
Die Ergebnisse sind ernüchternd: Laut einer wissenschaftlichen Studie der Universität Bern sind die meisten Passagiere nicht oder kaum bereit, ihren CO2-Fußabdruck zu kompensieren. Im Zuge der Studie hatten die Wissenschaftler insgesamt 63.520 Buchungen einer europäischen Airline zwischen August 2019 und Oktober 2020 analysiert. Lediglich 4,46 Prozent der Buchungen beinhalteten Kompensationsleistungen. Untersucht wurden etwa 20 Prozent des Gesamtvertriebs der Airline. Die Buchungen wurden direkt und nicht über ein Reisebüro getätigt.
„Unsere Daten lassen ganz offensichtlich den Schluss zu, dass ein angemessener Ausgleich der eigenen Emissionen für die meisten Fahrgäste offenbar keine Verhaltenspriorität darstellt“, schreiben die Autoren der Studie, die auch die Frage stellen, welchen Beitrag die Kompensationsprogramme zur Eindämmung des Klimawandels leisten.
Freiwillige CO2-Kompensation kein wirklich sinnvolles Instrument zum Klimaschutz
Der Studie zufolge, die bei Science Direkt veröffentlicht wurde, liegt die durchschnittliche Zahlungsbereitschaft für die Kompensation einer Tonne CO2 bei lediglich einem Euro. Zum Vergleich: Im EU-ETS, dem EU-Emissionshandelssystem, lag der Wert pro Tonne CO2 im Dezember 2021 bei mehr als 90 Euro. Aufgrund dieser drastischen Diskrepanz kommen die Wissenschaftler zu dem Schluss, dass freiwillige Kompensationen (bislang) kein wirklich sinnvolles Instrument im Kampf gegen den Klimawandel darstellen.
Auch am Counter spielen Möglichkeiten zum Ausgleich von CO2 bislang eher eine kleine Rolle. Dies berichtete Dietrich Brockhagen, Gründer und Geschäftsführer von Atmosfair, jüngst im Branchen-Podcast „Hin & Weg“ hin. Er verwies unter anderem auf den stressigen Alltag der Reiseverkäufer, wies aber darauf hin, dass Nachhaltigkeitsthemen über den Vertrieb in die Köpfe der Kunden kommen. „Kompensation am Counter anzubieten – das ist Strukturarbeit“, sagte er.
Der Podcast ist auf allen gängigen Plattformen zu finden, unter anderem auf Spotify.




