
Update 7. August 2026, 15.15 Uhr
Nach dem mutmaßlichen Anschlagsversuch mit einer Sprengstoff-Drohne in Leipzig/Halle rückt die Flughafensicherheit in den Fokus. Auch Sichtungen privat genutzter Drohnen an Airports haben stark zugenommen.
Nach dem Vorfall mit der Sprengstoff-Drohne am Flughafen Leipzig/Halle wird intensiv über die Sicherheit an Airports diskutiert. Dies scheint mehr denn je notwendig zu sein, denn auch die zivile Nutzung der kleinen Flugobjekte macht den Flughäfen zunehmend Probleme.
Laut einer neuen Statistik der Deutschen Flugsicherung (DFS) wurden an den 15 internationalen Flughäfen in Deutschland im ersten Halbjahr 166 Drohnen-Sichtungen gemeldet. Im entsprechenden Zeitraum des Vorjahres waren es noch rund 100 Fälle, wie unter anderem die Zeitung Augsburger Allgemeine berichtet.
Die meisten Drohnen in Berlin und Frankfurt
Bundesweit an erster Stelle ist mit 28 Drohnen der Berliner Flughafen BER, dicht gefolgt von Frankfurt mit 27 Fällen. In sieben der Berliner Drohnen-Meldungen musste der Flugverkehr sogar vorübergehend unterbrochen werden.
Einen Grund für den starken Anstieg nennt die DFS nicht. Im Fall von Berlin verweist die Flugsicherung allerdings auf ein neues Erkennungssystem der Bundespolizei, das dort in diesem Jahr installiert wurde.
BDL sieht Airports gut aufgestellt
Mit Blick auf den mutmaßlichen Drohnen-Anschlagsversuch in Leipzig/Halle (siehe Erstmeldung und Update unten) sieht der Luftverkehrsverband BDL die deutschen Flughäfen aber auf einem guten Weg. Unter den acht zur kritischen Infrastruktur zählenden Airports gebe es bereits mehrere Standorte mit neuer Technik, darunter der größte Flughafen in Frankfurt. Standorte der kritischen Infrastruktur sind daneben München, Berlin, Düsseldorf, Hamburg, Köln/Bonn, Stuttgart und Leipzig/Halle.
Absolute Sicherheit gibt es nicht.
Zugleich betont BDL-Hauptgeschäftsführer Joachim Lang: „Absolute Sicherheit gibt es nicht.“ Im internationalen Vergleich stehe man aber sehr gut da. Die politischen Entscheidungen zur Drohnenabwehr seien „in Lichtgeschwindigkeit“ getroffen worden.
Experte kritisiert „Kompetenzwirrwarr“
Dagegen bemängeln Politiker und Experten, dass es bei der Abwehr von Drohnen in Deutschland keine klaren Zuständigkeiten gebe. Terrorismus-Experte Peter Neumann etwa sieht hier hohen Nachholbedarf: „Da muss unglaublich viel geschehen: bei Systemen zur Drohnenabwehr, Drohnenerkennung, bei dem Kompetenzwirrwarr, das es nach wie vor gibt, bei der Schaffung eines einheitlichen rechtlichen Rahmens“, sagte Neumann im Heute Journal des ZDF.
Update 6. August 2026, 10.30 Uhr
Drohne in Leipzig/Halle: Experte sieht Airports nicht ausreichend geschützt
Der Fund einer Drohne mit Sprengstoff am Flughafen Leipzig/Halle beschäftigt die Sicherheitsbehörden. Ein Sicherheitsexperte sieht Airports nicht ausreichend gegen solche Angriffe geschützt.
Die mit Sprengstoff präparierte Drohne, die auf dem Gelände des Flughafens Leipzig/Halle gefunden wurde, alarmiert sowohl Sicherheitsbehörden als auch Experten. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt spricht von einer „neuen Gefahrenqualität“, ARD-Sicherheitsexperte Holger Schmid kritisiert mangelnden Schutz deutscher Airports gegen solche Angriffe.
