Kalkstein für das Weiße Haus

Ausblick vom höchsten Berg Bracs, dem Vidova Gora
In der Steinmetzschule in Pucisca wird der schneeweiße Kalkstein bearbeitet. Fotos: aze

Die Insel von „Sonne, Stein und Meer“ will entdeckt werden: Wandern durch Olivenhaine und durch Pinienwälder, Radeln zum höchsten Berg und über die karstigen Hügel oder bequem im Auto Bergdörfer und Hafenstädtchen abbummeln. Sollen doch die Sonnenfreaks am honiggelben Strand des Goldenen Horns schmoren. Das ist zwar der unbestrittene Star unter den Stränden Dalmatiens, aber so eine Schönheit lockt auch entsprechend viel Publikum.

Herkules bewacht den Steinbruch

Ein Schild mit einem groben Keulen-Kerl weist den Weg zum antiken Steinbruch beim Hafenort Splitska. Hier bauten schon die Römer den schneeweißen Kalkstein ab, der für die über die Jahrhunderte wechselnden Eroberern von Brac Objekt der Begierde war. Der Diokletianspalast in Split entstand aus dem marmorähnlichen Gestein, auch der Berliner Reichstag, das Budapester Parlament und das Weiße Haus in Washington.

Und noch immer bewacht an senkrechter Steinwand das verwitterte Relief des Herkules die Felsen, woran auch nach rund 1.800 Jahren die Abbauspuren noch gut zu erkennen sind. Der Kalkstein gilt bis heute als hochwertiges Baumaterial, und in Pucisca hat die angeblich einzige Steinmetzschule Europas ihren Sitz. So ist es nicht wirklich verwunderlich, dass kreative Marmorskulpturen selbst kleine Dörfer im Hinterland schmücken.

Zum höchsten Berg, dem Vidova Gora, geht es steil hinauf – von null auf 780 Meter. Zu Fuß eine anspruchsvolle Wanderung ab Bol, mit dem Auto eine abwechslungsreiche Strecke, teils durch ausgedehnte Kiefernwälder. Vom Gipfel belohnt der Blick über Bol mit dem Strand des berühmten Goldenen Horns tief unten hinüber zu den Nachbarinseln Hvar, Korcula und zum Festland.

Kein Wunder, dass sich Mythen um diesen spektakulären Platz ranken, wo die Felswand fast senkrecht zum Meer abfällt: Tanzten hier einst die Hexen? War es slawische Kultstätte oder den Römern ein heiliger Ort, um ihren Göttern zu opfern? Heute beobachtet hier ein Ranger vom Feuerturm die Wälder auf verdächtige Rauchzeichen.

Mehr Schwalben als Einwohner

Von all den vielen Eroberern, die im Lauf der Jahrhunderte die Insel heimsuchten, waren es vor allem die Venezianer, die ihre Spuren hinterließen. Noch immer venezianisches Flair haben besonders die Hafenstädtchen – ob Supetar, Sutivan oder Postira mit ihren Kirchen, Klöstern und Palazzi.

Herrscht in den Orten am Meer immer wuseliges Treiben, dösen die Dörfer im Inselinnern in der Sommerhitze. Ab und zu sind auch hier noch Relikte aus der Vergangenheit zu entdecken: Das uralte Skrip etwa mit seinem Kastell und den mittelalterlichen Wehrtürmen. Oder das verschlafen wirkende Nerezisca. 800 Jahre lang, bis zum Untergang des venezianischen Reiches, war es Regierungssitz. Von einstiger Größe lässt nur noch der Fürstenhof mit dem geflügelten Löwen ahnen.

Nach einem Ausflugstag locken die Strände an der Nordküste zur Erfrischung. Eine schöne Bucht zwischen Kiefernwäldern bei Postira zum Beispiel. Nicht weit entfernt liegt in engem, fruchtbarem Tal das Minidorf Dol. Hier zaubert Wirt Toni in seiner Konoba schmackhaftes Lamm oder Fisch auf dem Grill, dazu mundet bestens der hausgemachte Wein. Besser kann ein Tag kaum ausklingen.

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