St. Vincent: Wo liegt Happy Island?

Beliebtes Ausflugsziel deutscher Urlauber: Happy Island im Zentrum der südlichen Grenadinen.
Beliebtes Ausflugsziel deutscher Urlauber: Happy Island im Zentrum der südlichen Grenadinen.

Zwischen glitzernden Sandbänken, Hummerbooten und türkisfarbenen Lagunen führen die südlichen Grenadinen Segler zu Ankerplätzen wie aus einem Piratenfilm.

Andale macht es spannend: „Wir laufen nicht nur Happy Island an, sondern auch andere glückliche Inseln.“ Der 39-jährige Skipper lacht. Ziel der in Deutschland gebauten Bavaria-Segelyacht My Mistress sind die südlichen der 33 Inseln des seit 1979 unabhängigen Karibikstaats St. Vincent & The Grenadines.

Auf 100.000 Einwohner kommen zwar pro Jahr auch 100.000 Segler, doch die 400 Quadratkilometer Fläche bieten Platz für alle. Der Wind bläht die Segel, und die 15 Meter lange Yacht schneidet sich ins tiefblaue Wasser. Petit St. Vincent und Palm Island bleiben steuerbord liegen.

Wer will schon auf eine Resort-Insel, wenn am Horizont eine Sandbank glitzert, als sei sie eine meerhafte Fata Morgana? 1.400 Deutsche besuchen St. Vincent & The Grenadines pro Jahr, und Skipper Andale sagt: „Alle Deutschen, die bei mir auf dem Schiff waren, wollten unbedingt Happy Island sehen!“

Rumpunsch auf Happy Island

Mr. Bushman verkauft fangfrischen Hummer an Segler.
Mr. Bushman verkauft fangfrischen Hummer an Segler. Fotos: jm

Die glückliche Insel liegt bei Union Island, dem Zentrum der südlichen Grenadinen. Vor sechs Jahren posierten auf Happy Island vier Segler für ein Foto, freudestrahlend mit einem SOS-Schild. Der Umweltbeauftragte von Union, Janti Ramagi, sollte damals die Berge gegessener Conch-Muscheln beseitigen, die sich an den Stränden auftürmten.

Janti erinnerte sich an das Bild, dachte an eine SOS-Bar für Gestrandete wie die vier Segler und machte aus der Sandbank und drei Tonnen Conchs Happy Island. Heute kommen fast alle Yachten, die in der Gegend unterwegs sind, auf einen Rumpunsch oder einen Snack vorbei. Auch die Salt Whistle Bay auf Mayreau Island gehört zu den besten Ankerplätzen der Region.

Sobald eine Yacht in das weite Rund der Bucht einläuft und die Ankerkette auf den Boden rasselt, taucht Mr. Bushman auf. „Hummer gefällig? Klein oder groß?“ In jeder Hand zappelt ein Schalentier, im Rumpf des Kahns krabbeln weitere sechs Lobster.

Hummer direkt vom Boot

„Okay, 30 Karibische Dollar pro Stück, gegrillt und mit Knoblauchbutter serviert. Ist acht Uhr okay?“ Bushman verkauft seine Hummer nicht nur, sondern bereitet sie auf Wunsch auch zu. Das, so sagen erfahrene Yachties, ist weltweit einmalig.

Und trotzdem gibt es noch eine Steigerung: das Schwimmen mit Schildkröten in der unwirklich hellblauen Lagune der Tobago Cays, nur 30 Segelminuten nördlich von Mayreau. Sie ist das Wohnzimmer der Tiere, und so mancher Strand ist ihr Kinderzimmer. Im warmen Sand vergraben die Schildkröten ihre Eier.

Die Gruppe aus vier kleinen, unbewohnten Inseln wird hufeisenförmig durch das Horse Shoe Reef geschützt und kommt der hautnahen Verwirklichung eines Tapetenposters gleich. Das außerhalb des Riffs gelegene Petit Tabac könnte dagegen für jeden Inselwitz oder Piratenfilm die passende Kulisse bieten.

Kulisse für Captain Sparrow

Bösewicht Barbossa setzt in „Fluch der Karibik“ den von Johnny Depp gespielten Captain Sparrow und die hübsche Elizabeth schließlich auch auf Petit Tabac aus. Es gibt ein paar Palmen, Gestrüpp und eine weiße Sandbank, die sich wie eine Zunge ins Meer flätscht. Rundherum schimmert das Wasser in Farben von Hell- bis Tintenblau.

Und wirklich: Andale hatte recht. In den Grenadinen gibt es nicht nur ein Happy Island.

Von Jochen Müssig

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