Havila: Norwegens Sparpläne bremsen Flottenausbau

Die norwegische Reederei Havila verzeichnet eine positive Geschäftsentwicklung. Der geplante Flottenausbau allerdings gerät durch Sparpläne der Regierung für die Postschiffroute ins Stocken.

Die Seitenansicht eines Havila Kystruten Schiffes an einem Kai mit ausgefahrener Gangway und Rettungsbooten vor einem klaren, blauen Himmel bei Tageslicht.
Havila will die Flotte von derzeit vier auf acht Schiffe verdoppeln, geplant ist eine neue Baureihe. Foto: ck

Seit 2021 verkehrt Havila als zweite norwegische Reederei neben dem vormaligen Monopolisten Hurtigruten im Staatsauftrag auf der Postschiffroute. Die Konzession für die tägliche Beförderung von Fracht und Passagieren entlang der 34 Häfen zwischen Bergen und Kirkenes gilt für zehn Jahre bis 2030. Darüber hinaus besitzt das Ministerium für Verkehr und Kommunikation eine Option auf ein Verlängerungsjahr. Aus Kostengründen steht die Postschiffroute, die Norwegens Haushalt jährlich mit umgerechnet etwa 112 Millionen Euro belastet, nun auf dem Prüfstand.

Politisch diskutiert werden Wirtschaftlichkeit und Umfang des staatlich subventionierten Liniendienstes sowie eine Kürzung der Konzessionsdauer von zehn auf vier oder fünf Jahre ab 2030 beziehungsweise 2031. Von der Entscheidung über die zukünftige Vertragslaufzeit hängt maßgeblich die weitere Expansion von Havila ab. Die Reederei, die aktuell vier moderne Schiffe auf der Postschiffroute betreibt, plant nach Unternehmensangaben den Bau von vier weiteren Einheiten einer neuen Schiffsklasse.

Reederei erwartet Regierungsentscheidung

„Wir sind bereit“, sagt die DACH-Chefin von Havila, Pia Kuusisto, gegenüber touristik aktuell. Ihr Unternehmen habe die feste Absicht zu expandieren und „sicherlich“ schon Werftkapazitäten sondiert. Jetzt liege es an der Regierung, inwieweit und zu welchem Zeitpunkt die Pläne realisiert werden können. Ob Oslo noch in diesem Jahr oder erst im nächsten eine Entscheidung trifft, ist derzeit offen.

Eine blonde Frau in einem hellblauen Hemd und Jeans steht lächelnd vor einem gläsernen Aufzug in einem modernen, hellen Gebäude mit Glasgeländer und Fenstern.
DACH-Chefin Pia Kuusisto setzt in Deutschland auf B2B-Vertrieb. Foto: ck

Zuletzt fielen politische regulatorische Entscheidungen nicht im Sinne der Reederei aus. So wurden die ursprünglich ab Januar dieses Jahres geplanten strengeren Umweltauflagen für das Befahren des Geirangerfjords von den Behörden um ein ganzes Jahrzehnt verschoben. Dabei befährt die Reederei das Weltnaturerbe der Unesco bereits seit 2022 emissionsfrei im Batteriebetrieb – ebenso wie den Trollfjord und den Hjorundfjord.

Seinen grünen Kurs will das norwegische Familienunternehmen konsequent weiterverfolgen. „Das gehört zu unserer DNA und deshalb arbeiten wir ständig daran, noch umweltfreundlicher zu werden“, so Pia Kuusisto. Im nächsten Schritt sollen die hybriden LNG-Schiffe mit größerer Batteriekapazität ausgestattet und dadurch der emissionsfreie Betrieb von derzeit vier auf zukünftig zwölf Stunden verdreifacht werden. Für 2028 hat sich Havila einen komplett CO2-neutralen Schiffsbetrieb zum Ziel gesetzt und plant dafür weitere Investitionen.

Vorausbuchungen über Vorjahresniveau

Bei der Erreichung seiner wirtschaftlichen Ziele für das laufende Geschäftsjahr liegt das Unternehmen laut Kuusisto auf Kurs. Per September waren 77 Prozent der Kapazitäten verkauft – sieben Prozent mehr als zum Vorjahresmonat. Der Durchschnittsumsatz pro Kabine stieg um 13 Prozent.

Auch die Vorausbuchungen für 2027 liegen über dem Vergleichswert des Vorjahres, berichtet die Vertriebschefin. 35 Prozent der Kapazitäten seien verkauft. Dabei betont Pia Kuusisto, „wie wichtig“ für Havila die Zusammenarbeit insbesondere im deutschen Markt mit Reisebüros und Veranstaltern sei. Aktuell läuft noch bis zum 15. November ein gemeinsamer Verkaufswettbewerb mit Wolters Rundreisen, bei dem Agenturen eine private Postschiffreise und einen Platz bei einem Famtrip gewinnen können. Kunden profitieren im Aktionszeitraum von einem kombinierten Rabatt und Bordguthaben für Abreisen bis März 2029.

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