Die Wunder des Tuffsteins

Bis zu 100 Ballons gehen täglich über dem Örtchen Göreme in die Luft.
Bis zu 100 Ballons gehen täglich über dem Örtchen Göreme in die Luft. Foto: mg


Kappadokien fasziniert mit bizarren Felsformationen, verborgenen Kirchen und unterirdischen Städten. Zwischen Höhlenhotels, Ballonfahrten und uralten Zufluchtsorten zeigt sich eine Landschaft, in der Natur und Kultur auf einzigartige Weise verschmelzen.

Die Augen von Suleyman Akcali glänzen. Vor 35 Jahren begann er in Izmir als Reiseleiter zu arbeiten, heute ist er Chef der Gruppenabteilung der Incoming-Agentur Diana Travel in Antalya. Damit sitzt er mehr im Büro als durchs Land zu reisen. „Dabei liebe ich es, die Türkei hautnah zu erleben“, sagt Akcali.

Spezielle Gruppen betreut er deshalb immer noch selbst. Und wenn er dann nach Kappadokien kommt, geht sein Herz auf. „Das ist eine der schönsten und spannendsten Landschaften, die ich kenne. Eine Landschaft voller Kunst und Kultur – und voller Wunder.“

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Luftaufnahme der Küstenregion Kekova bei Antalya mit Booten im türkisfarbenen Wasser, überlagert mit dem Logo der anex gruppe und Textbausteinen.

Erosionen wie Kunstwerke

Letztere haben mit der Geologie zu tun: Die Oberfläche Kappadokiens besteht aus gehärteter Vulkanasche und ist durchlöchert wie ein Schweizer Käse. Das passierte durch Menschenhand: Der Tuffstein ist nur an der Oberfläche hart, weiter unter kann er nicht nur leicht bearbeitet werden, sondern speichert auch die Wärme.

So entstanden – vor allem durch die jahrhundertelange Verfolgung der Christen durch Römer und Araber – in einer 200 mal 150 Kilometer großen Region 200 unterirdische Städte, über 2.000 versteckte Kirchen und Klöster sowie Tausende Höhlenwohnungen. „Diese Schätze hier, das fasziniert mich immer wieder“, sagt Akcali, der nach einer KFZ-Lehre in Frankfurt am Main in der Türkei Archäologie und Kunstgeschichte studierte.

Hinzu kommen Erosionen, wie sie kein Künstler hätte schöner gestalten können. Die bizarren Felsformationen erinnern nicht selten an den US-Bundesstaat Utah – sind hier aber auf engstem Raum beieinander. Kegel, Türme und so genannte Feenkamine, malerische Wadis, großartige Farben: Das felsige Herz Kappadokiens ist eine fantastische Märchenwelt.

Avanos ist das Zentrum der Keramik in Kappadokien.
Avanos ist das Zentrum der Keramik in Kappadokien. Foto: mg

Zentrum des Ganzen ist Göreme. Hier, aber auch in Orten wie Uchisar, Ürgüp und Orthisar, können Urlauber in Cave-Hotels wohnen. Viele der von den Einwohnern verlassenen Höhlen wurden mit Natursteinhäusern ergänzt, modern ausgebaut und bieten nun einzigartige, wenn auch nicht immer preiswerte Unterkünfte.
In dieser Hinsicht ist der Tourismus ein Segen für die Region. Viele verfallene Ortschaften werden wiederbelebt, neben Hotels entstehen immer mehr Geschäfte und Restaurants.

Aufregende Unterwelt

Hautnah erleben kann man die felsige Märchenwelt bei kleinen Wanderungen durch diverse Täler der Region und im Open-Air-Museum von Göreme, auf Rundfahrten mit Bussen und Mietwagen, per Fahrrad und Heißluftballon.

Die Fahrt durch die Lüfte ist spektakulär: Jeden Morgen gehen im Sommer bis zu 100 Ballons in die Luft, ein Anblick, der vielen Gästen den Atem raubt. Von oben wird es dann noch besser: Der Blick auf die Felsen von Uchisar, das Pigeon Valley, Wadis und Obstgärten ist unfassbar.

Stunden später geht es in der unterirdischen Stadt Kaymakli in eine Unterwelt, in der sich bis zu 3.000 Menschen vor Feinden in Sicherheit bringen konnten. Wasser sammelte man in Zisternen, Toiletten wurden immer wieder neu angelegt und dann zugeschüttet. Bis zu 20 Meter tiefe Schächte sorgten für Frischluft, Öllampen für Licht. Reiseleiter Akcali findet auf alle Fragen seiner Gruppe eine Antwort. Nur bei einer scheitert er: Warum eine der Städte ausgerechnet „Quarksahne“ heißt, ist auch ihm ein Rätsel.