Durch das alte Japan

In der Präfektur Shizuoka immer im Mittelpunkt: der Fuji. Auch vom Shida House ist der heilige Berg der Japaner zu sehen
In der Präfektur Shizuoka immer im Mittelpunkt: der Fuji. Auch vom Shida House ist der heilige Berg der Japaner zu sehen. Foto: npstockphoto / iStockphoto
Einer der Farbholzschnitte aus Hiroshiges: „Die 53 Stationen des Tokaido“
Einer der Farbholzschnitte aus Hiroshiges: „Die 53 Stationen des Tokaido“ Foto: Explore Shizuoka
Traditionell gekleidet: ta-Redakteur Arne Hübner (rechts) und Reiseverkäufer Mark Thaler vom Derpart Fraport Travel Service in Frankfurt in Shuzenji
Einer der Farbholzschnitte aus Hiroshiges: „Die 53 Stationen des Tokaido“ Foto: Explore Shizuoka

Während heutzutage Shinkansen mit einer Geschwindigkeit von mehr als 300 km/h durch Japan rast und als wichtigstes Transportmittel nicht mehr wegzudenken ist, waren vor Jahrhunderten Post- und Handelsstraßen für Reisen durch Nippon extrem wichtig. Die bekannteste Fernroute war der 450 Kilometer lange Handelspfad Tokaido, der seinen Ursprung in der Edo-Zeit hat. Er führt größtenteils durch die Präfektur Shizuoka.

Ein Haus vom mittelalterlichen Japan
Heute können Touristen auf dem Tokaido, der übersetzt östlicher Seeweg bedeutet, noch immer einen Hauch des mittelalterlichen Japans spüren. Die Handelsstraße entstand im späten 16. Jahrhundert, als der Herrscher Shogun Tokugawa den Regierungssitz von der Kaiserstadt Kyoto nach Tokio, dem damaligen Edo, verlegte. Tausende Japaner waren täglich auf der Route unterwegs, darunter Postboten und Kuriere, die wichtige Dokumente zwischen den Großstädten transportierten. 

Auch feudale Herrschaften und andere Priviligierte ritten auf Pferden über den Tokaido, die normale Bevölkerung marschierte auf Schusters Rappen.

Halt machten die Reisenden an einer von 53 Stationen, den Shukus, die alle acht Kilometer auf dem Tokaido zu finden waren. Sie boten einfache Unterkünfte für maximal 100 Gäste, Stallungen für Pferde, Restaurants, Bars und ein Postamt. Einige dieser historischen Raststätten sind noch erhalten oder wurden wieder aufgebaut und sind für Touristen bequem per Shinkansen zu erreichen. Andere Orte erreichen Interessierte mit der lokalen Linie JR Tokaido.

Wie wichtig die Tokaido-Route für das Land der aufgehenden Sonne ist, zeigt auch ein Blick auf den Beginn der Erfolgsstory des Schnellzugs Shinkansen. Dieser wurde im Rahmen der Olympischen Spiele, die 1964 in Tokio statt‧fanden, eingeführt. Die erste Route wurde Tokaido-Shinkansen getauft. Sie verläuft noch heute nahe der ursprünglichen, Jahrhunderte alten Handelsroute.

Poststationen mit Tatami-Matten
Im Shuku von Mariko oder im Freilichtmuseum Shida-House mit Fuji-Blick in Shizuoka können Besucher durch die Poststationen mit den feinen Papierwänden wandeln, die Übernachtungsmöglichkeiten sehen, wo Boten und andere Gäste auf Tatami-Strohmatten nächtigten – ein Einblick in eine längst vergangene Epoche. An den Wänden der Shukus hängen oft Nachdrucke des berühmten Künstlers Utagawa Hiroshige. Er beendete im Jahr 1834 einen Zyklus von Farbholzschnitten – „Die 53 Stationen des Tokaido“ – und verewigte damit die alte Handelsroute.

Eine japanische Bilderbuch-Idylle am Tokaido erwartet Gäste in dem 1.200 Jahre alten Badeort Shuzenji. Wer wie der Autor keine Angst hat, von japanischen Touristen belächelt zu werden, leiht sich im Fachgeschäft einen Kimono aus. Dieser wird in einer fast zeremoniellen Art von Schneiderinnen in einer halbe Stunde fachmännisch angelegt. Dann schreitet man wie ein Edelmann aus der Edo-Epoche durch Shuzenji , besucht den Tempel und genießt in den Stuben am malerischen Katsura-River ein Tässchen grünen Tee. Eine Möglichkeit, die man sich nicht entgehen lassen sollte, denn Shizuoka ist das größte Teeanbaugebiet Japans.

Eine Baby-Glück-Brücke
Am Katsura-River sieht man immer wieder junge Paare, die sich kichernd über die Brücke am Bamboo Forest Path trauen. Der Hintergrund: Laut einer japanischen Weisheit geht der Kinderwunsch bei demjenigen in Erfüllung, der die Katsusara-Brücke überquert.

Bevor es am nächsten Tag zurück in die schrille Millionenmetropole Tokio geht, wartet am Abend in einem der Ryokans, den traditionellen japanischen Unterkünften, noch der Besuch im Onsen – den alten Badehäusern. Im Thermalwasser inmitten der ursprünglichen Bergwelt wird die Edo-Zeit abermals lebendig, das ultramoderne Japan liegt weit weg. Dabei ist Tokio mit dem Shinkansen nur 45 Minuten entfernt.

Reisen in die Präfektur Shizuoka bieten Spezialisten wie Diamir, Tischler Reisen und Geoplan an. Ikarus Tours und Studiosus stellen Trips auf Anfrage zusammen.


Podcast Japan
Die Vielfalt Japans ist Thema einer aktuellen,sechsteiligen Podcast-Serie. Produziert wurde sie von den „Hin & Weg“-Machern: „Konichiwa Japan – der Japan-Podcast mit Sven Meyer und Andy Janz“.

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