Fuji: Der Berg, um den sich alles dreht

So weit das Auge reicht: sattgrüne Teeplantagen am Fuß des Mount Fuji. Foto: Beautiful-Japan / iStockphoto
Die Shiraito-Wasserfälle werden vom Schmelzwasser des Fujis gespeist. Foto: ah
Die Shiraito-Wasserfälle werden vom Schmelzwasser des Fujis gespeist. Foto: ah

Es regnet in Strömen. Ungewöhnlich sei das für November, meint der Guide. Der Fuji, der heilige Berg der Japaner, versteckt sich hinter einer Wand aus Wolken. Die Wetterkapriolen machen es den Tourismuswerbern der Präfektur Shizuoka nicht leicht. Eigentlich sollten wir heute die Stadt Fujinomiya und die Umgebung, die rund eine Stunde östlich von Tokio liegt, mit dem Fahrrad erkunden. Das fällt buchstäblich ins Wasser.

Dafür überreicht uns der Bürgermeister ein Zertifikat. Wir werden als „charmante Besucher“ des Fujis geehrt. Laut der Karte ist der Fuji sehr schüchtern. Manchmal verstecke er sein Gesicht vor charmanten Besuchern. Und der Fakt, dass er sich heute uns gegenüber versteckt hält, sei der Beweis, dass wir Charme besitzen. Vielen Dank, Fuji. Trotzdem würden wir dich gerne einmal zu Gesicht bekommen.

Zuerst geht es zum Mittagessen. Im Tagesverlauf erfahren wir, wie elementar der Fuji für die Menschen ist. Etwa bei der 85-jährigen Sumiko Sano und ihrem Community-Restaurant Izumi Kakojo im Örtchen Yuno.
Sumiko steht jeden Morgen um fünf Uhr auf und stellt handgemachte Soba-Nudeln her, eine ostjapanische Spezialität, die kalt serviert wird. Seit 27 Jahren betreibt sie mit fünf weiteren Frauen ihr winziges Lokal. Neben Soja-Nudeln aus Buchweizen kommen frittierte Aubergine, Süßkartoffeln, Bambussprossen, Shitake-Pilze, Spinat, süßer Sesam und scharfer Rettich auf den Tisch. Was ist das Geheimrezept der buckligen Dame? Die Soba-Nudeln werden in Fuji-Quellwasser gekocht.

Wieder zurück in Fujinomiya besuchen wir den 1.200 Jahre alten Shinto-Schrein Fujisan Hongu Sengen Taisha. Er wurde gebaut, um den verehrten Fuji zu besänftigen, möglichen Eruptionen vorzubeugen.
Auf der Schreinanlage sprießen mehr als 500 Kirschbäume in die Höhe. Sie werden natürlich mit Fuji-Quellwasser gegossen. Berühmt und im Auge der Japaner heilig, ist auch der Wakutama-Teich. Denn eine Unmenge von Schmelz- und Regenwasser des Fujis sickert sich durch die Vulkanschichten und sprudelt aus einer mineralischen Quelle am Teichrand an die Oberfläche. Somit ist der Wakumata im Grunde das Ende eines jahrhundertealten Lavastroms.

An der Tränke für rituelle Reinigungen treffen wir einen älteren Herrn, der sich nicht die Hände wäscht, sondern zwei Kanister mit Wasser befüllt. Auf die Frage, warum er hier sein Wasser abfüllt, erklärt er: „Das ist Schmelzwasser vom Fuji. Das nutzen meine Frau und ich zum Reiskochen und für den grünen Tee. Es schmeckt einfach besser.“ Natürlich.

Das Wasser vom heiligen Berg ist in Fujinomiya allgegenwärtig: Für die Landwirtschaft wie dem Reisanbau und Hunderte Teeplantagen am Fuße des Berges, die Forellenzucht, selbst die verschiedenen Sake-Brauereien nutzen es für ihren Reisschnaps. Auch die schönsten Wasserfälle der Region verlassen sich auf den geliebten Vulkan: Bei den Shiraito-Wasserfällen strömt Fuji-Wasser in dünnen Fäden in einer 20 Meter hohen Kaskade in die Tiefe – ein sehenswertes und im leichten Regen fast mystisches Erlebnis.

Der Volksmund von Fujinomiya sagt: „Fuji ist wie unsere Mutter: Er ernährt uns, kann aber auch zornig sein.“ Damit ist ein möglicher Vulkanausbruch gemeint. In vielen historischen Häusern wie dem Shida-House oder traditionellen Übernachtungshäusern, den Ryokans, stammen die Steine aus den Steingärten wie selbstverständlich vom Mount Fuji.

Am nächsten Morgen hat es sich ausgeregnet, die Sonne scheint. Der Fuji steht erhaben in der Ferne. Die Tourismus-Werber sind erleichtert. Einer flüstert uns zu: „Die beste Zeit, um den Fuji in voller Pracht zu sehen, ist von Januar bis März. Morgens zwischen sechs und acht Uhr.“

Shizuoka mit dem Fuji erleben Gäste etwa auf der Geoplan-Privatrundreise „Naturschönheiten in Japan – Shizuoka und Nagano“.


Fuji-Besteigung
Ein japanisches Sprichwort lautet: „Wer einmal den Fuji bestiegen hat, ist weise.“ Besteigungen sind jedes Jahr vom 10. Juli bis 10. September möglich. Die kürzeste Route beginnt auf 2.400 Metern vom Fujinomiya Trailhead aus. Dorthin gelangt man bequem per Mt. Fuji Skyline. Für die fünf Kilometer lange Strecke zum Krater, die natürlich immer bergauf auf bis zu 3.741 Meter führt, sind vier bis sieben Stunden nötig. Der Abstieg dauert noch einmal bis zu drei Stunden.

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