Praxis-Tipp: Mit Bildern besser verkaufen

Infinity-Pool auf Santorin: Gute Bilder müssen signalisieren, dass man als Reisebüro die Sehnsüchte der Kunden kennt und versteht
Infinity-Pool auf Santorin: Gute Bilder müssen signalisieren, dass man als Reisebüro die Sehnsüchte der Kunden kennt und versteht. Foto: Helge Sobik
Der Reisejournalist und ta-Autor Helge Sobik
Der Reisejournalist und ta-Autor Helge Sobik. Foto: Helge Sobik

Die Corona-Krise hat viele Reisebüros digitaler werden lassen. Dazu gehört auch das verstärkte Engagement in sozialen Netzwerken. Doch wie funktioniert das „Visual Storytelling“?

Der Reisejournalist und ta-Autor Helge Sobik stellt im folgenden Beitrag seine Tipps und Empfehlungen zusammen und sagt dabei auch, was in der Touristikbranche oft falsch gemacht wird. Reisebüros kennen unseren Gastautor übrigens von diversen Jahrestagungen, zuletzt war er im Dezember 2019 zu Gast bei TUI Travel Star in Madrid.

Bilder: Passend auch fürs kleinste Zeitfenster

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Gute Bilder transportieren perfekt, worum es bei der Urlaubsentscheidung geht: die großen Gefühle, Sehnsüchte, Träume! Das Gehirn verarbeitet Information in Bildern mindestens 60x schneller als in Texten. Gute Bilder passen deshalb ins kleinste Zeitfenster und wichtiger noch: Sie erweitern es signifikant, weil sie den Betrachter innehalten lassen, ihn bei seinen Erinnerungen oder seinen Sehnsüchten abholen und seine Neugierde wecken.

Nicht zuletzt deshalb ist Instagram so erfolgreich. Kurioserweise führt gerade die Optik in weiten Teilen der Tourismusbranche noch immer ein Schattendasein – ausgenommen das Luxussegment und Spezialisten.

Problem: Viele Bilder sind zu langweilig

Was machen viele Veranstalter falsch? Sie setzen auf langweilige Bilder in Katalogen wie im Internet – und gerade auf Veranstalter-Websites auf viel zu viele davon. Sie kopieren damit einen Fehler, den auch das vielzitierte Abverkaufsvorbild Booking.com macht und den jeder aus der eigenen Nutzererfahrung kennt: Bin ich ohnehin unentschieden, auf welches Hotel ich mich festlege und sehe zu viele Motive, ist allzu oft irgendein Bild dabei, das mich doch noch gegen das Haus einnimmt. Weil die Fassade aus der Perspektive hässlich ist, Licht oder Wetter nicht stimmen, der Ausschnitt ungeschickt gewählt ist.

Manchmal hilft „weniger statt mehr“

Faustregel: Je mehr Fotos, desto größer ist das Risiko, dass die Kundenentscheidung gegen das Haus fällt. Zweite Faustregel: Gute Bildstrecken ob im Katalog, im Kundenmagazin oder auf einer Website kommen nur zu Stande, wenn jemand mit dem richtigen Blick sie kuratiert. Das Investment in einen, der das kann – ob Werbeagentur, Bildredakteur, externer Berater oder geschulter Mitarbeiter im Content Management – zahlt sich aus: in Umsatz und in Marken-Image. Das gilt insbesondere auch für die Hotels, die die Bilder zuliefern.

Die wenigsten Hotelbilder aus einem herkömmlichen Katalog bekämen ein geklicktes Herzchen auf Instagram: Ansicht von links, rechts, vorne, hinten, Luftbild, Weitwinkel aus dem Zimmer. Beschreibende Fotografie hat ihre Berechtigung und verzeichnet die größten Erfolge, wenn der Kunde kurz vor der verstandesmäßigen Entscheidung für ein bestimmtes Produkt steht und Fakten abwägt.

Zu oft stehen Fakten im Fokus

Aber unsere Reisebranche in ihrer Breite bebildert allzu dominant die (technischen) Fakten und das seit jeher deskriptiv, nicht inspirativ. Als verkaufe die Touristik die Ausstattung und nicht das Lebensgefühl. Sie bebildert die Wünsche. Die sind stets eher praktischer Natur, dabei geht es ums Zimmer, den Blick vom Balkon, die Ausmaße des Pools.

Dabei ist es ein unermessliches Branchen-Plus, sinnbildlich Glück, Entspannung und schöne Erinnerungen im Regal zu haben. Wer auch das in seiner Optik widerspiegelt, gewinnt. Die Website zum Beispiel von Designreisen ist ein gutes Beispiel dafür. Sehnsüchte stehen immer für das große Ganze. Sie lassen sich wunderbar inspirativ bebildern – übrigens bis hinein in die Hoteloptik, Häuser aus dem Top-Segment machen es vor.

Es ist leicht, sich abzuheben

Reisebüros können sich mit dem Visual Storytelling der eigenen Website, des Facebook- oder Instagram-Auftritts sehr leicht positiv vom Branchendurchschnitt abheben, ohne dass dafür ein größeres Investment notwendig ist. Nur den Blick fürs Bild muss man trainieren.

Warum inspirative Optik so wichtig ist? Weil es dem Kunden sofort in sein kurzes Aufmerksamkeitsfenster hinein signalisiert, dass er genau hier, in diesem Büro und bei diesem Anbieter in seinen Sehnsüchten verstanden und bei seinen Träumen abgeholt wird und deshalb genau richtig ist.

Wer bewusst solche Bilder für den eigenen Auftritt auswählt, steht in der Wahrnehmung auf Anhieb besser da als zwei Drittel des Wettbewerbs – und kann im nächsten Schritt sein Visual Storytelling vertiefen: mit klar definierter Bildsprache mit Wiedererkennungswert. Mit Bildern, die ganz viele Herzchen auf Instagram bekommen würden – und Buchungen im richtigen (Geschäfts-) Leben.

P.S.: Helge Sobik ist von einer Branchenjury gerade zum dritten Mal zum „Reisejournalist des Jahres“ gewählt worden. Er ist Autor von über 30 Büchern und gibt Seminare und Coachings für Reisebüros, Veranstalter und Hotels. Infos und Kontakt unter www.sobikpress.com.

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