
Das berühmte Kreuzfahrtschiff MS Deutschland sticht nach dem finalen Sommercharter heute letztmalig für Phoenix Reisen in See. Die Zukunft des schwimmenden Grandhotels ist ungewiss.
Mit der Deutschland verabschiedet sich eines der wenigen verbliebenen klassischen Kreuzfahrtschiffe aus dem deutschen Markt. Das „schwimmende Grandhotel“, das 1998 vom damaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker getauft wurde, gilt als Liebhaberschiff und hat eine bewegte Historie: Es diente von 1999 bis 2016 als Drehort für die ZDF-Serie „Das Traumschiff“ und zwischenzeitlich als Unterbringung bei Olympischen Spielen.
Nach der Pleite des ersten Eigners, der Reederei Peter Deilmann, wurde das Schiff zunächst von der MS „Deutschland“ Beteiligungsgesellschaft betrieben und dann, in einem weiteren Insolvenzverfahren, an die US-Organisation Semester at Sea verkauft. Diese setzt das Schiff seit 2015 jeweils in der Wintersaison unter dem Namen World Odyssey zur Ausbildung von Studierenden ein.

Chartervertrag nicht verlängert
In den Sommersaisons war die Deutschland über viele Jahre an Phoenix Reisen verchartert. Der Bonner Veranstalter hat den in diesem Sommer auslaufenden Vertrag nicht mehr verlängert. Grund für die Entscheidung ist dem Vernehmen nach vor allem die fehlende Investitionsbereitschaft des US-amerikanischen Betreibers in notwendige Modernisierungen.
Ihre Abschiedsreise führt die Deutschland am heutigen Freitag von Bremerhaven in die Niederlande, nach Belgien und durch den Ärmelkanal nach Frankreich und England, ehe das Schiff nach acht Tagen wieder in Bremerhaven festmacht. Nahezu alle Kabinen sind belegt, berichtet der Geschäftsführer von Phoenix Reisen, Benjamin Krumpen. „Die Deutschland ist in ihrer Abschiedssaison noch einmal richtig schön ausgelastet.“

Foto: Reederei Peter Deilmann
Phoenix Reisen sondiert Schiffsmarkt
Nach dem Abschied der Deutschland betreibt der Bonner Veranstalter noch seine drei eigenen Schiffe Amera (Baujahr 1988), Amadea (1991) und Artania (1994). Darüber hinaus ist das Unternehmen nach wie vor auf der Suche nach einem weiteren adäquaten Schiff und sondiert den Bestandsmarkt. Der gibt allerdings nicht viel her, und die wenigen angebotenen Schiffe sind Experten zufolge zu teuer.
Wie die Zukunft der Deutschland aussieht, ist noch ungewiss. Wie schon andere ausgediente Kreuzfahrtschiffe vor ihr, könnte sie als festliegendes Hotelschiff weiter genutzt werden.



