Sansibar boomt: Neue Premium-Resorts, steigende Nachfrage und bessere Erreichbarkeit machen die Insel zum Trendziel. Doch mit dem Wachstum wächst auch die touristische Dichte. Wie viel Boom verträgt Sansibar, ohne seinen besonderen Charakter zu verlieren?

Sansibar gehört zu den dynamischsten Destinationen im Afrika-Tourismus und wird zunehmend mit Mauritius verglichen. Einen direkten Ersatz sehen die Veranstalter jedoch nicht. „Deutlich mehr afrikanisches Flair und kulturelle Authentizität“ zeichnet Sansibar laut Martina Beeken, Direktorin von Meiers Weltreisen, aus. Gebeco-Produkt-Managerin Tanja Pulter verweist ebenfalls auf die muslimisch-afrikanische Prägung und den ursprünglichen Charakter der Insel.
Christian Böhm, Hoteleinkäufer bei Alltours, sieht ebenfalls weiteres Potenzial: „Im Vergleich zu Mauritius ist Sansibar heute noch ursprünglicher und weniger etabliert. Darin liegt aber auch ein großer Reiz und weiteres Entwicklungspotenzial. Entscheidend wird sein, dass der authentische Charakter der Insel erhalten bleibt.“ Auch Alltours hat das Portfolio auf der Insel ausgebaut.
Das Wachstumspotenzial ist groß. Julia Jurick, Produkt-Managerin bei Schauinsland-Reisen, erwartet, dass sich Sansibar in den kommenden fünf bis zehn Jahren zu einem der wachstumsstärksten Ziele im deutschen Markt entwickelt. Neben Paaren und Honeymoonern rücken Familien und zahlungskräftigere Gäste in den Fokus. Hochwertige Resorts und All-inclusive-Angebote gewinnen an Bedeutung.
Strandurlaub trifft auf Safari-Erlebnisse
Auch TUI baut das Angebot aus. Produktchef Steffen Boehnke sieht vor allem die Verbindung von Badeurlaub und Safari als wichtigen Faktor: „Die Insel lässt sich hervorragend mit Safari-Erlebnissen verbinden. Genau diese Kombination aus Strand, Kultur, Natur und Tierwelt macht sie für viele Gäste zunehmend interessant.“
Dertour beobachtet laut Afrika-Direktorin Ines Batz einen „regelrechten Hotelbauboom“, insbesondere im Premiumsegment. Mit dem Ananea Baron Zanzibar eröffnet voraussichtlich Mitte 2027 das zweite Ananea. Coral Travel nimmt Sansibar ab dem 1. November mit gut zwei Dutzend Vier- und Fünf-Sterne-Hotels auf. „Sansibar vereint vieles, was im Beratungsgespräch besonders gut funktioniert: Traumstrände und hochwertige Resorts treffen auf Natur, Kultur und authentische Erlebnisse“, sagt Cornelius Meyer, Deputy Managing Director Sales & Marketing.
Rundreisen und Alternativen im Fokus
Auch für Rundreisen gewinnt die Insel an Bedeutung. Kleingruppen- und Afrikaspezialist Taruk kombiniert Sansibar häufig mit Safaris in Tansania oder Kenia. Gruppenreisenspezialist Gebeco verzeichnet ebenfalls eine starke Nachfrage nach entsprechenden Kombinationen.
Mit dem wachsenden Besucheraufkommen nimmt allerdings auch die touristische Dichte zu. David Heidler, Geschäftsführer von Akwaba Afrika, bezeichnet Sansibar als „wunderschön“, weist aber darauf hin, dass es an vielen Orten bereits sehr voll sei. Mehr Ruhe biete die Insel Pemba, die zum Sansibar-Archipel gehört und teils noch an das Sansibar vergangener Jahrzehnte erinnert. Als Alternative nennt er auch Mafia Island, die außerhalb des Archipels liegt und vor allem für Taucher interessant ist.
Balance zwischen Wachstum und Authentizität
Guido Bürger, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Südliches und Östliches Afrika (ASA), sieht die zunehmende Erschließung mit Blick auf Natur, Kultur und Authentizität als Herausforderung. Bürger verweist auf den Schriftsteller Hans Magnus Enzensberger: „Der Tourist zerstört das, was er sucht, indem er es findet.“ Ein Satz, der die Herausforderung für Sansibar treffend zusammenfasst: Die Insel muss mit dem wachsenden Interesse umgehen, ohne dabei ihr eigenes Profil zu verlieren.




