Wie lassen sich junge Touristiker für die Gründung oder Übernahme eines Reisebüros gewinnen? Wie muss moderner Reisevertrieb aussehen, um für junge Kundinnen und Kunden attraktiv zu bleiben? Und was erwartet die junge Generation von der Branche als Arbeitgeber?

Mit diesen Fragen beschäftigen sich das Forschungs- und Transferzentrum Centouris der Universität Passau und Reiseland seit dem vergangenen Jahr. Für ihre Studie befragten sie 140 junge Erwachsene mit Tourismusbezug – darunter Beschäftigte im Reisevertrieb, Auszubildende und Studierende tourismusnaher Fächer. Aus den Ergebnissen lassen sich nach Einschätzung der Initiatoren wichtige Ansatzpunkte für mehr Gründungen im Reisevertrieb ableiten.
Grundsätzlich zeigen sich die befragten Generationen offen für eine unternehmerische Selbstständigkeit. Gleichzeitig wird jedoch deutlich, dass finanzielle Unsicherheiten viele zurückhalten. Vor allem das wahrgenommene Risiko, der Kapitalbedarf und fehlende Einkommenssicherheit gelten als zentrale Hürden. Hinzu kommen bürokratische Anforderungen, starker Wettbewerbsdruck und die Angst vor dem Scheitern, wie es in einer Pressemitteilung heißt.
Persönliche Beratung bleibt Erfolgsfaktor
Für die Zukunft des Reisevertriebs erwarten Angehörige der Generationen Z und Y ein klar digitales, flexibles und hybrides Modell. Entlang der gesamten Customer Journey sollen Services zeit- und ortsunabhängig verfügbar sein und Online-Angebote nahtlos mit persönlichem Kontakt verzahnt werden. Trotz aller Digitalisierung bleibt die persönliche Beratung dabei ein entscheidender Erfolgsfaktor. Künstliche Intelligenz wird vor allem als hilfreiches Werkzeug gesehen – etwa bei der Informationssuche, beim Angebotsvergleich oder in der Kommunikation –, nicht jedoch als Ersatz für den Menschen.
Auch beim Thema Arbeitgeberattraktivität haben junge Touristiker klare Vorstellungen. Neben einem angemessenen Gehalt spielen verlässliche Weiterbildungs- und Entwicklungsmöglichkeiten, flexible Arbeitsmodelle inklusive Homeoffice sowie eine moderne, wertschätzende Unternehmenskultur eine zentrale Rolle. Viele Befragte trauen sich zu, Verantwortung zu übernehmen, eigene Ideen einzubringen und unternehmerisch zu handeln.
Bürokratie abbauen
Um das vorhandene Gründungsinteresse stärker in konkrete Projekte zu überführen, sehen die Initiatoren mehrere Stellschrauben. Dazu zählen insbesondere bessere Finanzierungsmöglichkeiten, weniger Bürokratie sowie ein leichterer Zugang zu Netzwerken, Mentoring und gezielten Unterstützungsangeboten.
Die Ergebnisse sollen in diesem Frühjahr in einem Workshop mit Reiseexperten der Generation Y und Z diskutiert werden. Anschließend wollen Reiseland und Centouris Handlungsempfehlungen für Reisebüro-Ketten und -Kooperationen sowie mobile Vertriebsorganisationen erarbeiten – um den Reisevertrieb zukunftsfähig zu gestalten.




