Danzig: Die Schöne an der Mottlau

Gegenüber der Altstadt ist 2019 ein komplett neues Quartier entstanden
Gegenüber der Altstadt ist 2019 ein komplett neues Quartier entstanden
Das Solidarnosc-Zentrum auf dem alten Werftgelände
Das Solidarnosc-Zentrum auf dem alten Werftgelände. Fotos: mw

Der Weg bis in 80 Meter Höhe ist etwas mühsam. Steigt man indessen über die letzten Stufen durch die schmale Tür am Ende der Treppe hinaus auf den zentralen Umlauf des Rathausturms, so öffnet sich ein Rundumblick wie in einem prächtig ausgestatteten Geschichtsbuch.

Danzigs Altstadt mit der stets belebten zentralen Langgasse und dem Langen Markt liegt direkt unterhalb. Polens Restauratoren haben hier ganze Arbeit geleistet. Nicht nur der fotogene Neptunbrunnen vor dem weiß getünchten Artushof, die gotische Marienkirche, das große Zeughaus aus der Renaissance und natürlich das markante hölzerne Krantor an der Mottlau sind wieder entstanden, wie sie in der Frühen Neuzeit ausge-sehen haben mögen. Auch die Ruinen der Bürgerhäuser an der Langgasse und in den Nachbarstraßen wurden rekonstruiert.

Heute schlendern wieder mehr als drei Millionen Touristen pro Jahr über das Kopfsteinpflaster – mit rapide steigender Tendenz. Bald könnte die Stadt Prag oder Tallinn Konkurrenz machen.

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Weltoffene Kosmopoliten

Nach der Vertreibung der überwiegend deutschen Bevölkerung 1945 und gegen den Willen der sowjetischen Führung umgesetzt, ist das sanierte städtische Gesamtkunstwerk auch ein Beweis für den Eigensinn der Danziger. Vom Nationalismus der Zentralregierung in Warschau wollen die Danziger nichts wissen, geben sich weltoffen und kosmopolitisch. „Wir Danziger haben immer unsere eigene Position bezogen“, sagt dazu Lukasz Wysocki, der Präsident der städtischen Tourismus-Organisation.

Davon zeugt auch das Europäische Solidarnosc-Zentrum auf dem alten Werftgelände. Mit multimedialen Installationen entführt es in die Zeit des Aufstands der Werftarbeiter 1980, der letztlich zum Ende des Warschauer Paktes führte. Der damalige Gewerkschaftsführer Lech Walesa empfängt hier noch heute regelmäßig Besucher.

Seit 2017 erinnert nun ein zweites hochmodernes Museum in einem 40 Meter hohen schräg gestellten Kubus an den Beginn des Zweiten Weltkriegs.

„Wir zeigen den Krieg aus der Perspektive der Zivilbevölkerung“, betont Gründungsdirektor Pawel Machcewicz. Die Schrecken der deutschen und später russischen Besatzung stehen im Mittelpunkt. Aber die Ausstellung zeigt auch immer wieder Parallelen zu anderen Kriegsschauplätzen wie den ethnischen Säuberungen in Kroatien. „Krieg ist nie eine gute Idee“, sagt Wysocki.

Hotelkomplex schließt Baulücke

Die Folgen des Zweiten Weltkriegs hatten die Bewohner der Stadt lange drastisch vor Augen. Auf der Speicherinsel gegenüber der herrlichen Altstadtfront mit dem Krantor klaffte bis 2015 eine riesige Baulücke. „Loch der Schande“ nennt es Natalia Nowak, die zusammen mit ihrem Vater Zbigniew hier bis 2019 einen modernen Hotelkomplex für die Radisson-Gruppe samt Restaurants und Rooftop-Bar realisiert hat.

Die Formen und Proportionen entsprechen denen der alten Getreidespeicher. Die letzten stehenden Mauerreste wurden sorgsam einbezogen, die unaufgeregt skandinavische Inneneinrichtung mit Tresen und Lampen aus 400 Kilogramm Ostsee-Bernstein akzentuiert.

Das größte Kapital ist jedoch der einmalige Blick: Von den Zimmern zum Fluss liegen den Gästen 500 Jahre Geschichte im wahrsten Sinne zu Füßen.

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