Fischer Air will im Oktober starten – schwere Vorwürfe gegen Dertour

Der Fall Fischer Air wird immer schräger. Erneut hat sich der Inhaber und bekannte Touristiker Vaclav Fischer zu Wort gemeldet und nennt einen neuen Starttermin für seine Airline, nachdem dieser in den vergangenen Wochen und Monaten immer wieder verschoben und Flüge storniert wurden. Zugleich erhebt Fischer schwere Vorwürfe unter anderem gegenüber dem Reisekonzern Dertour, die teilweise recht abenteuerlich klingen.

Auf dem Bild ist ein weißes Passagierflugzeug der Fluggesellschaft Fischer Air im Flug zu sehen, deutlich erkennbar durch das große Firmenlogo auf dem Winglet und dem Rumpf. Das Flugzeugmodell ist eine Boeing 737-800, die vor blauem Himmel abgebildet ist.
Der Fall Fischer Air wird immer undurchsichtiger und verkommt zur Schlammschlacht. Foto: Fischer Air

Kanaren-Flüge auch ab Kassel geplant

„Fischer Air wird den Flugbetrieb im Oktober 2026 aufnehmen“, kündigt Vaclav Fischer nun in einer Pressemitteilung an und fügt hinzu, dass Flüge zu den Kanarischen Inseln unter anderem ab dem Flughafen Kassel vorgesehen seien. Die Teams der slowakischen Airline-Neugründung „arbeiten in Bratislava an den notwendigen Vorbereitungen für die Aufnahme des Flugbetriebs“, heißt es.

Zu den weiteren, ursprünglich geplanten Abflughäfen Hamburg und Friedrichshafen macht er hingegen keine Angaben – wohl aber zu den bisherigen Flugbuchungen. „Im Zusammenhang mit der Annullierung der Fischer-Air-Flüge ab Flughafen Kassel möchte ich Ihnen mitteilen, dass alle Kunden ihr Geld zurückerhalten haben“, so Fischer in einem ergänzenden Statement. Demnach sei das Geld am Tag der Stornierung (25. Februar 2026) sofort an alle Kunden ausgezahlt worden.

Die Anschuldigungen gegen Dertour im Wortlaut

Zugleich scheint sich die Causa Fischer Air immer mehr zu einer Schlammschlacht zu entwickeln. Denn der deutsch-tschechische Touristikunternehmer, der vor allem durch den früheren Reiseveranstalter Fischer Reisen bekannt ist, erhebt schwere Anschuldigungen unter anderem gegenüber der Dertour Group. Weil sich viele der Behauptungen ad hoc nicht verifizieren oder widerlegen lassen, dokumentieren wir diese Passagen in der Mitteilung von Vaclav Fischer im Wortlaut:

Der ursprünglich geplante Start musste mehrfach verschoben werden. Die Vorbereitungsarbeiten wurden systematisch von einer organisierten Gruppe unter der Führung der Geschäftsführer der DERTOUR Group, Jelinek und Zavadilova (geb. Sickelová) und ihrem Bruder Sikela, einem ehemaligen Manager der Erste Bank, ehemaligen tschechischen Wirtschaftsminister und jetzigen EU-Kommissar, behindert. Zu dieser Gruppe gehören auch weitere Personen – Unternehmer, Anwälte und Journalisten.

Diese Personen verschickten systematisch verleumderische Briefe über mich und meine Unternehmen an die Behörden und meine Geschäftspartner. Mit aktiver Unterstützung der Medien verbreiteten sie Falschinformationen über mich und meine Unternehmen.

Ihre Aktivitäten waren erfolgreich. In der Vergangenheit waren sie an einem Betrug beteiligt, bei dem uns zwei Boeing 737-800 im Wert von 80 Millionen US-Dollar gestohlen wurden. Sie spielten eine entscheidende Rolle bei der Zerstörung mehrerer meiner Unternehmen.

Im Jahr 2024 gründete ich Fischer Air in Bratislava, Slowakei. Dies ist die Nachfolgegesellschaft von Fischer Air, die ich von 1996 bis 2004 besaß und an die ich meine beiden zuvor erwähnten Flugzeuge verleaste. Im Jahr 2003 kam es zu einer feindlichen Übernahme durch tschechische Geschäftsleute unter Beteiligung der Geschwister Sickela. In der Folge wurden meine Flugzeuge gestohlen.

Unmittelbar nach der Bekanntgabe der Gründung der neuen Fischer Air reaktivierte sich die organisierte Gruppe um Sickela/Zavadilová – Sickelová /Jelinek und andere und nahm ihre Bemühungen zur Zerstörung von Fischer Air wieder auf.

Ich habe bei den europäischen, tschechischen, slowakischen und deutschen Behörden Maßnahmen zum Schutz meiner Person und meiner Unternehmen ergriffen.

Streit um Markenrechte

Dertour äußerte sich auf Anfrage von touristik aktuell zunächst nicht zu den Vorwürfen. Im Clinch liegt Fischer mit dem Reisekonzern auch im Zusammenhang mit Markenrechten. Der Bild-Zeitung teilte Dertour kürzlich mit, dass sich Fischer Air gar nicht so nennen dürfe. Denn die tschechische Dertour-Tochter Exim Holding habe im Jahr 2020 den Reiseveranstalter Fischer übernommen, im Rahmen dieser Übernahme seien unter anderem auch die Rechte am Markennamen „Fischer Air“ erworben worden. Fischer selbst bestreitet das, während Dertour sich nach letzten Stand rechtliche Schritte vorbehält.