Sa 25.11.17

Südafrika: Die Wiege der Menschheit


Zu Besuch in der Sterkfontein-Höhle bei Johannesburg


Die Sterkfontein-Höhle bei Johannesburg zählt zum Welterbe der Unesco

Die Sterkfontein-Höhle bei Johannesburg zählt zum Welterbe der Unesco

Bronzebüste des Paläontologen Robert Broom, der 1947 den Schädel eines Frühmenschen fand Fotos: mw

Bronzebüste des Paläontologen Robert Broom, der 1947 den Schädel eines Frühmenschen fand Fotos: mw

Die Fahrt nach Hause beginnt wenig spektakulär. Vorstadtsiedlungen von Johannesburg gehen in der Provinz Gauteng in ländliche Dörfer mit armen Bretterbuden über. Von Idylle keine Spur. Kaum Touristen und nur wenige Weiße machen sich deshalb auf in diese Gegend. Fast niemand weiß, was sich hier im Becken des Witwatersrand verbirgt. 

Nach einer guten Stunde Fahrt rollt das Taxi bei Krugersdorp durch einen Gitterzaun auf einen staubigen Parkplatz. In flirrender Hitze läuft man an Souvenirläden vorbei einen Hügel hinauf, bekommt ein Haarnetz und einen roten Bauhelm ausgeteilt und steht wenige Schritte weiter plötzlich genau dort, wo alles begann. 

Abseits der Reiserouten

„Hier haben unsere Vorfahren sich vom Tier zum Menschen gewandelt“, sagt John mit großer Geste, bevor der junge Fremdenführer eine Besuchergruppe hinab in die Sterkfontein-Höhle begleitet. Seit über 100 Jahren ist die Karsthöhle bei Touristen bekannt, liegt aber abseits der Rundreiserouten. Zu Unrecht: Über Treppen und Stiegen geht es durch einen engen Spalt 60 Meter tief hinab in den Kalkstein. Eindrucksvolle Tropfsteine glitzern im Licht der Taschenlampen von der Höhlendecke. Unten im Berg wartet ein klarer, kalter Höhlensee. 

Der Grund, warum die Unesco das Höhlensystem und 370 weitere Karsthöhlen in der Provinz Gauteng 1999 zum Weltkulturerbe erklärte: Im Höhlenklima gut konserviert haben sich allein in Sterkfontein über 500 Fossilien mit einem Alter von bis zu vier Millionen Jahren erhalten, die bis zum Ursprung der Menschheit zurückreichen. 

Nirgends lassen sich unsere Vorfahren besser in die Karten schauen. Und immer noch kommen Funde hinzu. „Alles die Folge von Unfällen, bei denen jemand in den porösen Boden einbrach“, revidiert John das Bild vom Höhlenmenschen. Denn in den Höhlen gelebt haben weder die frühen Hominiden noch die Höhlenbären oder Säbelzahnkatzen. 

Auf der anderen Seite der Höhle, bevor der Weg auf Holzstegen an der aktuellen Ausgrabung vorbeiführt, zeigt eine Bronzebüste den Paläontologen Robert Broom vom Transvaal Museum in Pretoria mit seinem wichtigsten Fund: dem Schädel eines Frühmenschen, den er Mrs. Ples taufte. Ob es wirklich eine Frau war, ist heute stark umstritten. Auch das Alter wurde jüngst von vier auf gut zwei Millionen Jahre verringert. Dennoch steht Mrs. Ples ziemlich genau an der Schwelle, wo der Mensch sich von den Affen trennte. 

Reise durch die Frühgeschichte

Wer einen Tag Zeit übrig hat für die „Cradle of Humankind“ – die Wiege der Menschheit –, kann zusätzlich auch die lohnenswerte große Wonder Cave bei Kromdraai besichtigen. Vor allem Familien sollten noch die zehn Kilometer weiter nach Maropeng fahren. Dort ist ein unterirdisches Besucherzentrum für die Region entstanden. 

Auf einer vor allem für Kinder konzipierten Bootsfahrt reist man durch die Frühgeschichte der Menschheit und kann die Aspekte der Menschwerdung in der interaktiven Ausstellung vertiefen. Und mit einem Glas südafrikanischen Wein lässt sich anschließend beim Rundblick von der Dachterrasse auf Mrs. Ples anstoßen. 


Martin Wein

 

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