Indien: Bangalores Innenansicht

Der bunte Circle-Maramma-Tempel in Malleshwaram
Der bunte Circle-Maramma-Tempel in Malleshwaram. Foto: cb

Mit einem „Computer-Inder“ durch die Metropole

Die Plätze, an die Arun Pai Besucher des südindischen Bangalore führt, sind ungewöhnlich. Auf der Fahrt vom 40 Kilometer außerhalb der Hauptstadt des Bundesstaates Karnataka gelegenen Flughafen stoppt er an einem Kreisel im Vorort Malleshwaram. Dort überrascht der hinduistische Circle-Maramma-Tempel mit farbenfrohen Figuren.

Noch besser kommt es im Vyalikaval-Viertel mitten in der Sechs-Millionen-Stadt: Hinter rot blühenden Feuerbäumen reiht sich im etwa zwei Fußballfelder großen Dhobi Ghat Wäscheleine an Wäscheleine. In einem großen, von Bottichen umgebenen Becken tauchen Männer immer wieder Hemden und Tücher ins seifige Wasser. Ein anderer kurbelt an einer großen Mangel. Kein Wunder, denn Dhobi Ghat ist eine Wäscherei, die nicht mit Elektrizität, sondern nur mit Menschenkraft betrieben wird. Sogar Hotels lassen dort waschen, erklärt Arun staunenden Gästen. Die können sich kein Leben ohne Waschmaschine vorstellen und fotografieren eifrig die im Wind flatternde bunte Wäsche.

„Dennoch ist Bangalore eine moderne Stadt“, informiert Arun. Hier gab es zuerst in ganz Indien Elektrizität, arbeitete lange die einzige Telefonfabrik des Subkontinents, begann in den 60er Jahren der Weg der indischen Raumfahrt ins All. Mit der Liberalisierung der 80er Jahre startete die Elektroindustrie durch.

Auch Arun hat in seiner Heimatstadt studiert und war anschließend als „Computer-Inder“ viel im Ausland tätig. In der Kirche der Heiligen Dreieinigkeit frönt er seiner Leidenschaft für Geschichte und weist auf eine Wandtafel zur Erinnerung an die Vierten Queens Husaren, die von 1896 bis 1899 in der indischen Gartenstadt stationiert waren. Zu ihnen zählte auch der Unterleutnant Winston Churchill, später britischer Premierminister und 1953 Literatur-Nobelpreisträger. „Churchill schrieb hier seine ersten beiden Bücher“, zeigt Arun ihn auf einem alten Foto.

Kolonialarchitektur ist in Bangalore sehr gegenwärtig, im Botanischen Garten oder beim Obersten Gericht nebenan. Arun hat auch Edmund Stoiber auf dessen letzter Fernreise als Ministerpräsident die Stadt gezeigt. Beim Blick auf das Portal des Regierungspalastes gegenüber grinst er: „Regierungsarbeit ist Gotteswerk“, steht dort.

„Das hier ist das neue Indien“, präsentiert Arun den Embassy Golf Links Business Park, der seit sechs Jahren wächst und wächst. Davor grasen Kühe. Der New-York-Times-Kolumnist Thomas Friedman habe hier Golf gespielt und an Loch eins Microsoft und IBM anvisiert, so Arun. Das habe ihn zu seinem Weltbestseller „Die Welt ist flach“ über die Folgen von Internet und Globalisierung inspiriert. Die größten Niederlassungen von Cisco, General Electric und IBM außerhalb der USA säßen in Bangalore.

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