Air Baltic beantragt Insolvenzschutz nach Chapter 11 in den USA und sichert sich eine Finanzierung von 350 Millionen Euro. Der Flugbetrieb und auch der Kundenservice sollen normal weiterlaufen.

Am Ende war die finanzielle Schieflage wohl zu arg: Die lettische Fluggesellschaft und Lufthansa-Partner Air Baltic hat in den USA Gläubigerschutz nach Chapter 11 eingereicht. Die Fluglinie habe freiwillig ein solches Verfahren eingeleitet, „um ihre finanziellen Verpflichtungen zu restrukturieren und gleichzeitig den Betrieb fortzusetzen“, heißt es in einer Mitteilung des Unternehmens. Sowohl der Flugbetrieb als auch der Kundenservice würden fortgesetzt.
Zugleich hat sich Air Baltic eine weitere Finanzierung zur Unterstützung des Geschäftsbetriebs gesichert. Den Angaben zufolge erhält die Airline eine Finanzspritze von 350 Millionen Euro, die von den Investmentgesellschaften und Banken Strategic Value Partners, Barclays, Hayfin Capital Management, Morgan Stanley und Oaktree Capital Management bereitgestellt wird.
Zusammen mit den Einnahmen aus dem laufenden Betrieb soll dies für ausreichende Liquidität sorgen, um den Betrieb während des Chapter-11-Verfahrens fortzusetzen. Das zuständige US-Gericht muss dies allerdings noch genehmigen.
Auf den Flugbetrieb habe das beantragte Insolvenzverfahren keine Auswirkungen, wie die Fluggesellschaft versichert. Alle Flüge fänden planmäßig statt, Tickets und Buchungen behielten ihre Gültigkeit und der Kundenservice werde wie gewohnt weitergeführt. Zudem werde das Unternehmen weiterhin seinen Verpflichtungen gegenüber Lieferanten, Dienstleistern und anderen Partnern im Rahmen des normalen Geschäftsbetriebs nachkommen.
Dies ist auch eine wichtige Botschaft für den Air-Baltic-Partner Lufthansa, der zehn Prozent der Anteile am nationalen Carrier Lettlands hält. Denn Air Baltic führt als Codeshare- und Wetlease-Partner zahlreiche Kurzstrecken- und Zubringerflüge in Europa für den Kranich-Konzern durch.
Rettungsversuche und staatliche Hilfe
Dem Insolvenzantrag vorangegangen waren mehrere Rettungsmaßnahmen in den vergangenen Monaten, um die seit längerem angeschlagene Fluglinie vor dem Aus zu bewahren. So hatte Lettlands Regierung bereits im Frühjahr einen Millionenkredit gewährt. Und ein im Sommer angekündigtes Spar- und Restrukturierungspaket sah nicht nur eine starke Flottenreduzierung vor, sondern auch weitere Finanzspritzen von insgesamt 450 Millionen Euro für den kurz- und langfristigen Liquiditätsbedarf. Zuletzt hatten Anleihegläubiger Zinsstundungen über mehrere Monate zugesagt.


