Auf den Spuren von d’Artagnan

Wo der künftige Musketier d’Artagnan zu Beginn des 17. Jahrhunderts zur Welt kam: Schloss Castelmore bei Lupiac.
Die Bürger von Lupiac hoffen, einen neuen Betreiber für das Gasthaus Auberge d’Artagnan zu finden. Fotos: hs

Seitdem sucht sie einen neuen Pächter. Oder einen Käufer. Jemanden, der das kleine Hotel mit Bar und Gaststube im Geburtsort des legendären Musketiers d’Artagnan mit neuem Elan wiedereröffnen mag und darauf setzt, dass schon bald mehr Fremde hierher kommen werden – in den bäuerlichen Landstrich mit seinen sanften Hügeln, den saftigen Weiden und den Weinfeldern im Pyrenäen-Vorland weit im Westen von Frankreich: um auf den Spuren jenes berühmtesten Sohnes der Gegend unterwegs sein.

Charles de Batz jedenfalls, genannt d’Artagnan und geboren irgendwann zwischen 1610 und 1612 auf Schloss Castelmore direkt vor den Toren von Lupiac, ist das reale Vorbild des literarischen Leibwächters von König Ludwig XIII., den Alexandre Dumas mit wehendem Umhang, flottem Degen und der richtigen Portion Lausbuben-Charme durch seinen Roman „Die drei Musketiere“ fechten lässt. Sagenhafte 128-mal ist die Story bereits in wechselnden Besetzungen verfilmt worden – zuletzt als Hollywood-Kassenschlager mit Orlando Bloom und Milla Jovovich.

Von Lupiac aber hat noch kaum einer gehört. Das soll sich ändern. Denn Regis Meyer, einer von Frankreichs führenden d’Artagnan-Experten, und Josette Ribeiro haben jeden im Dorf, der mitmachen wollte, gerade neu eingekleidet. Jeder besitzt nun ein historisches Kostüm – und zeigt sich darin einmal im Jahr im August: wenn alle auf den Place d’Artagnan mit dem alten Brunnen im Ortszentrum treten, vor die Fachwerkhäuser, unter die mittelalterlichen Arkaden an der Rue des Mousquetaires, egal wohin.

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Denn jeden Sommer steigt nun das d’Artagnan-Festival, in diesem Jahr zum zweiten Mal. Es soll Lupiac nach und nach auf die Landkarte heben, für neue Jobs sorgen und, ganz nebenbei, dabei helfen, einen neuen Betreiber für das Dorfgasthaus zu gewinnen. Ehrenamtlich haben die Frauen des Ortes monatelang an den Kostümen geschneidert. Ribeiro unterdessen strahlt: „Nach dem Fest ist vor dem Fest.“ Die zurückhaltende Ex-Wirtin der Auberge d’Artagnan freut sich an ihrem neuen Blümchenkleid mit Schürze und der weißen Haube – entstanden fast durchweg aus einer ausgemusterten Tischdecke.

Wenn es wieder so weit ist, wird das ganze Dorf für Autos gesperrt werden, alles ein knappes Wochenende lang so aussehen wie zu d’Artagnans Lebzeiten. Aus Paris wird eine kostümierte Fechter-Truppe kommen, dazu ein Trupp Schaureiter, während die Barock-Musikanten sich wiederum aus den Einwohnern rekrutieren werden. Andere Leute aus dem Dorf werden kochen, backen und an Ständen all das verkaufen, was es Mitte des 17. Jahrhunderts auch schon gab und was noch heute perfekt ins Ambiente passt.

Warum das alles? Weil die Arbeitslosigkeit hoch ist. Weil das Dorf auffallen will und offenbar allein dadurch, dass es malerisch ist, nicht genügend Menschen von anderswo anzuziehen vermag. Mit ein bisschen Glück findet sich sogar irgendwann jemand, der Josette Ribeiro nach dem Schlüssel für die Auberge d’Artagnan fragt und den stillgelegten Gasthof übernehmen will.

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