Lufthansa zieht die Sparschraube an – Cityline wird eingestellt

Dass die Lufthansa-Gruppe sparen muss, wurde schon vor längerer Zeit kommuniziert. Wegen des Iran-Kriegs, stark gestiegenen Kerosinkosten und nicht zuletzt der vielen Streiks zieht der Konzern nun einige der Maßnahmen vor. Der härteste Einschnitt: Ab sofort ist der Flugbetrieb der ohnehin im Rückbau befindlichen Tochter Cityline eingestellt. Außerdem sind Kapazitätskürzungen sowie Maßnahmen zur vorzeitigen Flottenmodernisierung geplant.

Alle Cityline-Flieger bleiben am Boden

Als erster „unmittelbar wirksamer Schritt“ des schnell aufgelegten Sparpakets werden schon am Samstag (18. April 2026) zunächst die 27 operativen Flugzeuge von Lufthansa Cityline endgültig aus dem Programm genommen, wie das Unternehmen mitteilt. Dies geschehe, um weitere Verluste der defizitären Regionalflug-Tochter zu reduzieren, heißt es. Ohnehin stehen die veralteten Flugzeuge vom Typ Bombardier Canadair CRJ kurz vor der Ausflottung, die spätestens zum Jahresende erfolgen sollte.

Vier blaue Fahnen mit dem Lufthansa Group Logo und Schriftzug wehen im Wind vor einem hellblauen Himmel. Die vertikalen Flaggen zeigen den stilisierten Kranich, das bekannte Symbol der Lufthansa Gruppe.
Lufthansa macht Ernst mit seinem Sparprogramm: Schon Samstag geht es mit Cityline los. Foto: Lufthansa Group

Die Einstellung von Cityline ist schon länger geplant, ersetzt werden soll die Fluglinie durch die neu aufgebaute Tochter Lufthansa City Airlines. Vor dem Hintergrund der möglichen Beendigung des gesamten Flugbetriebs seien allen Beschäftigten bereits Angebote für Anschlussbeschäftigungen unterbreitet worden. Darüber hinaus will der Konzern mit den Betriebspartnern der Lufthansa Cityline GmbH Gespräche zu einem Interessenausgleich und Sozialplan aufnehmen. Genau das die Streitpunkte, warum auch die Beschäftigten von Cityline momentan streiken.

Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) kritisiert die kurzfristige Einstellung des Flugbetriebs scharf. „Der Lufthansa-Konzern hat aus Sicht der VC den Weg der Rationalität verlassen“, so Präsident Andreas Pinheiro. Die angeführten geopolitischen Gründe seien nicht überzeugend, da kein Wettbewerber derzeit Kapazitäten in diesem Umfang aus dem Markt nehme. „Vielmehr deutet vieles darauf hin, dass es sich um eine Maßnahme im Zusammenhang mit den aktuellen tarifpolitischen Konflikten innerhalb des Konzerns mit VC und UFO handelt.“

Elf weitere Flugzeuge sollen herausfallen

Im zweiten Schritt will Lufthansa die Langstreckenkapazität mit Ablauf des Sommerflugplans um insgesamt sechs Interkont-Flugzeuge reduzieren, indem alte Maschinen ausgeflottet werden. Im Einzelnen werden die letzten vier Airbus A340-600 die Flotte im Oktober verlassen. Zusätzlich werden ab Oktober zwei Boeing 747-400 über den kommenden Winter stillgelegt, bevor im nächsten Jahr die Ära dieses Flugzeugtyps zu Ende geht.

Im kommenden Winterflugplan 2026/2027 geht es dann mit einer Absenkung von Kapazitäten bei der Lufthansa-Kernmarke im Umfang von fünf Flugzeugen weiter. Diese Maßnahme erfolgt laut Unternehmen im Rahmen der geplanten Konsolidierung von Kurz- und Mittelstreckenverkehren über die sechs Drehkreuze.

„Das Paket ist unumgänglich“

Alles in allem verspricht sich die Gruppe von dem Maßnahmenpaket „einen überproportionalen Einspareffekt bei den Treibstoffkosten“. Zwar sei der Kerosinverbrauch der Passagier-Airlines durch Fuel Hedging zu 80 Prozent und somit „überdurchschnittlich hoch abgesichert“, die verbleibenden 20 Prozent müssten dennoch zu deutlich gestiegenen Marktpreisen eingekauft werden. Dieser besonders teure Anteil des Treibstoffbedarfs könne nun um rund zehn Prozent reduziert werden.

„Das Paket zur beschleunigten Umsetzung von Flotten- und Kapazitätsmaßnahmen ist angesichts der stark gestiegenen Kerosinkosten und der geopolitischen Instabilität unumgänglich“, unterstreicht Finanzvorstand Till Streichert. Ziel sei es, die Kurz- und Mittelstreckenplattformen des Konzerns klarer zu fokussieren und wettbewerbsfähiger aufzustellen. „Die aktuelle Krise zwingt uns, diese Maßnahme nun früher umzusetzen. Das ist insbesondere mit Blick auf die Kolleginnen und Kollegen von Lufthansa Cityline ein schmerzhafter Schritt.“

Neue Sparvorgaben für die Administration

Zur weiteren Absenkung der administrativen Kosten wurden von der Lufthansa-Gruppe außerdem neue Sparvorgaben für Stellenbesetzungen, interne Veranstaltungen und externe Beratungsleistungen entschieden. Sie flankieren das bestehende Abbauziel von konzernweit 4.000 Stellen in der Verwaltung bis 2030.