Kuba: Hotelketten ziehen sich zurück

Die schlechten Nachrichten für Kuba reißen nicht ab. Der kubanische Tourismus erlebt derzeit eine der schwierigsten Situationen der vergangenen Jahrzehnte. Die meisten internationalen Hotelketten sehen sich nun gezwungen, sich zu einem großen Teil aus dem Karibikstaat zurückzuziehen, der bis Corona das drittbeliebteste Ziel deutscher Urlauber in der Region gewesen ist.

Bunte Häuser in einer gepflasterten Straße mit einem klassischen grünen Auto und einem Motorrad, umgeben von elektrischen Leitungen und einem Kirchturm im Hintergrund.
Die internationalen Hotelketten ziehen sich notgedrungen aus Kuba zurück, im Bild die Unesco-Welterbestadt Trinidad. Foto: zodebala/iStock

Neue US-Sanktionen

Hintergrund der aktuellen Rückzugswelle ist – neben dem immer noch bestehenden Embargo der Amerikaner – die von Präsident Donald Trump unterzeichnete Executive Order Nr. 14404, die ab dem 5. Juni in Kraft treten soll.

Hier werden Sanktionen angedroht, die von der Beschlagnahmung von Vermögenswerten auf US-amerikanischem Staatsgebiet bis hin zum Ausschluss aus dem Swift-Bankensystem reichen. Betroffen von der Order sind alle ausländischen Unternehmen, die mit dem kubanischen Militärkonglomerat Gaesa zusammenarbeiten. Der wichtigste Wirtschaftskonzern kontrolliert und besitzt über die Tourismustochter Gaviota einen großen Teil der touristischen Infrastruktur Kubas, darunter mehr als 100 Hotels mit rund 50.000 Zimmern.

Für internationale Hotelgesellschaften entsteht dadurch ein erhebliches Risiko. Ausländischen Hotelketten ist es nicht erlaubt, ihre Resorts auf Kuba im Eigentum zu führen. Sie führen sie mit Management-Verträgen, die sich auf mindestens 51 Prozent Gaviota und 49 Prozent ausländische Hotelkette aufteilen. Die bekannteste Ausnahme ist das Iberostar Origin Laguna Azul in Varadero. Hier wurde den Spaniern 2025 erlaubt, das Hotel zu pachten.

Gaviota ist mit 100 Betrieben der größte Hotelbesitzer Kubas. Die ausländischen Ketten, die mit Gaviota ihre Verträge abgeschlossen haben, kündigen nun diese und ziehen sich aus dem Geschäft zurück.

Melia schließt 15 Hotels

Melia – mit 33 Hotels zweitgrößter Player auf der Insel – hat die sofortige Beendigung von Management- und Vermarktungsverträgen für fast die Hälfte der Hotels angekündigt. Das Unternehmen verweist in seiner Pressemitteilung auf die schwierigen geopolitischen, rechtlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen.

Geschlossen werden 15 Hotels: die Paradisus-Häuser Varadero, Rio de Oro, Princesa Mar, Los Cayos. Bei der Marke Melia betrifft es: Buena Vista, Cayo Santa María, Jardines del Rey, Las Dunas, Península Varadero. Bei Sol schließen das Varadero Beach, Caribe Beach, Cayo Santa Maria, Rio de Luna y Mares. Außerdem sind von der Schließung das recht neue Innside Catedral Habana betroffen und das Gran Hotel Bristol Habana Vieja Melia Collection, das ehemalige Kempinski genau gegenüber dem Capitol in Havanna.

Nach Angaben des Unternehmens waren viele dieser Hotels aufgrund der anhaltenden Energiekrise und der schwachen Nachfrage bereits geschlossen oder nur eingeschränkt in Betrieb.

Iberostar: Nur noch sechs Hotels auf Kuba

Auch Iberostar reduziert seine Präsenz deutlich. Über die Website www.ibercuba.com/de sind nun von ehemals 19 Hotels nur noch sechs buchbar. Verkauft werden können derzeit das Parque Central und das Marques del Torre in Havanna, das Grand Trinidad und in Varadero die Hotels Daiquiri, Tainos und Selection Varadero.

Auch die kanadische Hotelgruppe Blue Diamond Resorts mit ihren 62 Häusern auf Kuba hat ihren Rückzug ebenfalls bestätigt. Die Kette, an der TUI zu 49 Prozent beteiligt ist, führt auf der Insel Hotels der Marken Royalton, Memories, Starfish und Mystique. Ihren Rückzug hat auch die asiatische Kette Archipelago mit der Marke Aston bestätigt.

Weitere internationale Betreiber analysieren derzeit die Auswirkungen der neuen US-Regelungen und überprüfen ihre Engagements auf der Insel. Die spanischen Ketten Valentin und Blau haben ihren Rückzug zwar noch nicht offiziell bestätigt, die Häuser sind aber derzeit nicht mehr über die Website buchbar.

Derzeit fliegt nur Air Europa

Die Sanktionen treffen Kuba in einer Phase schwerer wirtschaftlicher Probleme. Das Land leidet seit Jahren unter einer Energiekrise, die regelmäßig zu stundenlangen Stromausfällen führt. Hinzu kommen Treibstoffknappheit, Versorgungsengpässe und eine zunehmend marode Infrastruktur.

Wegen der Treibstoffknappheit hatte sich auch die Luftverkehrsanbindung deutlich verschlechtert. Derzeit fliegt nur Air Europa ab Madrid dreimal pro Woche nach Havanna, ab Ende Juni will die italienische Airline Neos Flüge von Rom nach Havanna und Holguin anbieten. Ob die Verbindung aber wie geplant kommt, ist wegen der Hotelschließungen fraglich.

In den ersten vier Monaten des Jahres 2026 verlor Kuba mehr als die Hälfte seiner internationalen Gäste im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Nach Branchenangaben kamen zwischen Januar und April lediglich rund 329.000 ausländische Reisende auf die Insel, zu wenig für den wichtigsten Wirtschaftszweig und Devisenbringer.

Dementsprechend verurteilt das kubanische Fremdenverkehrsamt laut einer Pressemitteilung jede „Form von Sanktionen, die darauf abzielen, ein Land unter Druck zu setzen und wirtschaftlich zu strangulieren.“ Besonders kritisiert Kuba „den extraterritorialen Charakter sowie die einschüchternde und abschreckende Wirkung der Maßnahmen der Regierung des Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika gegen Bürger und Unternehmen aus Drittstaaten, die Handelsbeziehungen und freundschaftliche Beziehungen zu unserem Land unterhalten haben“. „Kein anderes Tourismusziel in der Region ist gezwungen, sich solchen Herausforderungen zu stellen“, so das Fremdenverkehrsamt weiter. Gaviota wolle zudem nach dem Rückzug der ausländischen Hotelketten die Häuser als Eigenmarke betreiben, zu diesen gehören unter anderem Gran Caribe und Hoteles Cubanacan.