Wer auf Flugreisen umsteigen muss, sollte den gewählten Flughafen nicht unterschätzen. Eine aktuelle Analyse des Travel-Tech-Unternehmens Airhelp zeigt, dass die Wahrscheinlichkeit, einen Anschlussflug zu verpassen, je nach Airport erheblich variiert. Grundlage der Untersuchung sind interne Daten zu verpassten Flugverbindungen, aus denen ein Risikoscore zwischen eins und zehn berechnet wurde. Je niedriger der Wert, desto höher das Risiko eines verpassten Anschlussfluges.
Besonders kritisch ist die Situation demnach am italienischen Flughafen Bergamo Orio al Serio. Mit einem Score von 4,0 führt er das Negativ-Ranking an. Ebenfalls hohe Risiken weisen der Dallas Fort Worth Airport in den USA (4,03), der Flughafen Frankfurt am Main (4,05) sowie Sao Paulo-Guarulhos in Brasilien (4,08) auf. Auch große europäische Drehkreuze wie Madrid-Barajas, London Stansted, Paris Charles de Gaulle und Amsterdam Schiphol schneiden laut Airhelp vergleichsweise schwach ab.
Am anderen Ende der Skala steht der Flughafen Luz International Airport in Brasilien. Er liegt mit 9 Punkten knapp vor den Flughäfen Tallinn (8,97) und Santa Genoveva (8,95). Damit ist laut der Studie dort die Wahrscheinlichkeit, den Anschlussflug zu verpassen, am geringsten.

Nürnberg vor Hamburg und Berlin
Innerhalb Deutschlands erreicht der Flughafen Nürnberg mit 8,69 Punkten den besten Wert und gilt damit als besonders umsteigerfreundlich. Auf den weiteren Plätzen folgen Hamburg und Berlin mit jeweils 8,1 Punkten. Düsseldorf, Stuttgart und Köln/Bonn liegen im Mittelfeld.
Deutlich schlechter schneiden dagegen die beiden größten deutschen Drehkreuze ab. Frankfurt und München gehören laut der Analyse zu den Flughäfen mit dem höchsten Risiko für verpasste Anschlussflüge und finden sich auch im internationalen Negativ-Ranking weit vorne wieder.
Ausreichend Zeit einplanen
Als wichtigsten Einflussfaktor nennt Airhelp die verfügbare Umsteigezeit. „Je mehr Zeit beim Umstieg zwischen Ankunft und Abflug liegt, desto weniger Gefahr besteht, den Anschlussflug zu verpassen“, sagt Tomasz Pawliszyn, CEO von Airhelp. „Die empfohlenen Umsteigezeiten liegen je nach Flughafen und Verbindungstyp meist zwischen 30 und 60 Minuten bei Inlandsflügen, bei 60 bis 90 Minuten für Umstiege zwischen Inlands- und Auslandsflügen sowie bei bis zu 120 Minuten für internationale Anschlussverbindungen.“
Laut Airhelp müssen Reisende am Flughafen Nürnberg die meiste Zeit für den Umstieg einplanen. Empfohlen werden zwischen 45 Minuten für nationale Flüge und 120 Minuten für internationale Flüge. Auch in Frankfurt am Main und München benötigt man laut der Studie mit 45 bis 90 Minuten verhältnismäßig viel Umstiegszeit. Am Hamburger Airport liegen die empfohlenen Umsteigezeiten laut Airhelp zwischen 45 und 60 Minuten. In Berlin sind es zwischen 40 und 85 Minuten und an den Flughäfen Köln-Bonn, Stuttgart und Düsseldorf sollten zwischen 35 und 85 Minuten ausreichen.
Rechte bei verpassten Anschlüssen
In diesem Zusammenhang weist Airhelp auf die Rechte bei verpassten Anschlüssen hin. Falls Passagiere ihren Anschlussflug aufgrund einer Flugverspätung nicht erreichen, sind Fluggesellschaften nach der europäischen Fluggastrechteverordnung EC261 verpflichtet, eine alternative Beförderung zum Zielort anzubieten. Ist eine Weiterreise erst am Folgetag möglich, müssen Airlines zudem Betreuungsleistungen wie Hotelübernachtungen, Verpflegung und Transfers bereitstellen. Unter bestimmten Voraussetzungen können Reisende darüber hinaus Anspruch auf eine Entschädigung haben – etwa dann, wenn sie ihr Endziel mit mehr als drei Stunden Verspätung erreichen. Ausgenommen sind Fälle, in denen außergewöhnliche Umstände die Ursache für die Verspätung waren.



