Burgund: Schleusen und Schlückchen

Ein Magnifique-Hausboot von Le Boat hält auf die Rochers du Saussois im Burgund zu – entspannter kann man einen Urlaub kaum verbringen. Foto: cb

Eine kurze Einweisung und Probefahrt an der Le-Boat-Basis in Chatel Censoir am Canal du Nivernais, dann beginnt die Hausboot-Entdeckungsreise durch Burgund mit der ersten Schleuse. Die Aufgabenteilung spielt sich schnell ein: Der Kapitän bleibt am Steuer, zwei Mitfahrer auf Vorder- und Hinterdeck sichern mit Tauen an den Pollern und der vierte hilft dem Schleusenwärter beim Kurbeln. Obwohl das, auf zwölf Stundenkilometer gedrosselte, führerscheinfreie Boot mit dem Fahrrad auf dem Treidelweg nicht mithalten kann, scheinen die 50 Meter hohen Kletterfelsen Rochers du Saussois nur so vorbeizufliegen. Häufiger anhalten und kurze Strecken sind eine gute Idee zum Erkunden der Attraktionen beider Ufer.

Aufregend verläuft am nächsten Tag die Begegnung mit der Hotelbarke Luciole. Das Acht-Kabinen-Schiffchen mit Wifi an Bord wirkt auf dem Freizeitkapitänen vorbehaltenen Wasserweg riesig. Unbeschadet passieren wir die Schleuse von Mailly-la-Ville, neben der Yves Varanguins kleine Flussjungfrau die Vereinigung des Nivernais-Kanals mit dem Fluss Yonne markiert. Bis 1922 wurde vier Jahrhunderte lang Holz der Wälder von Morvan bis nach Paris geflößt.

Am Hang über der Yonne in Bailly wartet ein Drive-in. Eine riesige Höhle entstand, wo seit dem 15. Jahrhundert Kalkstein abgebaut und bis nach Paris verschifft wurde. Im Zweiten Weltkrieg nutzte die deutsche Wehrmacht das Höhlensystem als Waffenbunker. Nach einem Zwischenspiel mit Pilzzucht, reift dort heute die Winzergenossenschaft Lapierre ihren Crémant, der keinen Vergleich mit Champagner scheuen muss.

Das liege unter anderem an den zwei Gärungen, erläutert Silvia, eine Schweizerin mit deutschen Eltern, bei der Führung durch die Gewölbe. Neben den riesigen Edelstahltanks, Rüttelmaschinen und gestapelten Flaschen sind dort vor der Sektprobe Steinskulpturen als Resultat eines Bildhauer-Wettbewerbs zu bewundern.

Nach den Schlückchen noch ein Stückchen mit dem Hausboot, dann ragen die Kirchtürme von Auxerre vor uns auf. Hoch oben auf der Brücke kehrt Paul Bert, ein 1866 in Hanoi verstorbener Mediziner und Politiker, seiner Heimatstadt den Rücken zu. Obwohl Frankreich ihm das kostenfreie staatliche Schulwesen verdankt, entgeht dem einstigen Bildungsminister das Postkarten-Panorama des ehemaligen Bischofssitzes an der Yonne.

Besonders sticht Burgunds bedeutendste gotische Kathedrale Saint-Etienne hervor. Innen wirkt der Bau aus dem 13. bis 16. Jahrhundert mit unvollendetem Südturm ungemein hell und filigran.

Wer alle Sehenswürdigkeiten der gepflegten Fachwerk-Stadt erkunden möchte, braucht nur den im Pflaster eingelassenen „Cadet Roussel“-Messingtafeln zu folgen. Krönender Höhepunkt ist Auxerres Wahrzeichen, ein prächtiges Stadttor mit Schiefertürmen und einer Uhr von 1483, die sogar den Stand von Sonne und Mond anzeigt.


Frankreich per Hausboot

Die TUI-Tochter Le Boat hat zehn französische Regionen im Programm, darunter die Bretagne, das Loire-Tal und Burgund. Letzteres können Hausboot-Urlauber bei Drei-, Vier oder Sieben-Nächte-Reisen erkunden sowie bei einer ein- bis zweiwöchigen „Wein- und Käse-Tour“. Einsteigern empfiehlt Le Boat die Camargue, da es dort nur wenige Schleusen gibt. Infos unter www.leboat.de.

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