Eine Runde, fünf Flüsse

Haben Sie schon mal was vom Fünf-Flüsse-Radweg gehört? Nein? Dabei ist die 320 Kilometer lange Tour an Pegnitz, Vils, Naab, Donau und Altmühl eine wunderbare Art, Mittelfranken und die Oberpfalz kennenzulernen.

Blick über einen kopfsteingepflasterten Platz auf eine mittelalterliche Häuserzeile mit hohen Giebeln in Lauf an der Pegnitz. Im Vordergrund sieht man einen Tisch eines Cafés. Der Himmel ist blau.
Das hübsche Städtchen Lauf an der Pegnitz lädt zu einer Pause ein. Foto: ah

Tag 1 ∙ Nürnberg – Sulzbach-Rosenberg, 62 Kilometer

Man könnte denken, eine Radtour entlang von fünf Flüssen beinhaltet keine größeren Steigungen. Das stimmt zumindest beinahe. Zum gemütlichen Einradeln führt der Weg zunächst eben aus der Altstadt von Nürnberg heraus ostwärts entlang der Pegnitz durch grüne Auen. Im hübschen Städtchen Lauf an der Pegnitz, dessen langgezogener Marktplatz mit dem Alten Rathaus in der Mitte durch zwei Stadttore begrenzt wird, machen wir Station. An diesem Samstagvormittag findet dort der Wochenmarkt statt. Es ist jede Menge los, Leute grüßen sich, zur Musik eines Akkordeonspielers tanzt ein kleines Mädchen. Hinter Hersbruck verlassen wir die Pegnitz – und der Anstieg beginnt. Denn um zu unserem nächsten Fluss zu kommen, müssen wir die Europäische Hauptwasserscheide auf 480 Metern Höhe überqueren. Über die Abfahrt kann ich mich nur kurz freuen, denn unser Etappenziel, Sulzbach-Rosenberg, liegt wiederum auf einem Hügel. Einem sehr steilen Hügel. Ich steige ab und schiebe.

Tag 2 ∙ Sulzbach-Rosenberg – Rieden, 33 Kilometer

Kurz hinter Sulzbach-Rosenberg erreichen wir den zweiten Fluss, die Vils. Es fängt an zu regnen. Da wir heute nur eine kurze Etappe haben, müssen wir etwas Zeit totschlagen. Bei dem Wetter gar nicht so einfach. Da kommt uns Amberg gerade recht. Wir bummeln in unserer Regenkluft durch die fast vollständig erhaltene mittelalterliche Altstadt, schauen uns die „Stadtbrille“ an, einen zweibogigen Wassertorbau über der Vils, steigen hoch zum Kloster Mariahilf und landen schließlich in einem ­Café. Die letzten Kilometer fahren wir auf einer ebenen einstigen Bahnstrecke mit gutem Belag nach Rieden, die Räder drehen sich fast von allein.

Tag 3 ∙ Rieden – Regensburg, 51 Kilometer

Im beschaulichen Städtchen Kallmünz mündet die Vils in die Naab. Foto: ah

Der Weg führt weiter durch das Tal der Vils, mitten hindurch durch blühende Blumen­wiesen und Rapsfelder, über Alleen und an kleinen Kapellen vorbei. Das beschauliche Kallmünz mit seiner mächtigen Steinbrücke und seinen bunten Fassaden am Fluss lädt zu einer Pause ein. Weit oben thront die Burg­ruine auf einer steilen Felsklippe. In Kallmünz mündet die Vils in die Naab, unser dritter Fluss. Im Klosterladen des Klosters Pielenhofen kaufen wir belegte Brötchen und setzen uns ans Flussufer. Wenig später kommen wir zum nächsten Zusammenfluss: Kurz vor Regensburg mündet die Naab in die Donau, Fluss Nummer vier. Der erste Blick auf den Dom der zum Unesco-Welterbe zählenden Stadt ist ­einer der Höhepunkte der heutigen Strecke.

Tag 4 ∙ Regensburg – Riedenburg, 54 Kilometer

Von Regensburg aus folgen wir der Donau. Der Radweg führt durch die ruhige Flusslandschaft bis nach Kelheim. Wegen des niedrigen Wasserstands ist ein Abstecher mit dem Schiff durch den Donaudurchbruch zum Kloster Weltenburg nicht möglich. Stattdessen steigen wir in Kelheim zur imposanten Befreiungshalle hinauf. Das Baudenkmal aus dem 19. Jahrhundert wurde im Auftrag des bayerischen Königs Ludwig I. gebaut und erinnert an die siegreichen Schlachten gegen Napoleon. In Kelheim verlassen wir die Donau schon wieder und folgen nun dem Lauf der Altmühl, die auf ihren letzten 34 Kilometern bis zur Mündung in die Donau zum Main-Donau-Kanal ausgebaut wurde. Kurz vor unserem Etappenziel Riedenburg wartet noch ein Highlight auf uns: der Tatzelwurm, eine wegen ihrer Form nach dem Fabeltier benannten Holzbrücke über den Main-Donau-Kanal.

Tag 5 ∙ Riedenburg – Neumarkt in der Oberpfalz, 60 Kilometer

Wir folgen dem Radweg durch das landschaftlich attraktive Altmühltal bis nach Beilngries mit seinen mittelalterlichen Türmen. Hier verlässt der Radweg die Flusstäler und führt über weite Strecken entlang des historischen Ludwig-Donau-Main-Kanals. Die Atmosphäre ist beinahe verträumt, mal führt der Kanal durch den Wald, mal über Felder, Enten schwimmen auf dem Wasser. Erst vor Neumarkt in der Oberpfalz wird es geschäftiger.

Frau in roter Jacke und blauem Fahrradhelm steht hinter einem Fahrrad mit lila Packtaschen. Im Hintergrund sieht man einen dunkelgrünen ruhigen Fluss, an dessen anderem Ufer graue Kalkfelsen in einem Wald aufragen. Der Himmel ist bedeckt.
Das hübsche Städtchen Lauf an der Pegnitz lädt zu einer Pause ein. Foto: ah

Tag 6 ∙ Neumarkt in der Oberpfalz – Nürnberg, 50 Kilometer

Auch am nächsten Tag begleitet uns der ­Ludwig-Donau-Main-Kanal. Das ist auf Dauer zugegebenermaßen etwas eintönig, weil sich an der Szenerie wenig ändert. Dass heute am Vatertag entsprechend viel los, macht das Radeln nicht unbedingt entspannter. Und so freuen wir uns, als wir schließlich zurück nach Nürnberg kommen und nach mehr als 320 Kilometern wieder auf den Hauptmarkt rollen.

Informationen zum Fünf-Flüsse-Radweg

Der Radweg ist für Einsteiger gut geeignet, die Etappen lassen sich individuell anpassen. Sportlich Ambitionierte und E-Bike-Fahrer schaffen die Tour in weniger als sechs Tagen. 
Ausführliche Informationen zu der Radtour, den Etappen, den Gastgebern und eine Tourenkarte gibt es auf der Website des Fünf-Flüsse-Radwegs. Ein Paket inklusive Übernachtungen mit Frühstück, Gepäcktransport sowie Reiseunterlagen mit Kartenmaterial kann beispielsweise über ASI gebucht werden.