Nach Recherchen von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung entging der Leipziger Flughafen wohl nur knapp einer Katastrophe. Der Zünder der präparierten Drohne sei offenbar abgerissen und dadurch sei eine Explosion verhindert worden, heißt es in Ermittlungsunterlagen. Die Drohne befand sich laut Sicherheitskreisen nahe einer Frachtmaschine der ukrainischen Fluggesellschaft Antonov Airlines (siehe Erstmeldung unten).
Sicherheitsexperte: „Neue Qualität“ von Anschlägen
Innenminister Alexander Dobrindt geht von einem „hybriden Anschlagsszenario“ aus. Dass eine Drohne „bewaffnet mit Sprengstoff sich hier auf einem Flughafengelände befindet, das ist ein neues Bedrohungsszenario“, so der CSU-Politiker am Mittwochabend in einem Statement.
Sicherheitsexperte Holger Schmidt sprach in der Tagesschau von einem Anschlagsversuch. „Wir reden ja schon länger über die Gefahren, die Drohnen an Flughäfen verursachen können.“ Aber Sprengstoff und Zünder seien „für Deutschland eine neue Qualität“.
Nach Meinung des ARD-Experten sind Flughäfen gegen solche Angriffe noch nicht ausreichend geschützt, auch wenn sich in den vergangenen Monaten und Jahren viel getan hat.
Erstmeldung 5. August 2026
Sprengstoff-Verdacht: Leipzig/Halle stoppte zeitweilig Betrieb wegen Drohne
Eine Drohne mit möglichem Sprengstoff sorgte für einen nächtlichen Flughafen-Stopp in Leipzig/Halle. Flugzeuge wurden umgeleitet, die Ermittlungen laufen.
Wegen einer möglicherweise mit Sprengstoff präparierten Drohne wurde der Betrieb des Flughafens Leipzig/Halle in der Nacht zum Mittwoch zeitweilig eingestellt. 20 Flugzeuge wurden auf andere Flughäfen umgeleitet, darunter eine Passagiermaschine aus Mallorca.
Nach Recherchen von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung entdeckten Mitarbeiter des Flughafens eine präparierte Drohne, die sich nahe eines Transportflugzeugs der ukrainischen Fluggesellschaft Antonov Airlines befunden haben soll, wie das Nachrichtenportal Tagesschau.de berichtet. Laut einer vertraulichen Lagemeldung der Polizei wurde an dem Fluggerät eine „unbekannte Masse“ angebracht, bei der es sich womöglich um Sprengstoff handeln könnte. Zudem sei ein Zünder gefunden worden. Laut Polizei wurde der Flugbetrieb in Leipzig/Halle vorübergehend eingestellt.
Frachtflieger stößt mit Objekt zusammen
Dem Tagesschau-Bericht zufolge kam es in der Nähe des Airports zu einem weiteren Vorfall: Eine Frachtmaschine, die aufgrund der Sperrung nicht landen konnte, soll in der Nähe des Flughafens in einigen Hundert Metern Höhe mit einem weiteren Objekt kollidiert sein. Nach der Landung auf einem Ausweichflughafen in Hannover habe die Bundespolizei leichte Beschädigungen an der Maschine festgestellt. Der Fall sei als mögliches Staatsschutzdelikt eingestuft worden.
Wie das Flugfachportal Aerotelegraph berichtet, wurden wegen des Vorfalls 19 Frachtflugzeuge zu anderen Flughäfen umgeleitet. Ein Airbus A320 des Ferienfliegers Marabu, der aus Mallorca kam, wurde nach Nürnberg umgeleitet.
Flughafen offenbar im Visier von Saboteuren
Der Flughafen Leipzig gilt als Drehscheibe für Rüstungsgüter, unter anderem im Ukraine-Krieg. Erst vor zwei Jahren entging der Airport knapp einer Katastrophe, als ein Paket in einem DHL-Logistikzentrum Feuer fing. Laut westlichen Geheimdiensten handelte es sich dabei offenbar um eine Operation russischer Geheimdienste. Generell werden seit Beginn des Ukraine-Krieges auch in Deutschland verstärkt Drohnen sowie Ausspähungen kritischer Infrastruktur und Militäreinrichtungen registriert.


