Wer Medikamente erst am Urlaubsort kauft, sollte genau hinschauen. Das Centrum für Reisemedizin (CRM) warnt vor gefälschten oder minderwertigen Arzneimitteln, die in einigen Reiseländern deutlich häufiger im Umlauf sind als in Deutschland. Besonders betroffen seien laut Fachleuten Teile Südostasiens sowie Zentral- und Westafrikas.
Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation sind in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen im Durchschnitt 10,5 Prozent der Arzneimittel minderwertig oder gefälscht. Reisemediziner empfehlen deshalb, notwendige Dauermedikamente möglichst vollständig von zu Hause mitzunehmen und Medikamente vor Ort nur in lizenzierten Apotheken oder etablierten Gesundheitseinrichtungen zu kaufen.
Wenn Medikamente nicht wirken
Die eigentliche Gefahr liegt oft nicht in auffälligen Verunreinigungen, sondern in einer ausbleibenden oder zu schwachen Wirkung. „Viele Reisende denken bei Medikamentenfälschungen vor allem an gefährliche Inhaltsstoffe. Tatsächlich besteht das größte Risiko aber darin, dass Arzneimittel ihre therapeutische Wirkung nicht oder nur unzureichend entfalten“, erklärt Tomas Jelinek, wissenschaftlicher Leiter des CRM. Gerade bei Antibiotika könne eine unzureichende Wirkstoffmenge zudem Resistenzen begünstigen.
Besonders deutlich fällt die Warnung bei Medikamenten für Kinder aus: Sirupe unbekannter Herkunft sollten nach Angaben des CRM grundsätzlich nicht verwendet werden. Hintergrund sind Fälle schwerer Vergiftungen und sogar Todesfälle durch verunreinigte Präparate in den vergangenen Jahren.
Auch bei Tabletten gilt: Lose Ware aus Sammelbehältern ist riskanter als original verschlossene Blisterpackungen. Beschädigte Verpackungen, fehlende Beipackzettel, Rechtschreibfehler oder unklare Herstellerangaben sind zusätzliche Warnsignale. Bestehen Zweifel an Herkunft oder Qualität, sollte das Medikament nicht eingenommen und fachlicher Rat eingeholt werden.



