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Fit Reisen: Diskussion um Impftourismus

Das Thema Impfen und Tourismus wird die Branche noch eine Weile beschäftigen

Das Thema Impfen und Tourismus wird die Branche noch eine Weile beschäftigen. Foto: neelam279/pixabay

Hierzulande geht es mit dem Impfen gegen das Coronavirus eher schleppend voran, andere Länder sind da schon weiter. Und werden bald, so die Überlegung des Gesundheitsreisespezialisten Fit Reisen, Impfstoff übrig haben. Bevor dieser dann ohne Verwendung bleibt, könne er doch auch in Absprache mit den örtlichen Behörden an Touristen verimpft werden, die in ihrem Heimatland bislang leer ausgegangen sind. Eine Situation, die Fit Reisen zufolge nur Vorteile hätte: Der kostbare Impfstoff verfällt nicht, es werden mehr Menschen vor dem Coronavirus geschützt und auch der Tourismus mit seinen vielen Angestellten kommt wieder in Schwung.

Bereits jetzt kann man sich auf der Internet-Seite des Unternehmens für eine solche Impfreise vormerken lassen – allerdings noch ohne konkretes Reiseziel geschweige denn Reisedatum. Ein Duisburger Sonnenklar-TV-Reisebüro hatte auf seiner Facebook-Seite schon für das Angebot geworben.

Dieser Ansatz klingt zuerst einmal nicht abwegig, stößt aber noch vor seiner Umsetzung bereits auf heftige Kritik. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach beispielsweise bezeichnete die Idee in einem WDR-Beitrag als „unethisch“. Bevor man wohlhabende Touristen impfe, die sich eine solche Reise leisten können, solle der Impfstoff doch lieber an Regionen weitergegeben werden, wo er dringend benötigt werde.

Auch in Israel, wo bereits ein erheblicher Teil der Bevölkerung gegen das Coronavirus geimpft ist, stößt der Vorschlag auf wenig Gegenliebe. So heißt es in einem Statement von Ella Zack Solomon, der Direktorin des Staatlichen Israelischen Fremdenverkehrsamts für Deutschland, Österreich und die Schweiz: „Aufgrund von zahlreichen Anfragen und veröffentlichten Presseberichten in den vergangenen Tagen, möchten wir als Vertreter des Ministeriums für Tourismus des Staates Israel betonen, dass es keine Möglichkeiten für Touristen in Israel gibt, sich impfen zu lassen. Es werden keine Impfreisen angeboten. Impfungen erhalten ausschließlich die Einwohner Israels. Wir hoffen weiter, dass Israel schnellstmöglich die Impfung der Bevölkerung abschließen kann und der Weg zu einer Normalität nicht mehr weit ist.“

Der Fall Fit Reisen dürfte wahrscheinlich nur der Anfang einer längeren Diskussion rund ums Thema Impfen und Tourismus sein. Denn auch die Frage, wie Airlines, Kreuzfahrtanbieter oder Hotels künftig zwischen geimpften und nicht geimpften Reisenden unterscheiden, beziehungsweise welche Länder und Regionen für wen bereisbar sind, wird noch für einiges an Zündstoff in der Branche sorgen.

Susanne Layh