Robinsonade für einen Tag

In gut zwei Stunden kann der Urlauber einmal um Lobos wandern. Foto: cd
In gut zwei Stunden kann der Urlauber einmal um Lobos wandern. Foto: cd

Spanien: Nur zwei Kilometer vor Fuerteventura liegt die unbewohnte Isla de Lobos. Das geschützte Naturreservat lockt mit türkisblauem Meer, seltenen Tieren, Vulkanlandschaft und einsamen Stränden – ein ideales Ziel für Wanderer, Badegäste und Naturfreunde.

Ganze zwei Kilometer Luftlinie liegt Lobos von Corralejo im Norden Fuerteventuras entfernt wie ein Trittstein auf dem Weg zur Nachbarinsel Lanzarote. Doch die Meerenge hat eine raue Strömung und eine fast stets hohe Dünung. Hier hinüber zu schwimmen, ist selbst für trainierte Sportler schier unmöglich.

Mit dem Boot zur Wolfsinsel

Gut zwanzig Minuten stampft das Ausflugsschiff Celia Cruz durch die türkisblauen Wogen. Den deutschen Gästen erzählt Matrose Bruno mit Schweizer Zungenschlag ein wenig von der Isla de Lobos. Zum Beispiel, dass Julio Iglesias die unbewohnte Insel angeblich einst kaufen und dort ein Kasino errichten wollte. Andere behaupten, es sei Frank Sinatra höchstpersönlich gewesen, der solche Pläne entwickelte.

Als das Boot aus der starken Strömung der Meerenge heraus ist, stellt der Kapitän für ein paar Minuten den Motor ab und wirft Brotreste ins Meer. Zu Tausenden schießen Augenblicke später die glänzend gestreiften Goldstriemen unter dem Glasboden des Bootes hindurch, Drücker- und Papageienfische gesellen sich dazu. Minuten später ist der Imbiss für die Fische verputzt und das Spektakel vorbei.

Naturreservat mit wilder Vergangenheit

Dann legt das Boot auf der Insel an. Ihren Namen Wolfsinsel hat sie von den wie Wölfe heulenden Mönchsrobben, die hier einst in großer Zahl lebten, aber seit fast einhundert Jahren ausgestorben sind. Josefina Pla, bedeutende spanische Schriftstellerin und Professorin, wurde auf der Insel geboren und muss die Meeressäuger als Kind noch erlebt haben. Eine Büste der Gelehrten wacht neben dem kleinen Naturparkzentrum über die Ausflügler.

Offiziell ist Insel heute erstens unbewohnt und zweitens streng geschütztes Naturreservat, dessen Wege man nicht verlassen darf. Eine Handvoll archaischer Fischerhäuser sind an den von Lavazungen umrahmten Lagunen von El Puertito versammelt. Man kann dort sogar in zwei sehr einfachen Restaurants zu Mittag essen – allerdings nur nach vorheriger Bestellung. Besser ist es, für den Ausflug ein Picknick mitzunehmen.

Strand oder Inselwanderung?

Zwei Möglichkeiten gibt es, die Stunden auf Lobos zu verbringen. Faulenzer und Strandfreunde erreichen nach wenigen Minuten Spaziergang den Bilderbuchstrand Playa de la Concha mit weißem Sand und glasklarem Wasser. Sportliche Naturen entscheiden sich für die Wandertour rund um die Insel. Gute zwei Stunden reine Gehzeit braucht man für den Weg und hat dann noch Zeit für ein Bad im Meer vor der Abfahrt.

Um vier Uhr nachmittags legt das letzte Boot ab. Es sei denn, man hat sich auf dem Bürgermeisteramt von La Oliva auf Fuerteventura eine Erlaubnis geholt, die Camping-Zone zu benutzen. Dann gehört einem die Insel manchmal bis zum nächsten Morgen ganz allein.

Claudia Diemar

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