Von extrem frühen Buchungen bis hin zu zögernden Kunden, die auf einen besseren Preis warten: Die Situation am Counter gestaltet sich im Touristikjahr 2026 bislang herausfordernd, wie sechs Reiseprofis im Gespräch mit touristik aktuell berichten.
Christoph Schanz-Surié, Die Reiseboutique,
Mörfelden-Walldorf
„Es haben mittlerweile viele Kunden verinnerlicht, dass sie ihre Ferien früh buchen. Das sehe ich als Vorteil, denn dann sind nicht nur die Preise günstiger, sondern die Verfügbarkeiten sind auch noch da. Bei uns haben zwischen Oktober und Dezember sehr viele Kunden ihren Sommerurlaub gebucht, so dass wir ein gutes Frühbucherjahr haben. Jetzt kommen verstärkt Anfragen für Herbst und Winter. Was mir auffällt, ist, dass die Reise-dauer sinkt, drei Wochen Urlaub ist schon eine exotische Reisedauer.“
Markus Schmidt,
Beachfinder, Koblenz
„Das Frühbuchergeschäft ist gut gelaufen. Einen Großteil haben wir schon im November und Dezember verkauft, im Januar waren die Anfragen und Buchungen während der normalen Geschäftszeiten gar nicht abzuarbeiten – allerdings waren wir da eine Person weniger. Unser Umsatz im Januar lag auf dem Niveau des Vorjahresmonats. Sehr gut laufen Kreuzfahrten, speziell im höherpreisigen Segment. Und auffällig ist, dass der Fernreiseanteil für den Sommer enorm hoch ist. Top-Ziele sind Bali, Sansibar und Mauritius.“
Kerstin Scholz,
Reisebüro Scholz & Scholz,
Boizenburg
„Ich bin im Großen und Ganzen zufrieden. Wir haben im Januar die Vorjahreszahlen übertroffen, insbesondere die letzten zwei Wochen des Monats waren sehr stark. Besonders Kreuzfahrten liegen im Plus. Der klassische Familienurlaub am Meer läuft dagegen sehr schleppend. Diese Kundengruppe klagt über die hohen Preise und einige verzichten dann leider auch auf eine Reise.“



Norbert Brune-Heisig,
Schauinsland-Reisebüro,
Kiel
„Wir haben unser Vorjahres-niveau an Frühbuchern gehalten. Ab November bis in den Januar hinein lief es sehr gut. Seitdem bei uns so viel Schnee liegt, kamen weniger Kunden. Neben den allgemeinen Preissteigerungen ist für uns schwierig, dass es immer weniger Flüge ab Hamburg gibt. Unsere Kunden aus Kiel müssen teilweise einen Tag vorher nach Frankfurt oder Düsseldorf anreisen. Was uns sehr hilft, sind die Kreuzfahrten ab Norddeutschland. Ich hätte nie gedacht, dass die Winterkreuzfahrten der Aida Prima so schnell ausgebucht sind. Kreuzfahrten sind im Sommer für Familien häufig günstiger als Pauschalreisen.“
Michael Kautz,
Kautz Urlaubsreisen,
Duisburg
„Erstaunlicherweise läuft bei uns das extreme Frühbuchergeschäft gut, das heißt, die Kunden buchen bereits jetzt für September, Oktober dieses Jahres. Kurzfristige Buchungen nehmen dagegen immer mehr ab. Und auch der Stichtag 31. Januar ist in den Köpfen der Menschen nicht mehr so verankert wie früher. Zudem lässt sich feststellen, dass die Kunden vor allem individuelle Reisen anfragen. Diese Touren stelle ich mit Explorer zusammen, was fantastisch funktioniert.“



Laura Wierczeiko,
Holiday Land Reisebüro Wagner,
Bischofsheim
„In diesem Jahr verzeichnen wir etwas weniger Früh-bucheranfragen. Ein Grund könnte sein, dass die Frühbucherangebote inzwischen deutlich länger laufen und bis weit in den Frühling reichen. Der Umsatz bleibt solide, doch viele Kunden vergleichen erst, warten auf günstigere Angebote oder Rabattaktionen. Aktuell ist es bei uns eher ruhig. Seit Corona hat sich das Buchungsverhalten spürbar verändert: Waren Januar und Februar die Haupt-buchungsmonate, verteilt sich die Nachfrage inzwischen über einen längeren Zeitraum. “



