Das West-Nil-Virus breitet sich in Europa weiter aus – dieses Jahr verzeichnet laut Berliner Centrum für Reise- und Tropenmedizin (BCRT) bereits Rekordzahlen. Auch in Deutschland ist das Virus inzwischen etabliert. Das BRCT rät, bei Europa-Reisen auch im Herbst auf Mückenschutz zu achten.

Das West-Nil-Virus hat sich dieses Jahr in Europa so stark verbreitet wie nie zuvor seit Beginn der systematischen Erfassung. Nach Angaben des Europäischen Zentrums für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC) wurden bis zum 7. Oktober insgesamt 1.855 lokal erworbene Infektionen in 18 europäischen Ländern registriert. Das Berliner Centrum für Reise- und Tropenmedizin (BCRT) empfiehlt deshalb auch bei Europa-Reisen einen konsequenten Mückenschutz.
„2026 ist bereits jetzt das stärkste Jahr seit Beginn der europäischen Erfassung“, erklärt Tomas Jelinek, medizinischer Direktor des BCRT. Die Fallzahlen liegen demnach deutlich über den Gesamtjahreswerten von 2025 mit 1.112 und 2024 mit 1.436 Fällen. Besonders betroffen sind Regionen in Griechenland sowie in Italien und Spanien. Auch in den Niederlanden wurden erstmals seit 2020 wieder menschliche Infektionen gemeldet, Belgien verzeichnete erstmals überhaupt lokal erworbene Fälle.
Virus in Deutschland bereits heimisch
In Deutschland wurden bis zum 7. Oktober vier lokal erworbene Infektionen gemeldet – zwei in Berlin sowie jeweils eine in Leipzig und in Rheinland-Pfalz. „Untersuchungen der Charite zeigen, dass sich das West-Nil-Virus in Berlin bereits dauerhaft etabliert hat“, so Tomas Jelinek. Genetische Analysen bestätigten, dass sich das Virus vor Ort vermehrt. Die Forschenden stufen es daher als endemisch ein.
Das Virus zirkuliert hauptsächlich zwischen Stechmücken der Gattung Culex und Vögeln. Zugvögel tragen nach Angaben des BCRT zur Verbreitung in neue Gebiete bei. „Das vermehrte Auftreten in Europa hängt mit der veränderten Wanderungsbewegung von Vögeln zusammen. Zugvögel verbringen deutlich mehr Zeit in Zentraleuropa, daher entstehen diese Infektions-Cluster“, erläutert Tomas Jelinek.
Mückenschutz auch im Herbst wichtig
Die meisten Infektionen verlaufen ohne erkennbare Symptome. Nur in 20 bis 25 Prozent der Fälle treten Beschwerden wie Fieber, Kopfschmerzen oder Hautausschlag auf. Weniger als ein Prozent der Infizierten entwickelt schwere neurologische Erkrankungen. Eine spezifische Therapie steht bislang nicht zur Verfügung.
Das BCRT rät Reisenden, bei Aufenthalten in betroffenen Gebieten hautbedeckende Kleidung und geeignete Repellents zu verwenden. Milde Temperaturen können die Aktivitätsperiode der Stechmücken verlängern, weshalb Mückenschutz auch im Herbst sinnvoll bleibt. Bei Fieber oder unklaren Beschwerden nach der Rückkehr sollte ärztlicher Rat eingeholt werden.


