Afrika

Die Riesen von Karisoke

Die Gorillas genießen im Virunga-Nationalpark in Ruanda ein recht ungestörtes Leben. Foto: ws

Ruanda: Auf den Spuren der Gorilla-Forscherin Dian Fossey

Der Nebel hält den Bergwald fest umschlossen. Die Silhouetten der Virunga-Vulkane sind schon am frühen Morgen hinter dichten Wolkenschwaden verschwunden. Im Dunst lassen sich die Umrisse der Baumriesen jetzt nur noch erahnen.

Die junge Naturführerin Jolie Mukiza steht in ihren Gummistiefeln bis fast zum Rand im Schlamm. Gemeinsam mit ihrer Wandergruppe ist sie unterwegs auf dem Dian-Fossey-Weg im Vulkan-Nationalpark auf der ruandischen Seite des Dreiländerecks Ruanda/Uganda/Kongo. Der Pfad war einst der Heimweg der weltbekannten amerikanischen Primatologin zu ihren Schützlingen in den Bergen.
„Die Einheimischen hielten sie erst für verrückt“, sagt Mukiza. Ein Mensch – noch dazu eine weiße Frau –, der allein unter den Gorillas leben wollte? So etwas schien 1967 ausgeschlossen.

Muskelmann aus dem Unterholz

Plötzlich steht ein Berggorilla am Wegrand, als habe ihn jemand als Türsteher im Nebelwald angestellt. Der zottelige Silberrücken beäugt misstrauisch die Touristen, die zum Grab der Zoologin pilgern. Die Gruppe hält den Atem an. Unmissverständlich hebt der Gorilla die Schultern und stellt seine mächtigen Muskeln zur Schau. Aber die Gorillas im Nebel sind sanfte Wesen. „Keine Angst! Er ist ein Nachfahre der Tiere, die Fossey erforschte“, sagt Mukiza ruhig. Der Muskelmann ist schnell wieder im Unterholz verschwunden.

Im Herbst 1967 gründete Dian Fossey die Karisoke-Forschungsstation auf der ruandischen Seite der Virunga-Vulkane. Über Jahre näherte sich die Verhaltensforscherin den Tieren und studierte ihr Sozialleben. In Fosseys Hütte in den Bergen fanden Mitarbeiter am 27. Dezember 1985 den leblosen, mit einer Machete niedergestreckten Körper der Forscherin neben ihrem Bett.

„Bis heute weiß man nicht, wer sie ermordet hat“, sagt Mukiza. „Ich selbst glaube, dass es Wilderer waren.“ Bis zu ihrem Tod kämpfte Fossey gegen Tierfänger, die junge Gorillas an Zoos verkauften und aus Körperteilen ihrer Eltern und Geschwister Souvenirs für skrupellose Touristen herstellten. Mukiza führt ihre Wandergruppe zum Grab der Forscherin. Auf einer kleinen Lichtung im Urwald ist neben dem Gorillafriedhof von Karisoke eine einfache Gedenktafel für die Primatologin angebracht. Neben ihr liegt Digit, das Gorillamännchen, dessen Vertrauen Fossey als erstes gewann. Digit wurde 1977 von Wilderern umgebracht. „Dass sie ihn getötet haben, war für mich das traurigste Ereignis in all den Jahren“, schrieb Fossey später.

Bis heute eine Männerdomäne

„Für mich ist sie eine Heldin“, sagt Mukiza, „ohne sie hätte es nie eine Annäherung zwischen Mensch und Gorilla gegeben.“ Mit 19 Jahren war Mukiza die jüngste Frau, die als Guide ihre Arbeit im Nationalpark begann – noch immer ist sie eine der wenigen Naturführerinnen in einer Männerdomäne. „Aber das ändert sich langsam“, sagt die 26-Jährige.


Gorilla-Trekking
Ein Trekking zu den Berggorillas kostet in Ruanda seit Mai stolze 1.500 US-Dollar. In Uganda sind es 600 Dollar in der Haupt- und 450 in der Nebensaison. Die Gebühren für den Dian Fossey Trail im Vulkan-Nationalpark betragen 75 Dollar, allerdings besteht keine Garantie, dabei die Tiere auch zu Gesicht zu bekommen. Infos gibt es unter www.rwandatourism.com und www.ugandawildlife.org.

Win Schumacher

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