Reisebüro neu gedacht: Wie Yesim Tasöz Beratung, Whatsapp und Social Media verbindet

Vom TUI-Reisecenter zum mobilen Reisebüro und zurück in den Laden: Yesim Tasöz hat ihr Geschäftsmodell mehrfach neu erfunden. Heute verbindet sie persönliche Beratung mit Whatsapp, Social Media und eigenen Reiseerlebnissen.

Eine Frau mit Sonnenhut und Sonnenbrille steht am Steuer eines Segelboots auf dem offenen Meer, im Hintergrund sind Berge unter einem blauen Himmel zu sehen.
Yesim Tasöz steuert ihr Reisebüro seit 15 Jahren erfolgreich durch Höhen und Tiefen. Foto: Yesim Tasöz

Sie hat als Reisebüro-Kauffrau angefangen, am Flughafen gearbeitet, ein Studium absolviert, die Seiten gewechselt, ein eigenes Reisebüro eröffnet, es während der Pandemie in ein mobiles Konzept verwandelt – und ist heute wieder stationär. Allerdings anders als früher. Ihr Reisebüro ist inzwischen ein Hybrid aus persönlicher Beratung, digitaler Kommunikation und ganz viel Yesim Tasöz.

In der Branche landete die heute 49-Jährige, nachdem sie ein Video beim Arbeitsamt gesehen hatte. Eine Frau reiste um die Welt, testete Hotels und berichtete über fremde Kulturen. „Da habe ich gedacht: Das finde ich cool. Ich will auch ganz viele Menschen kennenlernen.“

So begann sie eine Ausbildung im Reisebüro am Flughafen Nürnberg. Dort arbeitete sie auch während ihres BWL-Studiums weiter und übernahm anschließend die Leitung. Da die Karrierechancen jedoch begrenzt waren, wechselte Tasöz auf die Veranstalterseite. Zwei Jahre lang arbeitete sie als Sales-Managerin für Arosa Flusskreuzfahrten. Eine Zeit, die sie als anstrengendste ihres Lebens beschreibt. Und die ihr Schicksal besiegeln sollte.

Schon während ihrer Ausbildung stand für Yesim Tasöz fest, dass sie einmal selbst ein Reisebüro eröffnen würde. „Ich hatte mich aber nicht getraut. Erst als ich bei Arosa auf so viele verschiedene Reisebüros traf – gute wie schlechte – dachte ich mir: Das kann ich auch.“ 2011 eröffnete sie ihr eigenes TUI Reisecenter in Schwabach. Fast zehn Jahre lang funktionierte das klassische Modell – bis Corona alles veränderte. Tasöz saß zeitweise allein in ihrem 100 Quadratmeter großen Büro. Gleichzeitig gewöhnten sich die Kunden an digitale Kommunikation und flexible Beratung.

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Luftaufnahme der Küstenregion Kekova bei Antalya mit Booten im türkisfarbenen Wasser, überlagert mit dem Logo der anex gruppe und Textbausteinen.

Ein mobiles Reisebüro als Wendepunkt

2021 machte sie ihr Reisebüro mobil. Überraschenderweise blieb ihr jedoch ein großer Teil ihrer Kunden treu. „Da habe ich gemerkt: Die Kunden kommen wegen mir.“ Da die Provision für mobile Reiseberater gedeckelt war, entschied sie sich, erneut bei TUI Reisecenter anzuklopfen, wo man sie sofort wieder aufnahm.

Heute arbeitet Yesim Tasöz in einem kleinen, 20 Quadratmeter großen Ladenlokal mit einer Kollegin, die zuvor als Studentin bei ihr gearbeitet hatte, und einer Minijobberin, nur wenige hundert Meter vom alten Standort entfernt. Beratung gibt es vor allem nach Termin – telefonisch, per Whatsapp, Videotelefonie oder persönlich. Tasöz nennt das Konzept Hybridmodell: stationär, aber nicht klassisch stationär.

Social Media als Erfolgsrezept

Ihren Erfolg – ihr Umsatz liegt trotz weniger Mitarbeiter fast auf dem Vor-Corona-Niveau – erklärt sie mit einem veränderten Konzept. In den vergangenen fünf Jahren hat sie ihre Präsenz in den sozialen Medien deutlich ausgebaut. Tiktok, Instagram, Facebook und LinkedIn sind heute wichtige Kanäle. Täglich investiert sie ein bis zwei Stunden in gute Inhalte.

Dabei setzt sie auf Authentizität. Sie zeigt ausschließlich Hotels, die sie selbst besucht hat, und empfiehlt nur, wovon sie überzeugt ist. Inzwischen hat sie sich zudem stärker auf luxuriöse Produkte spezialisiert. Ihre eigenen Reisen sind Teil ihres Geschäftsmodells. Tasöz ist viel unterwegs, besucht Hotels und Destinationen und produziert Inhalte für ihre Kunden. „Ich werde dann zur Influencerin“, sagt sie.

15 Jahre Selbstständigkeit

Zwei lächelnde Frauen stehen vor einer goldenen Ballon-Zahl 15, wobei eine Frau auf einen schwarzen Ballon zeigt, der über einem beigen Ballon schwebt.
Gemeinsam mit Kunden und Freunden wurde der 15. Geburtstag groß gefeiert. Foto: Yesim Tasöz

Im August feierte Yesim Tasöz 15 Jahre Selbstständigkeit mit DJs und einer Cocktailbar. Für sie ist das Reisebüro längst mehr als ein Unternehmen. „Mein Reisebüro ist mein Kind.“

Der Beruf bringt allerdings auch eine Kehrseite mit sich: Die Reiseexpertin ist fast ständig erreichbar. Whatsapp-Nachrichten kommen auch am Wochenende, manchmal bis zu 50 am Tag. Inzwischen versucht sie deshalb, Grenzen zu setzen und schaltet nachts ihr Handy aus.

Trotzdem möchte sie ihren Beruf nicht anders leben. Die Touristik ermöglicht ihr, die Welt zu entdecken, Hotels persönlich kennenzulernen und diese Erfahrungen an ihre Kunden weiterzugeben. Sie erinnert sich an Gänsehaut-Momente bei einer Fahrt durch Vietnam, beim Spielen mit Straßenkindern in Namibia oder bei einem Helikopter-Flug über Mauritius. „Solche Momente entschädigen für die harten Zeiten, ich bin einfach nur glücklich.“

Der Blick in die Zukunft

Für die Zukunft rechnet Tasöz mit noch mehr Digitalisierung und dem wachsenden Einfluss von KI. Persönlich bleiben möchte sie trotzdem. „Solange es geht, möchte ich selbst ans Telefon gehen und selbst auf Whatsapp antworten.“

Nach fast 30 Jahren hat Tasöz ihr Reisebüro an ihr eigenes Leben angepasst: Aus dem klassischen Laden wurde ein kleines Hybridbüro, aus der Büroleiterin eine Unternehmerin und aus der lokalen Reiseberaterin eine Expertin mit Kunden weit über Schwabach hinaus.