El Niño erhöht Risiko für Tropenkrankheiten

Das sich voraussichtlich entwickelnde El-Niño-Phänomen könnte in diesem Jahr nicht nur das Wetter, sondern auch die Gesundheitsrisiken in zahlreichen Reiseländern beeinflussen. Darauf weist das Berliner Centrum für Reise- und Tropenmedizin (BCRT) hin. Reisende sollten ihre Gesundheitsvorsorge daher stärker an die aktuellen Bedingungen im Zielland anpassen.

„El Niño verändert nicht nur das Wetter, sondern kann auch die Verbreitung bestimmter Infektionskrankheiten beeinflussen“, sagt Prof. Dr. med. Tomas Jelinek, medizinischer Direktor des BCRT und wissenschaftlicher Leiter des Centrums für Reisemedizin (CRM). Für Reisende sei dies jedoch kein Grund, auf Fernreisen zu verzichten. Entscheidend sei vielmehr, sich vor der Abreise über die aktuelle Gesundheitslage am Reiseziel zu informieren.

Eine Nahaufnahme einer Mücke, die auf einem grünen Blatt sitzt, vor einem unscharfen, grünen Hintergrund.
Stechmücken können als Überträger verschiedener Infektionskrankheiten wie Dengue-Fieber, Zika oder Malaria eine Rolle spielen. Foto: nechaev-kon/iStock

Klimaphänomen mit globalen Auswirkungen

El Niño entsteht durch eine ungewöhnlich starke Erwärmung der Meeresoberfläche im tropischen Pazifik und tritt in unregelmäßigen Abständen von zwei bis sieben Jahren auf. Das Klimaphänomen verändert Luftströmungen und Niederschlagsmuster weltweit. Die Folgen reichen von Starkregen und Überschwemmungen bis hin zu Dürreperioden und außergewöhnlicher Hitze.

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Eine Flugbegleiterin in Uniform steht in einem Flugzeug und formt mit ihren Händen ein Herz. Der Innenraum des Flugzeugs ist gut sichtbar.

Für 2026 erwarten Meteorologen nach Angaben des BCRT mindestens ein mäßiges, möglicherweise aber auch ein starkes El-Niño-Ereignis. In Medienberichten war zuletzt wiederholt von einem „Super-El Niño“ die Rede. Die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) geht derzeit vor allem von einem moderaten bis starken Ereignis aus.

Infektionsrisiken können sich verschieben

Nach Einschätzung von Reisemedizinern können die klimatischen Veränderungen auch Auswirkungen auf die Verbreitung von Infektionskrankheiten haben. Besonders betroffen sind Erkrankungen, die durch Stechmücken übertragen werden. Zusätzliche Wasseransammlungen nach Starkregen oder Überschwemmungen schaffen günstige Bedingungen für die Vermehrung von Mücken. Aber auch längere Trockenperioden können dazu beitragen, wenn verbliebene Wasserstellen als Brutstätten dienen.

Dadurch könnten sich regionale Risiken für Krankheiten wie Dengue-Fieber, Chikungunya, Zika oder Malaria verändern. Welche Regionen tatsächlich stärker betroffen sind, hängt jedoch von den jeweiligen klimatischen Bedingungen und der lokalen epidemiologischen Situation ab.

Neben mückenübertragenen Krankheiten können nach Überschwemmungen auch wasser- und lebensmittelbedingte Infektionen häufiger auftreten. Dazu zählen unter anderem Hepatitis A, Typhus und Cholera. Auch Erkrankungen wie Leptospirose oder Melioidose könnten unter bestimmten Bedingungen begünstigt werden. Darüber hinaus verweisen Experten auf mögliche Veränderungen bei marinen Gesundheitsrisiken, etwa durch das Auftreten von Ciguatera-Vergiftungen in einigen Küstenregionen.

Vorsorge bleibt entscheidend

„Nicht jedes Reiseziel ist gleichermaßen betroffen“, betont Jelinek. „Gerade deshalb ist es wichtig, aktuelle Entwicklungen ebenso wie Reisezeit, Reiseziel und persönliche Risikofaktoren zu berücksichtigen.“

Das BCRT empfiehlt Reisenden, sich vor der Abreise über aktuelle Gesundheitsrisiken am Reiseziel zu informieren und den Impfschutz überprüfen zu lassen. Je nach Destination können Impfungen gegen Hepatitis A oder Typhus sinnvoll sein. Für Reisen in Malariagebiete sollte außerdem rechtzeitig geklärt werden, ob eine medikamentöse Prophylaxe erforderlich ist.

Als besonders wichtig gilt weiterhin ein konsequenter Schutz vor Mückenstichen. Dazu gehören Repellentien, lange Kleidung und gegebenenfalls Moskitonetze. Zudem sollten Reisende aktuelle Wetter- und Reisehinweise verfolgen, da starke Niederschläge, Überschwemmungen oder Erdrutsche die Bedingungen vor Ort kurzfristig verändern können.