Auf der Durmitor-Ringstraße durch den Nationalpark

Ein rotes Vorhängeschloss mit Herzsymbol hängt im Vordergrund vor einer tiefen Schlucht mit einem türkisfarbenen Fluss und bewaldeten Berghängen im Tal.
Wundervoller Blick auf die Tara. Foto: uf


Die Durmitor-Ringstraße führt durch eine der spektakulärsten Berglandschaften Montenegros. Schroffe Gipfel, tiefe Schluchten und einsame Hochebenen machen den rund 80 Kilometer langen Roadtrip zu einem besonderen Erlebnis.

Mitten in den scheinbar endlosen und wilden Weiten des Durmitor-Nationalparks winkt plötzlich ein älterer Mann am Straßenrand. Keine Siedlung, keine Bushaltestelle, kein anderes Auto in Sicht. Als die ­Urlauber anhalten, steigt er lächelnd ein und nimmt auf der Rückbank Platz – so, als wäre es das Normalste der Welt.

Eine Mitfahrgelegenheit mitten im Nirgendwo

Wie lange der Mann mitten im Nirgendwo ­gewartet hat und wohin er möchte, bleibt sein Geheimnis. Eine Unterhaltung kommt nicht zustande: Er spricht kein Englisch, der Google-Übersetzer hilft nicht weiter. Also geht die Fahrt schweigend durch die beeindruckende Bergwelt Montenegros weiter.

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Ein blauer Hintergrund mit weißem Text, der einen Zeitraum vom 7. bis 18. September, Angebote für Kinder und Stornierungen sowie einen Button enthält.

Etwa 20 Minuten später signalisiert der Passagier, aussteigen zu wollen. Er nickt zum Abschied, lächelt – und steigt kurzerhand in ein entgegenkommendes Auto um. In einer Region, in der Dörfer weit auseinanderliegen und nur wenige Fahrzeuge unterwegs sind, scheinen spontane Mitfahrgelegenheiten bis heute selbstverständlich zu sein.

Unterwegs auf einer der schönsten Panoramastraßen Montenegros

Die Begegnung mit dem älteren Herrn bleibt ­eine der wenigen an diesem Tag im Mai. In der Vorsaison sind nur wenige Reisende auf der Durmitor-Ringstraße unterwegs, die zu den schönsten Panoramastraßen des Balkans zählt. Gerade das macht ihren Reiz aus.

Eine weite Berglandschaft mit felsigen Gipfeln, Schneeresten, einer grünen Hochebene und einem geschwungenen Feldweg, der an kleinen Steinhütten vorbeiführt.
Unterwegs auf der Durmitor-Ringstraße gibt es viel zu sehen. Foto: uf

Die durchgängig asphaltierte Straße ist im Winter wegen der Witterungsverhältnisse meist gesperrt. Teilweise verläuft sie schmal, kurvig und unübersichtlich, daneben fallen die Hänge mehrere Hundert Meter steil ab. Weil an diesem Tag kaum Verkehr herrscht, bleibt immer wieder Zeit für unzählige spontane Fotostopps. Hinter jeder Kurve eröffnet sich ein neuer Blick auf schroffe Gipfel, weite Hochebenen und tiefe, grüne Täler.

Gut vorbereitet geht’s los

Ausgangspunkt für den rund 80 Kilometer langen Roadtrip rund um das Durmitor-Massiv ist das auf etwa 1.450 Metern gelegene Städtchen Zabljak. Da es unterwegs weder Tankstellen noch nennenswerte Einkehrmöglichkeiten gibt, sollten Reisende hier Proviant und Kraftstoffvorräte einkaufen.

Doch bevor es auf die Ringstraße geht, lohnt sich ein Abstecher über eine Schotterpiste zu einem der beliebtesten Aussichtspunkte des Nationalparks. Den Curevac erreicht man nach einer rund 30-minütigen Wanderung und etwa 200 Höhenmetern. Oben angekommen öffnet sich der Blick auf die Tara-Schlucht.

Die Tara-Schlucht: Europas tiefster Canyon

Mit 1.333 Metern Tiefe gilt sie als tiefste Schlucht Europas und als zweittiefste der Welt. Tief unten windet sich der stürkisfarbene Fluss Tara durch die Felsen. Wegen seines außergewöhnlich klaren Wassers trägt er auch den Beinamen „Träne Europas“. Wer mag, überquert die Schlucht per Zipline oder startet zu einer Rafting-Tour – an diesem kühlen Tag allerdings keine verlockende Option.

Ein großer, rechteckiger Holzrahmen steht in einer Berglandschaft und rahmt den Blick auf den schneebedeckten Gipfel des Berges Prutaš in Montenegro ein.
Fotomotive gibt es überall. Foto: uf

Zurück auf der Ringstraße führt die abenteuerliche Strecke vorbei am kleinen Weiler Bosaca, dem höchstgelegenen dauerhaft ­bewohnten Dorf des Balkans. Meter um Meter schraubt sich die Straße bergauf, bis sie den Pass zwischen dem Veliki und dem Mali Stuoc erreicht. Mit 1.952 Metern ist er der höchste Punkt des Durmitor-Rings.

Zwischen grünen Wiesen und schroffen Felsen

Je weiter die Route führt, desto karger wird die Landschaft. Saftig grüne Wiesen weichen schroffen Felsformationen, darüber ragt der Gipfel des 2.393 Meter hohen Prutas in den Himmel. Seine markanten imposanten Gesteinsschichten erzählen von den gewaltigen Kräften, die das Durmitor-Massiv über Millionen Jahre geformt haben.

Die letzte Etappe führt vorbei an der Sedlena Greda, dem sogenannten Sattel der Götter, und über den Pass Sedlo. Von hier starten zahlreiche Wanderrouten unter anderem der Weg zum 2.523 Meter hohen Bobotov Kuk, dem höchsten Gipfel des Durmitor.

Schließlich geht es nur noch bergab zurück nach Zabljak. Im Gepäck bleiben unzählige Fotos – und die Erinnerung an eine Landschaft, die mit jeder Kurve spektakulärer wird. Und an einen ­älteren Mann, der mitten im Nirgendwo auf eine Mitfahrgelegenheit wartete.


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Durmitor-Nationalpark


Der Nationalpark liegt im Nordwesten Montenegros, etwa zwei Stunden von der Hauptstadt Podgorica entfernt. Er wurde 1952 gegründet und zählt seit 1980 zu den Unesco-Weltnaturerbestätten. Namensgeber ist das Durmitor-Gebirge. 48 Gipfel des Gebirges sind höher als 2.000 Meter. Die höchste Erhebung ist der Bobotov Kuk (2.523 Meter). Im Nationalpark sind mehr als 1.600 Pflanzen-, zahlreiche Säugetier- und Vogelarten heimisch. In den Wälder leben unter anderem Braunbären und Wölfe.

Weitere Infos: montenegro.travel/de