

Konkurrenz ist unbekannt
Die Erklärung für diese Vielfalt ist einfach: Die chinesischen Religionen haben keinen Anspruch auf Exklusivität, jeder Mensch muss sich seinen Weg zum religiösen Glück selbst suchen. Wer Buddhist ist, kann auch Taoist sein, wer die Ahnen verehrt, darf auch für Konfuzius etwas übrig haben (meist erinnert man sich vor großen Prüfungen an ihn).
Oder man wechselt einfach zwischen den Religionen, weil es die Lebenssituation erfordert. So erfreut sich der Buddhismus unter älteren Chinesen großer Beliebtheit, weil er mit seiner Vorstellung vom Paradies eine attraktive Vision für die Zeit nach dem Tod bietet. Der Taoismus wiederum hat mit seinen tausenden Göttern für jedes Problem garantiert einen passenden Spezialisten. Kein Wunder, dass sämtliche Religionsstatistiken im chinesischen Kulturraum hinfällig sind und mitunter Werte weit über 100 Prozent ergeben.
Ein paar Indizien zur hauptsächlichen Orientierung gibt es allerdings doch: Taoistische Tempel sind oft in Schwarz und Gold gehalten, vor allem die Eingangssäulen, und die Buddha-Statue ist eher in einem Seitenraum untergebracht. Buddhistische Tempel legen dagegen eine Vorliebe für rot- oder holzfarbene Säulen an den Tag, und der Buddha darf in der Mitte der Haupthalle stehen. Am Tor wachen die vier Himmelswächter über ihn.
Für den westlichen Betrachter wirkt das ein wenig verwirrend und unübersichtlich. Für Chinesen übrigens auch – nur stört sich in China niemand daran.



