
Nach der gestrigen Razzia bei Unister sowie der Festnahme von Geschäftsführer Thomas Wagner und eines weiteren Top-Managers wehrt sich das Unternehmen nun öffentlich gegen die Vorwürfe der unbefugten Geschäftstätigkeit und Steuerhinterziehung. Unister führt die Probleme auf eine unterschiedliche rechtliche Bewertung eines Produkts zurück.
„Je nachdem, ob man unser Produkt als Nebenleistung zur Reisevermittlung oder als Versicherung wertet, resultieren daraus unterschiedliche steuerliche Folgen“, heißt es aus Leipzig. Unister stehe diesbezüglich schon seit geraumer Zeit in Kontakt mit der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin). Anlässlich der Durchsuchung bei Unister habe die Bafin gestern mitgeteilt, dass „sie unser Produkt als Versicherung und nicht wie wir als Nebenleistung zur Reisevermittlung werten und untersagen will“.
Unister nehme den Vorwurf „sehr ernst“, empfinde das Vorgehen der Untersuchungsbehörden aber als „unverhältnismäßig“, da der Sachverhalt bereits im vergangenen Jahr „offen gegenüber den Behörden kommuniziert wurde“ und die Rechtsfrage nach wie vor ungeklärt sei.
Genau dies halten Insider dem Unister-Chef vor: Wagner agiere immer wieder in rechtlichen Grauzonen und handle, bevor bestimmte Rechtsfragen geklärt seien. Laut Polizei-Ticker der Leipziger Volkszeitung hatten gestern rund 130 Ermittler die Geschäftsräume von Unister in der Leipziger Innenstadt sowie diverse Wohnungen untersucht, Unister-Mitarbeiter konnten zeitweise nicht weiterarbeiten. Bei den Ermittlungen geht es unter anderem um Reiserücktrittsversicherungen, die über Seiten wie Ab-in-den-urlaub.de, Reisen.de und Fluege.de angeboten wurden. Für den Vertrieb der offensichtlich selbst produzierten Policen habe Unister keine Genehmigung gehabt, heißt es.



