Türkei: Wie geht es im Tourismus weiter?

Die Türkei will mehr Gäste außerhalb der Hauptsaison gewinnen und setzt auf Kultur, Kulinarik und Sport-Events. Auf dem DRV-Kongress diskutiert die Branche über Flugkapazitäten, steigende Preise und die Frage, wie das Reiseziel für Urlauber attraktiv bleibt.

Der Botschafter der Türkei in Deutschland, Gökhan Turan, hat während einer Rede auf dem Hauptstadtkongress des DRV einmal mehr die große Bedeutung des deutschen Marktes für den türkischen Tourismus betont. Die Zusammenarbeit mit Reisebüros und Veranstaltern sei gut und eng – und trage viel dazu bei, die Türkei weiterhin als Ganzjahresdestination im Tourismus zu etablieren, so Gökhan Turan.

Der Botschafter hat dabei vor allem die Nebensaison im Blick, ein Thema, das den Türkei-Tourismus seit Jahren umtreibt. Und es geht schrittweise voran: Der Kulturtourismus wird mit 800 archäologischen Projekten im Land weiter vorangetrieben, die Angebote im kulinarischen Bereich, bei Städtereisen etwa nach Istanbul sowie im Geschäft mit Luxusreisen wachsen.

Formel 1 und Super-Copa

Zudem investiert die Türkei in Sport-Events. Gökhan Turan verwies unter anderem auf Mega-Events wie die Formel 1, die im September 2027 nach Istanbul zurückkehrt und für mindestens fünf Jahre bleiben wird.

Ein weiterer Erfolg im Bereich Sport-Events: Im nächsten Februar findet ebenfalls in Istanbul die spanische Super-Copa mit vier Top-Teams der ersten Liga Spaniens statt. Gespielt wird in drei Istanbuler Stadien.

Kerosin? Kein Problem!

Einen großen Stellenwert nimmt aus Sicht der türkischen Touristiker die Erreichbarkeit der Türkei ein – vor allem auf dem Luftweg. „Die Gäste müssen unser Land erreichen können – und das schaffen wir“, betonte Gökhan Turan und kam direkt zum Thema Kerosin. Ein möglicher Treibstoffmangel sei in der Türkei kein Thema, denn durch eine eigene Raffinerie speziell für Kerosin könnten 75 Prozent des Bedarfs abgesichert werden.

In einer anschließenden Podiumsrunde kündigte Marcus Schnabel, Chef von Sun Express, auch einen weiteren Ausbau der Flugverbindungen an – im Sommer 2027 soll es fünf zusätzliche Verbindungen in die DACH-Region geben.

Knackpunkt Flugkapazitäten

Während mit diesem Zuwachs vor allem Nischenregionen bedient werden, haben die Veranstalter vor allem die wichtigen Urlaubsziele an der Riviera und der türkischen Ägäis, darunter auch Dalaman, im Blick. Und dabei haben sie eine klare Botschaft: „Bloß nicht die Flugkapazitäten senken“, forderte Dertour-Vertriebschef Georg Welbers, vor Kurzem noch Gast eines großen B2B-Events von Dertour Deluxe in Istanbul.

Zugleich müsse die Türkei die Preise im Blick behalten, mahnte Welbers. Denn Ziele wie Bulgarien und Ägypten säßen Antalya & Co. „im Nacken“.

Das weiß auch Songül Göktas-Rosati, hat dennoch aber keine Sorgen um das Reiseziel Türkei. Das Land verfüge nicht nur über eine „exzellente Infrastruktur und exzellente Hotels“, sondern biete auch eine herausragende Gastfreundschaft.

Vielfalt der Türkei als Chance

Darüber hinaus würden 81 Provinzen „mindestens 81 Gründe“ bieten, das Land zu erkunden. Im Kultur- und Rundreisetourismus liegt auch nach ihrer Einschätzung ein gewaltiges Potenzial für touristisches Wachstum.

Schmetterling-Geschäftsführer Ömer Karaca konnte sich dem nur anschließen. Für viele Reisebüros sei die Türkei „Grundlage ihres Geschäftsmodells“ – und die Entwicklung der vergangenen Jahre sei „enorm“. Im Blick hatte Ömer Karaca dabei insbesondere die Entwicklung der Hotellerie auf ein „Premium-Level“.

Genau das bewertet auch Songül Göktas-Rosati als positiv: „Die Türkei wurde zu lange über den Preis definiert.“ Dies zu ändern sei eine „Herausforderung“.

Steigende Reisepreise als Problem

Gleichzeitig ist der Bentour-Managerin bewusst, dass die Preisanstiege der vergangenen Jahre ein Problem für das Reiseziel Türkei sind – vor allem, wenn es sich „manche Familien nicht mehr leisten können, in der Türkei Urlaub zu machen“.

Dies bestätigte auch Sun-Express-Chef Marcus Schnabel. Ihm zufolge sorgen mitunter „nur marginale Preiserhöhungen dafür, dass Kunden auf andere Reiseziele ausweichen“.

Das gilt offenbar nicht nur für den deutschen Markt: Den offiziellen Zahlen zufolge lagen die touristischen Einreisen im ersten Halbjahr 2026 bei 25,8 Millionen und damit leicht unter den Zahlen aus dem ersten Halbjahr 2025 mit 26,4 Millionen. Über das gesamte Jahr 2025 hinweg zählte das Land 64 Millionen internationale Besucher.

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