Im Galopp nach Eldorado

Sabanero Raul Sanchez mit seiner unerschrockenen Begleiterin Princesa
Sabanero Raul Sanchez mit seiner unerschrockenen Begleiterin Princesa. Foto: ws

Nein, einen Jaguar fürchtet Princesa überhaupt nicht, und schon mal gar keinen Puma!“ Raul Sanchez lacht und lässt die Zügel sinken. Sein Criollo-Pferdchen stürmt geradewegs in die Gischt der Pazifikwellen, die mit ungebrochener Wucht am schwarzen Sandstrand von Carate zerren.

 Über den Dschungel ist die Dämmerung hereingebrochen, doch das aufgebrachte Meer übertönt das große Gezeter der Urwaldvögel. Wilde Schaumlinien umspülen die Hufe von Princesa. Nur ein paar Trabschritte trennt hier im Corcovado-Nationalpark den Regenwald vom Ozean. Wer mit einem Sabanero, wie man die Cowboys Costa Ricas nennt, durch den Nationalpark auf der Osa-Halbinsel reitet, fühlt sich wie die ersten europäischen Entdecker. Sie erkundeten auf dem Pferderücken das abenteuerliche Land in Zentralamerika. Die atemraubende Wildnis, die sie vorfanden, lässt sich kaum eindrücklicher erleben als mit dem Pferd.

Corcovado ist ein Eldorado für Dschungelausritte. Wer allerdings ein wahres Reitabenteuer sucht, sollte sich auch ins gebirgige Landesinnere wagen. Die Cordillera de Talamanca, der mit fast 4.000 Metern höchste Gebirgszug des Landes, ist heute Teil des Nationalparks und Unesco-Welterbes La Amistad. 

Nicht weit von der Parkgrenze liegt das private Selva-Bananito-Reservat, das von deutschen Auswanderern gegründet wurde und heute eine Öko-Lodge beherbergt. In Selva Bananito kann man die bunte Vogelwelt des Bergwalds beim Reitausflug beobachten. Allan Cruz hat im eigenen Reitstall der Lodge bereits am frühen Morgen die Pferde aufgezäumt. Der 49-jährige Costa Ricaner ist passionierter Hobby-Ornithologe. Der wache Blick des Naturführers wandert immer wieder hinauf in die Baumkronen. Dort tummelt sich schon vor Sonnenaufgang eine illustre Vogelschar: strahlend bunte Tangare, Braunhauben- und auch Weißkopfpapageien. Der Guide weiß zu vielen von ihnen eine kleine Geschichte zu erzählen.

Etwa zwei Tagesritte von hier Richtung Süden sind es auf einsamen Reiterpfaden zu dem abgeschiedenen Bribri-Dorf Yorkin direkt an der Grenze zu Panama. Es ist bis heute nur mit dem Pferd oder Kanu zu erreichen.

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„Niemand hat hier ein Auto, aber dafür mindestens ein oder zwei Pferde“, sagt Rolando Morales, „ohne sie wäre das Leben hier unvorstellbar.“ Der 24-Jährige gewährt Touristen Einblick in eine Welt, die in weiten Teilen Mittelamerikas längst verschwunden ist. Die Bribri gehören zu den letzten indigenen Völkern Costa Ricas.

In Yorkin können aufmerksame Besucher so einiges über das traditionelle Leben und den Alltag im Urwald lernen. In dem achtstöckigen Kosmos der Bribri haben die Geister von Pflanzen und Tieren ihre eigene Etage.

„Respekt vor den anderen Lebewesen ist für uns Bribri selbstverständlich“, sagt Morales, „wo Bäume und Tiere geachtet werden, ist auch der Mensch glücklich.“ Wer Costa Ricas Naturlandschaften mit dem Pferd erkundet, beginnt langsam, die Welt zumindest ein klein wenig mit den Augen der Bribri zu sehen.

Win Schumacher


Reiten in Costa Rica
Der Veranstalter Pegasus Reiterreisen hat in Costa Rica unter anderem ein zehntägiges Reitabenteuer vom Pazifik zur Karibikküste im Programm: www.reiterreisen.com. 
Auch Gateway Lateinamerika (www.gateway-lateinamerika.de) und Travel to Nature (www.travel-to-nature.de) stellen individuelle Costa-Rica-Reisen für Pferdeliebhaber 
zusammen.

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