Neues Trio für eine alte Metropole

Eine belebte Uferpromenade in Istanbul mit modernen Gebäuden, dekorativen Lichtelementen an Laternenmasten und Passanten bei Dämmerung am Bosporus.
Modern und chic: die Galata-Promenade direkt am Bosporus. Foto: znm/iStock

Istanbul erfindet sich neu: In Balat, Tersane und Tophane treffen historische Viertel auf Cafés, Galerien, Hotels und moderne Kultur. Drei ganz unterschiedliche Quartiere zeigen, wie sich die Metropole am Bosporus verändert.

Bis ins 20. Jahrhundert hinein war das Viertel ein wichtiges Zentrum jüdischen Lebens in Istanbul, aber auch die Heimat von griechisch-orthodoxen Gemeinden. Dann verfiel Balat immer mehr, Armut machte sich breit in dem Viertel am oberen Abschnitt des Goldenen Horns. Ähnlich wie weltweit viele andere Altstadtviertel war das alte Balat drauf und dran, abgerissen zu werden.

Balat: Vom Verfall zum Trendviertel

Diese Gefahr ist in Balat vorbei: Alteingesessene Einwohner sowie junge Türken, die das Viertel für sich entdeckt haben, hauchen Balat neues Leben ein und machen das Viertel zu einer der angesagtesten und coolsten Ecken Istanbuls. Immer mehr Häuser werden instand gesetzt, Cafés, Galerien, Antiquitätenläden und Teestuben sorgen für neues Leben.

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Luftaufnahme der Küstenregion Kekova bei Antalya mit Booten im türkisfarbenen Wasser, überlagert mit dem Logo der anex gruppe und Textbausteinen.

Balat ist jung. Und Balat ist farbenfreudig. Häuser und Türen erstrahlen in den buntesten Farben, dazwischen ist immer wieder auch eine Ruine. Genau dieses Spannungsverhältnis macht das Viertel zu einem beliebten Ort für Straßenfotografen. Auch die Stadtführer etwa von Get your Guide haben den Reiz erkannt und bieten inzwischen Rundgänge an. Sie enden fast immer in einem Café.

Auch wenn manche Einheimischen inzwischen schon über Anfänge von Gentrifizierung sprechen – Balat hat noch viel Platz für die alternative Szene. Ganz im Gegensatz zu einem weiteren neuen Kultviertel Istanbuls: Genau gegenüber von Balat auf der anderen Seite des Goldenen Horns steht die Entwicklung des Stadtteils Tersane vor der Vollendung.

Nahaufnahme eines Smartphones in den Händen einer Person, das eine Gasse mit bunten Häusern und parkenden Autos auf dem Display in der Kamera-App anzeigt.
Alternativ und bunt: Stadtviertel Balat am Goldenen Horn. Foto: mg

Tersane: Werften werden zu Kulturzentren

Hier befanden sich über Jahrhunderte hinweg die Werftanlagen der Bosporus-Metropole, seit über 100 Jahren waren sie allerdings dem Verfall preisgegeben. Eine Investorengruppe rund um die Hotelkette Rixos übernahm das Viertel von der Stadt Istanbul – und sanierte zahlreiche Werftgebäude und errichtete unzählige Neubauten.

Sie beherbergen Hotels, Wohnungen und Büros, aber auch zahlreiche Kultureinrichtungen wie das Maritime Museum. „Tersane wird das neue Herz Istanbuls“, sagt unter anderem Nina Öger, Tochter des Öger-Tours-Gründers Vural Öger. „Ein sensationelles und spannendes Projekt“, lobt auch Bentour-Chef Deniz Ugur. Die komplette Fertigstellung ist für 2027/2028 geplant.

Tophane: Geschichte trifft Moderne

Nicht weniger spannend ist die Entwicklung im Stadtteil Karaköy östlich der berühmten Galata-Brücke. Im unteren Teil befindet sich das Quartier Tophane, eines der ältesten und geschichtsträchtigsten Stadtteile Istanbuls.

Wie in Balat wohnten auch hier früher griechisch-orthodoxe Juden, dann wurde das Quartier zu einem Rotlichtviertel. In den vergangenen Jahrzehnten hat sich Tophane zu einem jungen, hippen Treffpunkt für die Kreativen der Stadt entwickelt.

Hier sitzt die Gen-Z-Generation in coolen Cafés vor MacBooks, Bars werben für ihre Cocktail-Auswahl. In eine andere Welt taucht ein, wer die Kılıç-Ali-Pascha-Moschee besucht. Sie ist nicht so stark von Touristen besucht wie ihre berühmten Schwestern in der Altstadt, zudem gilt sie als eine der schönsten ganz Istanbuls.

Kunst und Kultur in Tophane

Nicht weit entfernt befindet sich direkt am Meer ein weiteres Highlight – das İstanbul Modern. Das 2004 eröffnete Museum für Gegenwartskunst widmet sich vorwiegend türkischen Künstlern, häufig gibt es spannende Sonderausstellungen.

Das Museum ist Teil der neuen Galata-Promenade direkt am Bosporus. Mit ihren Restaurants und einer Einkaufsmeile erinnert sie an die Victoria & Alfred Waterfront in Kapstadt. Typisch Istanbul ist diese Flanier-Oase nicht, geliebt wird sie dennoch sowohl von Einheimischen als auch von Touristen.

Denn so austauschbar die Ketten-Restaurants sind: Die Atmosphäre direkt am Wasser ist sehr entspannt – und der Blick auf die andere Seite des Bosporus einmalig. Zwar gibt es keinen Tafelberg. Aber der Topkapi-Palast und die Hagia Sophia sind ja auch nicht ganz ohne.