Verkehr

Lokführerstreik: Forum Anders Reisen kritisiert GDL

Petra Thomas, Geschäftsführerin des Forum Anders Reisen, richtet klare Worte an die GDL. Foto: Forum Anders Reisen

Petra Thomas, Geschäftsführerin des Forum Anders Reisen, richtet klare Worte an die GDL. Foto: Forum Anders Reisen

Der angekündigte Streik der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) mitten in der Ferienzeit sorgt nicht nur bei Bahnkunden, sondern auch in der Tourismusbranche für Unmut. Der Verband für nachhaltigen Tourismus, Forum Anders Reisen, bezeichnet den Streik „inmitten der Pandemie unverantwortlich für die urlaubsreife Gesellschaft und für alle Akteure im Tourismus“.

In einem offenen Brief an den GDL-Vorsitzenden Claus Weselsky schreibt Petra Thomas, Geschäftsführerin des Forum Anders Reisen: „Viele Gäste haben ihren Urlaub in diesem Jahr extra in Deutschland oder in den nahen europäischen Nachbarländern gebucht, um schnell wieder nach Hause fahren zu können und um kurzfristigen Reisewarnungen und drohenden Quarantänemaßnahmen zu entgehen. Dies gilt insbesondere für Familien mit Kindern, für die bislang noch keine Impfmöglichkeit besteht. Diesen Reisenden nun die An- und Abreise zu erschweren, ist gesellschaftlich nicht tragbar.“

Zudem bangten derzeit Tausende von touristischen Leistungsträgern um ihre Existenz. Könnten die Kunden nicht wie geplant mit der Bahn in Urlaub fahren, könne dies zu einer erneuten Stornierungswelle führen. „Das ist für viele Unterkünfte, Destinationen und Reiseveranstalter ein wirtschaftlich akut gefährdendes und unkollegiales Verhalten“, so Thomas. Auch müsse die Bahn „ein verlässliches Transportnetz innerhalb Deutschlands und Europas bilden“, um Flugreisende zurück auf die Schiene zu bringen und damit zur Erreichung der Klimaziele beizutragen.

Thomas kritisiert weiterhin, dass ein Streik „verlängerte Reisezeiten in überfüllten Zügen“ zur Folge habe. Dies sei in Pandemiezeiten nicht förderlich.

Der Verband appelliert daher an die GDL, „umgehend an den Verhandlungstisch zurückzukehren und sich für faire Tarifbedingungen auf dem Verhandlungsweg einzusetzen statt den Arbeitskampf auf den Schultern der Urlaubsgäste und der deutschen Tourismusbetriebe und Regionen auszutragen.“

Zum Hintergrund: Die GDL hatte in ihrer Urabstimmung am 10. August mit einer Mehrheit von 95 Prozent für den Lokführerstreik gestimmt. Dieser beginnt im Personenverkehr am Mittwoch, den 11. August in den frühen Morgenstunden und soll am Freitag, den 13. August um 2 Uhr morgens enden.

Während des Streiks werden wohl drei von vier Fernzügen nicht fahren, auch im Nahverkehr ist mit erheblichen Beeinträchtigungen zu rechnen. Erwartet werden übervolle Züge und ratlose Bahnreisende. Neben dem Forum Anders Reisen kritisiert unter anderem auch der Fahrgastverband Pro Bahn insbesondere die Kurzfristigkeit des Arbeitskampfs: „Ein Streik richtet sich bei der Bahn nicht nur gegen das Unternehmen, sondern auch gegen weite Teile der Bevölkerung. Viele Fahrgäste können nicht ausweichen."

Susanne Layh