

Im Bergdorf Roshkodol im Kosovo wird erneut sichtbar, wie der Wanderweg in den letzten Jahren für Aufschwung in der Region sorgte. Überall wird neu gebaut. In einer Blockhütte am Rand des Waldes bei Milishevc legt Zeki Ahmetgjekaj Holzscheite auf das Feuer seines Ofens. „Während des Krieges mussten alle hier das Land verlassen“, erzählt er. „Inzwischen kommen immer mehr in die Berge zurück.“ Der Wanderweg verbinde die Menschen und schaffe neue Arbeitsplätze. Dass das Gebirge irgendwann einmal zu viele Touristen anziehen wird, kann er sich nicht vorstellen. „Es werden immer die verwunschenen Berge bleiben: abgelegen, ein bisschen einsam und einfach wunderschön.“

Peaks of the Balkans

Der 192 Kilometer lange Fernwanderweg kann auf eigene Faust erobert werden. Allerdings sind die Wegmarkierungen oft schlecht und undeutlich. Entspannter ist die Tour in Kleingruppen mit Guide, buchbar etwa über die Alpinschule Innsbruck (ASI, zehn Tage), Hauser Exkursionen (zehn Tage) oder Geoplan (je nach Tour zehn bis 14 Tage). Auf Anfrage sind auch Individualreisen mit Guide möglich, die maximale Gruppengröße liegt bei zwölf Personen. Allgemeine Infos unter www.peaksofthebalkans.com.

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