Luxemburg

Die Puppenstube Europas

„Gibraltar des Nordens“ wurde Luxemburg früher auch genannt.

Zu Besuch in Luxemburg-Stadt, dem Gibraltar des Nordens

Flohmarkt auf der Place Guillaume II. Fotos: C Giorgetti, cd

Place d'Armes am Wochenende: Die Sonne gleißt über dem noblen "öffentlichen Salon der Stadt". Linden rauschen über den gut besetzten Terrassen von Cafés und Restaurants. Keine drei Spazierminuten entfernt liegt die Place Guillaume II. Im Schatten des Reiterstandbildes von Großherzog Wilhelm sind die Stände des Flohmarktes aufgebaut. Nur Einheimische dürfen hier Trödel anbieten. Man kennt sich und scherzt miteinander. Wer Geduld hat, findet echte Schnäppchen.

Nur ein paar Schritte weiter erhebt sich die elegante Fassade des großherzoglichen Palais, vor der ein Soldat im Stechschritt Wache geht. Im "Bistrot de la Presse" gegenüber gibt es das täglich wechselnde Mittagsgericht zum Preis von knapp zwölf Euro. Ein für Luxemburger Verhältnisse unglaublich günstiges Angebot. Der Großherzog und seine Familie schauen einem dabei auf den Teller - eine gesamte Wand des kleinen Restaurants ist nämlich mit den Fotografien ihrer Hoheiten dekoriert.

Den Espresso und eine süße Kleinigkeit als Dessert sollte man um die Ecke nehmen. "Léa Linster Delicatessen" nennt sich das Schaufenster zur Stadt der bekannten Luxemburger Sterneköchin. Die frisch gebackenen Madeleines sind legendär. Ansonsten stehen die Lieblingsprodukte der Chefin zum Verkauf: Riesling vom eigenen Weinberg, Pasteten, Marmeladen, Essig und Öl sowie diverse Kochbücher.

Alles liegt in Luxemburg-Stadt ganz dicht beieinander. Die wohl kleinste Metropole der Welt mit nur rund 100.000 Einwohnern aus über 150 Ländern ist ein Bilderbuchort mit von der Unesco geadelter historischer Altstadt und einer Corniche, die als "schönster Balkon Europas" gilt. Weltläufig ist man trotzdem, schon wegen der Vielsprachigkeit - man parliert außer im landestypischen Letzebuergsch auch fließend auf Deutsch und Französisch.

"Gibraltar des Nordens" wurde es einst genannt - das stark befestigte Bollwerk auf felsigem Grund mit über 1.000-jähriger Geschichte. Heute stehen nur noch rund 10 Prozent der einst gigantischen Befestigungsanlagen, doch die in den Fels geschlagenen Verteidigungsgalerien der Kasematten sind noch heute eine der Top-Sehenswürdigkeiten.

Luxemburg ist eine Huldigung an die Vertikale. Steil ragt die Stadt aus den Tälern der beiden Wasserläufe Alzette und Petruss auf. Zum Glück gibt es den kostenlosen Aufzug vom Plateau de Saint-Esprit hinunter in den Stadtteil "Grund", dem wohl gemütlichsten Viertel der Stadt. Im Kulturzentrum der Abtei Neumünster trifft sich "tout Luxemburg" am Sonntag zum Brunch. Der öffentliche Garten dahinter am Ufer der Alzette ist der wohl romantischste Flecken der Stadt.

Im "Grund" sind auch Nachtschwärmer gut aufgehoben. An vier Abenden in der Woche wird auf dem Piano im Café des Artistes in die Tasten gehauen und die ganze Bude singt bei Kerzenlicht mit - vom Luxemburger Volkslied bis zu Rock-Hymnen.

Wenn man endlich ausgeschlafen hat, ist es Zeit für ein wenig Kultur. Mit dem Bus geht es ruckzuck ins Viertel Kirchberg mit den Europa-Verwaltungsgebäuden und spektakulären Kulturtempeln wie dem "Mudam", das inmitten von viel Raum und Licht moderne Kunst präsentiert. Zum Lunch ist man zurück auf dem einstigen Fischmarkt, der wie eine historische Puppenstube wirkt. Schon Goethe fand im kleinen Luxemburg "soviel Größe mit Anmut, soviel Ernst mit Lieblichkeit verbunden". Weitere Infos gibt es beim Luxemburg City Tourist Office unter www.lcto.lu.

Claudia Diemar