Ayvalik: Dornröschen wacht auf

Gemütlich und lebendig: die Altstadt von Ayvalik
Hügel und Buchten prägen die Landschaft rund um die Stadt. Fotos: Kuhs

Es ist, als sei Ayvalik vor rund 20 Jahren in einen Dornröschenschlaf gesunken. Damals blühten Urlaubsorte wie Antalya und Side auf, das pittoreske Ayvalik dagegen geriet in Vergessenheit. In dem Städtchen wucherten leer stehende Häuser zu, Bauten aus osmanischer Zeit verschwanden hinter dichtem Grün.

Nun wird Dornröschen langsam wieder wach: Das Städtchen Ayvalik entdeckt sich mitsamt der umliegenden Region für Urlauber aus dem Ausland – und ist dabei ebenso authentisch wie wunderschön.

In den Gassen der Stadt herrscht geschäftiges Treiben: Schuhputzer polieren eifrig die Treter ihrer Kunden, Männer stehen mit Zigaretten an den Straßenecken, plaudern und lachen. Die wenigen europäischen Touristen können sich treiben lassen und werden schnell Teil des Alltagslebens. Niemand beachtet sie besonders, aber wenn sie das Gespräch suchen, stoßen sie auf große Freundlichkeit.

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Mokka in Ayvalik

Mehmet Gülümser stammt aus Izmir und arbeitet als Fremdenführer. „Viele Türken aus den Großstädten haben in Ayvalik Sommerwohnungen“, sagt er. „Das Klima hier ist sehr angenehm, es ist immer ein wenig kühler als zum Beispiel in Antalya.“ Wichtigster Wirtschaftszweig der Region ist der Olivenanbau, rund 2,5 Millionen Bäume sind rund um Ayvalik gepflanzt. „Zehn Prozent des Olivenöls, das jährlich in der Türkei produziert wird, stammen aus Ayvalik“, sagt Gülümser.

Auch deshalb sind in dieser Region nahezu überall Traktoren unterwegs. Männer tuckern mit Frau und Kind zu ihrer Plantage, zum Wocheneinkauf oder zum Verwandtenbesuch – die Fahrzeuge mit ihren dicken Reifen können die rumpeligen Kopfsteinpflastergassen von Ayvalik oder der dazugehörigen Halbinsel Cunda am besten überwinden.

An den Promenaden reihen sich Cafés aneinander, man trinkt Chai oder Mokka. Den stampft zum Beispiel Ferid im Lokal „Tas Kahve“ an der Promenade von Cunda, nicht weit von Ayvalik entfernt. Jeden Tag zermahlt er dort mit einem 25 Kilo schweren Stößel die Bohnen, bis zu zehn Stunden lang, er tut das mit ernster Gelassenheit und viel Hingabe.

Raki auf Cunda

Auf der Halbinsel Cunda schlägt das Herz ein bisschen langsamer als in Ayvalik. Geselligkeit wird hier noch größer geschrieben: Davon zeugen nicht nur die unzähligen Stühle in sämtlichen Farben und ‧Formen, die überall in dem Örtchen zu finden sind. Man sitzt auch auf Mäuerchen oder dem Bordstein gerne beisammen und plaudert über das Leben, füttert die streunenden Katzen oder hockt auch einfach nur schweigend nebeneinander und raucht.

Abends gibt es leckere Meze, Vorspeisen, die frisch sind und so köstlich, dass man sich das Hauptgericht sparen möchte. Dazu gibt es einen Wein aus lokalem Anbau oder einen Raki. Die Region ist sehr liberal, auch was die Ausübung der Religion betrifft: In der Moschee trifft man sich und betet gemeinsam, doch ein Gläschen Raki darf es trotz des Alkoholverbots im Islam hin und wieder auch mal sein.

Ayvalik in Kürze
Ayvalik liegt an der nördlichen Ägäisküste, etwa in Höhe der griechischen Insel Lesbos. Flughafen ist Izmir, etwa zwei Autostunden entfernt. Rund 40 Kilometer von Ayvalik befindet sich der Regionalflughafen Edremit Körfez, der von der Turkish-Airlines-Tochter Anadolu Jet sowie von Germania und Pegasus angeflogen wird. Rund um Ayvalik gibt es zahlreiche Strände, Wandergebiete und kulturelle Highlights. Zu ihnen gehören die Ausgrabungen von Pergamon. Mit einer Seilbahn geht es dort hinauf auf den 335 Meter hohen Berg, auf dem sich die antike Stätte befindet.

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