Kunterbunter Karneval

In Kapstadt geht die Neujahrs-Party am 2. Januar weiter – noch farbiger und viel lauter als an Silvester. Foto: hb

Das Herz des Bo-Kaap schlägt heute erregt, ungestüm und laut. Es wird angetrieben von Rhythmen, die dem Körper keine Pause gönnen. Die Terrassen und Balkone sind voller Menschen, auf den Straßen des Viertels drängen sich die Leute. Anfangs lässt sich die Musik der Spielzüge noch unterscheiden. Doch wenn die Gruppen antreten, um sich gegenseitig aus dem Takt zu bringen, verschmilzt alles zu einem treibenden, ohrenbetäubenden Tutti.

Der 2. Januar ist wirklich kein normaler Tag in Kapstadt: Man feiert das „Tweede Nuwe Jaar“, das zweite Neujahr. Da wird von morgens früh bis abends spät getanzt, gesungen, geschauspielert, gelacht und geschäkert. „Die Parade ist ein wichtiger Teil der Geschichte der Stadt“, sagt Muneeb Gambeno, Chef der Kaapse Klopse Karnival Association. „Deswegen erhalten wir sie bis heute am Leben.“

Die größte Silvester-Party der Stadt steigt am Hafen auf dem Gelände der V & A Waterfront: Hier gibt es Live-Musik, Shows und Zirkuseinlagen – und am Ende ein großes öffentliches Feuerwerk. Nach einem Tag Pause geht es dann weiter, mit Trillerpfeifen und Trompeten, Regenschirmen und Rambazamba. Wenn die Spielzüge der Cape Town Minstrels, die man auf Afrikaans Kaapse Klopse nennt, durch die Stadt ziehen, steht in Südafrikas ältester Metropole alles still. Vom früher multi-ethnischen Viertel District Six, das die Apartheid-Regierung einst schleifen ließ, bis ins schmucke Bo-Kaap verläuft die Strecke der Parade.

Seinen Ursprung hat das Spektakel in der Kolonialzeit. „Nur an einem einzigen Tag im Jahr gab man den Sklaven die Freiheit, sich auszutoben – einen Tag, nachdem die Herren den Beginn des neuen Jahres gefeiert hatten“, erzählt Fagmie Solomons.

Der 61-Jährige lebt mit seiner Familie im Bo-Kaap. Dass er jetzt mitläuft, ist Ehrensache: „Nach der Abschaffung der Sklaverei blieben unsere Vorfahren weiter abhängig. Für sie war Tweede Nuwe Jaar immer ein Tag der Befreiung.“ Bis heute ist die Prozession – die „Cape Town Street“-Parade – das wichtigste Fest für die Farbigen am Kap.

Eine Truppe Spielleute nach der anderen zieht vorbei. Mal wirkt der Auftritt wie eine Militärparade, dann wie ein Karnevalsverein. Die Tambourmajore lassen ihre Trommler zwar mit eiserner Präzision marschieren. Doch statt Gala-Uniform oder Tarnfleckenmuster tragen die Musiker nun Kostüme in schrillen Farben – je irrer, desto besser.

Hinter den Clowns und Travestiedarstellern folgen Tanzmariechen in Petticoats und Glanzstrumpfhosen. Ihnen folgen die Blasmusik-Formationen. Und zwar mit allen zur Verfügung stehenden Pauken und Trompeten (und Posaunen, Hörnern, Tuben, ein paar Banjos und natürlich allerlei Schellen und Schlaginstrumenten). 60 Gruppen, 13.000 Teilnehmer, 100.000 Zuschauer: Es ist ein Höllenspektakel.

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