Ukraine: Busse werden an den Grenzen benötigt

Zahlreiche Menschen warten derzeit in Przemsyl an der polnisch-ukrainischen Grenze auf Busse, die sie in andere Länder bringen
Pia Emonds vom Reisebüro Reiseengel ist derzeit in Polen und versucht, verzweifelten Menschen zu helfen
Pia Emonds vom Reisebüro Reiseengel ist derzeit in Polen und versucht, verzweifelten Menschen zu helfen. Foto: privat

Die Not und Verzweiflung der Menschen sind riesig, sagt Pia Emonds, Inhaberin des Reisebüros Reiseengel in Stolberg. Sie ist derzeit in Przemsyl an der polnisch-ukrainischen Grenze und bietet einen Transport nach Deutschland an. „Alle wollen weg“, berichtet sie. Doch Busse und Transportmöglichkeiten fehlten. „Ich bitte all die, die helfen können, mit Bussen zu kommen und den Menschen zu helfen“, sagt sie. Die Lage vor Ort sei schlimm.

Eben diesen Appell richtet auch Kurt Koch, Vorstand der Rita AG, unter deren Dach die Vertriebsmarken Mein Urlaubsglück, AER Mobile und Travelista powered by LCC angesiedelt sind, an touristische Unternehmen. „Es ist eigentlich ganz einfach. Chartern Sie einen Bus und fahren Sie los“, sagt er.

Koch und Achim Steinebach, Chef des mobilen Vertriebsspezialisten Amondo fahren selbst am Freitag mit einem Bus an die polnisch-ukrainische Grenze, um Flüchtende abzuholen. Koch und sein Team haben kurzerhand einen Bus gechartert, in dem 50 Frauen und Kinder Platz finden. „Wir haben überlegt, wie wir helfen können und nach Gesprächen mit Behörden und Hilfsorganisationen war klar, dass es zahlreiche Hilfsangebote hier vor Ort gibt, aber dass der Transport das große Problem ist“, sagt Koch.

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Kurt Koch: Die Angst bei Frauen und Kindern ist groß

Auch wenn Geflüchtete nun unter anderem kostenlos Züge der Deutschen Bahn nutzen könnten, „so kann das eben nicht jeder tun“. Koch verweist unter anderem auf Verständigungsprobleme und auf die Angst der Frauen und Kinder. Er berichtet von Bekannten, die ebenfalls an der Grenze waren, aber zu denen niemand ins Auto einsteigen wollte. „Es sind leider mittlerweile auch Schlepperbanden unterwegs, die Flüchtenden sind zu Recht sehr vorsichtig.“

Neben Kurt Koch werden zwei Fahrer, eine Teamleiterin von Mein Urlaubsglück, eine russisch sprechende Bekannte und Achim Steinebach nach Korczowa in Polen fahren. Steinebach hatte laut Koch sofort zugesagt, die Hälfte der Kosten zu übernehmen. „In solchen Zeiten zählt eine starke Gemeinschaft“, sagt Koch.

Amondo und Mein Urlaubsglück starten am Freitagabend

In Korczowa befindet sich eines von mehreren Aufnahmezentren. „Zudem haben wir Kontakt zu einem aus der Ukraine stammenden Deutschen, der dort ebenfalls ein eigenes Zentrum organisiert hat. Er hilft uns weiter.“

Am Freitagabend soll es losgehen. Einige Hilfsgüter haben die Helfer ebenfalls dabei. „Hilfsgüter, die an der Grenze benötigt werden und die wir den Frauen und Kindern geben können“, sagt Koch.

„Chartern Sie einen Bus und fahren Sie los“

Die Rückkehr ist für Sonntagmorgen geplant. „Dann sollen die Menschen in ein Erstaufnahmezentrum in Fallingbostel gebracht und von dort dann in anderen Unterkünften untergebracht werden“, erläutert Koch. Er geht davon aus, dass diese Aktion nicht die letzte bleiben wird. „Ich befürchte, dass das Schlimmste noch bevorsteht. Hilfsorganisationen erwarten zwischen fünf bis zehn Millionen Flüchtende“, sagt er. „Jeder, der helfen kann, sollte das tun.“

Kurt Koch bietet Interessierten Unterstützung an unter ukraine-hilfe(at)mein-urlaubsglueck.de. „Wir brauchen für diese Aktion keine Unterstützung wie Spenden und Co. Aber wir können gerne Tipps geben und vor allem Kontakte vermitteln.“ Letzteres sei besonders wichtig, da die Angst bei den flüchtenden Frauen und Kindern enorm groß sei. Deshalb sei es unter anderem wichtig, dass der Bus vor Ort von Helfern angekündigt und Vertrauen aufgebaut werde. Pia Emonds kann ebenfalls Tipps geben. Sie ist unter der E-Mail-Adresse info(at)reiseengel-aachen.de erreichbar.

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